FrontGesellschaftImmer mehr ältere Menschen von Gewalt betroffen

Immer mehr ältere Menschen von Gewalt betroffen

Bis zu einer halben Million Menschen im Pensionsalter sind jährlich von Gewalt und Missbrauch betroffen – Tendenz steigend. Die Politik richte ihr Augenmerk noch zu wenig auf dieses Tabuthema, teilt Pro Senectute am heutigen Tag des Alters mit.

Die Zahl der zur Anzeige gebrachten Fälle von Gewalt und Missbrauch an älteren Menschen verdoppelte sich in der Schweiz in den letzten zehn Jahren. Aus Angst oder Scham wird jedoch nur ein Bruchteil der Delikte überhaupt zur Anzeige gebracht. So muss davon ausgegangen werden, dass fast jede dritte Person im Pensionsalter hierzulande einmal in einer Form von Gewalt und Missbrauch betroffen war.

«Hinter diesen Zahlen stehen tragische Schicksale und grosses Leid. Das muss mit allen Mitteln verhindert werden», sagt Alain Huber, Direktor von Pro Senectute Schweiz, und ergänzt: «Gerade heute, am internationalen Tag des Alters, richten wir unseren Appell an die Politik.» Es braucht nun ein klares Bekenntnis, dieses Tabuthema anzugehen und mittels Prävention weitere Fälle zu verhindern.

Bei den Risikofaktoren für Gewalt und Missbrauch ansetzen

Der Bundesrat benannte in einem Bericht erstmals Faktoren, die das Risiko für Gewalt und Missbrauch im Alter begünstigen. Dazu gehören soziale Isolation, geringe finanzielle Mittel, ein schlechter Gesundheitszustand und Überforderung von Angehörigen oder Fachkräften bei der Betreuung und Pflege älterer Menschen. Dennoch hat die Landesregierung unlängst einen wichtigen Vorstoss zur Entwicklung eines Impulsprogramms «Gewalt im Alter» auf die lange Bank geschoben.

Fakt ist, dass gerade Betreuungs- und Unterstützungsangebote präventiv eine Schlüsselrolle einnehmen können. Dies, indem sie einen entscheidenden Beitrag zur Früherkennung leisten. «Gerade mit dem Aufbau eines Vertrauensverhältnisses können die geschulten Betreuungspersonen gefährdete ältere Menschen in ein soziales Umfeld einbinden. Mit gezielter Unterstützung kann zudem einer Überlastung des betreuenden privaten Umfelds entgegenwirkt werden», betont Alain Huber.

Betreuung daheim muss für alle erschwinglich sein

Leider können sich viele Menschen Betreuungsleistungen nicht leisten, denn diese sind im Gegensatz zur Pflege nicht durch die Grundversicherung der Krankenkasse abgedeckt. «Um dem Risiko geringer finanzieller Mittel zu begegnen, ist es somit entscheidend, dass Menschen in knappen Verhältnissen der Zugang sowohl zu Betreuungs- als auch Unterstützungsangeboten im Alltag ermöglicht wird», spricht sich der Direktor der grössten Altersfachorganisation für eine politische Lösung aus, mit der solche Dienstleistungen ganz oder zumindest teils mitfinanziert werden. Zentral ist zudem, dass in allen Landesteilen Fälle und Verdachtsmomente gemeldet werden können. Dies stellen die Akteure der Altersarbeit sicher.

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