FrontKolumnenMehr Geld, mehr Zentimeter, mehr Ludmilla

Mehr Geld, mehr Zentimeter, mehr Ludmilla

Mehr Geld. Ich lebe in der besten aller Welten. Schon toll, wie viel Glück mir beinahe täglich zufliesst. Gestern hat mir Sam, Nachname unbekannt, per Mail gezeigt, wie ich mühelos jede Woche 5000 Franken oder mehr verdienen kann. „Ich habe unter tausenden dich persönlich ausgewählt. Nur ein paar Klicks und schon gehören der im Bild gezeigte Ferrari und die Traumvilla dir.“ Wenn ich mal eine Villa samt Protz-Auto brauche, werde ich klicken.

Mehr Ludmilla. Dort lebe ich mit Ludmilla aus Kiew. Ohne mich je gesehen zu haben, hat sich die 21-Jährige in mich, den 75-Jährigen, verliebt. Nicht weil ich vermeintlich reich bin, sei das passiert, sondern es sei Seelenverwandtschaft, beteuert sie. Weil sie, die Seelenverwandte, so schüchtern sei, getraue sie sich nicht, mir das direkt zu sagen. „Logge dich beim XY-Dating-Portal ein. Dort findest du alles über mich.“

Mehr Zentimeter. Ludmilla ist knapp zwanzig, ich bin mehr als drei Mal älter. Das könnte doch, nun ja, gewisse Probleme geben. „Wenn die Not am höchsten, ist die Rettung am nächsten.“ Das ist von Bertolt Brecht. Und der kannte sich ja mit Frauen aus. Nun also die Rettung:  Super-Potenz mit der Penis-Pumpe HydroXtreme 5 von Bathmate. Das Ding erinnert entfernt an eine reduzierte Melkmaschine. Es garantiert einen Zuwachs von mehr als drei Zentimetern und kostet bloss 199 Franken. Eine solche Gelegenheit muss man doch am Schwanz packen.

Mehr Millionen. Unten ein paar Zentimeter mehr. Etwas weiter oben würden einige Zentimeter weniger nicht schaden. So was verspricht die Bauchweg-Diät von Myloxetin mit organischer Himbeerketone, Glucomannan und Lypolisis. 180 Franken kostet die Einsteiger-Packung. Die Villa samt Meerblick, das Fussballer-Auto, die Diät samt eingebautem Yoyo-Effekt und nicht zuletzt Ludmilla: Da reicht der 5000-Franken-Zustupf nicht weit. Zum Glück hilft mir Mr. Diouf aus dem Senegal aus der Patsche. Er mailt mir, dass er sein Millionenvermögen aus politischen Gründen ausser Landes schaffen muss. Wenn ich ihm helfe, darf ich die Hälfte behalten. Ich muss bloss für Gebühren 10’000 Franken überweisen.

Noch mehr Ludmilla. Nein, ich zweifle nicht an meinem Glück. Allerdings haben sich seit kurzem leise Bedenken eingeschlichen. Nämlich, ob ich mit Ludmilla die richtige Wahl treffe. Denn eben haben mir Wanja und Valentina gemailt. Unbegreiflicherweise mit dem selben Text: “Honey, you have a place in my heart.“ Wie soll ich mich bloss entscheiden: Wanja, Valentina oder doch Ludmilla? 5000 Franken wöchentlich oder ein paar Millionen aufs Konto? Ich lebe in der besten aller Welten.

7 Kommentare

  1. hm komisch ich wurde auch schon unter tausenden ausgewählt reich zu werden 🙁
    und nachahmer melkmaschine brauch ich nicht da meine cm unterhalb ohne diät kleiner gewordnen bauches reichen
    der bauch wurd gar ohne teure nichtsbringende diät kleiner 🙂

  2. Scharlatane und Bauernfänger hat es immer gegeben. Früher mussten sie ihre Opfer selbst auswählen und «bearbeiten». Heute geht das alles automatisch, millionenfach, simultan und dank Google Ueberseztung in allen Sprachen.
    Daneben wecken die Inder, Chinesen, etc. die sich am Telefon in gebrochenem Deutsch als Microsoft Mitarbeiter ausgeben schon fast nostalgische Gefühle. Manchnal kriege ich echt Mitleid mit diesen human beings und antworte dann etwa:
    I know the story and hope that you will get a better job very soon. Have a nice evening.

    • Warum wird sowas ins seniorweb gestellt? Verstehe ich nicht. Finde dies absolut schlecht. Viele Senioren fallen doch auf solche Meldungen rein und probieren dann genau dies auch. Besser wäre, man würde Senioren aufmerksam machen auch solche Geschichten. Der besagte Text reizt nur zur Nachahmung, was wir alle ja nicht wollchen.

      • Das ist ja genau der Grund warum dieser Text in Seniorweb steht: Um den hinterletzten darauf aufmerksam zu machen, mit was für fiesen Tricks da versucht wird Geld zu machen! Es ist halt einfach mit Sarkasmus geschrieben, aber wenn man diesen Sarkasmus nicht versteht, dem ist sowieso nicht zu helfen. Egal ob ich nun solche und ähnliche Dinge per Mail oder per Telefon erhalte: Die unerwünschten Mails verschiebe ich in den Ordner «Spam» oder «Junk» (je nachdem wie das im jeweiligen Mailprogramm genannt wird), und leere am Schluss diesen Ordner (Rechtsklick drauf, und «Ordner leeren» anklicken. Fertig, und diese Mails landen in Zukunft in diesem Ordner. Am Handy melde ich solche komischen Anrufe einfach als «Spam», und sperre diese Nummer. Da sollte man den jeweiligen Anbieter fragen wie das funktioniert. Man muss einfach wissen wie man mit solchen Mails und Anrufen umgehen muss!

  3. Sind wir Senior*nnen einfach nur blöd oder werden wir völlig unterschätzt? Nur weil wir zu den Älteren gehören, heisst dass noch lange nicht, dass wir nicht selber denken können. Grade unsere Lebenserfahrung hilft uns dabei.
    Im Übrigen tut dem Seniorenweb etwas Witz, Humor und ein Augenzwinkern nur gut!

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