FrontGesellschaftBlocher und Köppel demaskieren sich selbst

Blocher und Köppel demaskieren sich selbst

Am 8. Januar 2022 fand in Horn die jährliche Kadertagung der SVP statt und Roger Köppel führte da im Rahmen von «Weltwoche Spezial» ein 20-minütiges Gespräch mit Christoph Blocher. Dabei zeigte sich eine der journalistischen «Qualitäten» von Roger Köppel: «Gutgelaunte» Unterwürfigkeit gegenüber dem «Doyen» und «Politstrategen».

 Auf die Frage Köppels, was das Geheimnis der Vitalität und Lebenszufriedenheit des 81-Jährigen sei, antwortet Blocher: «Ich weiss es nicht, es muss ein Geheimnis bleiben, es ist alles geschenkt.» Und dieses Geschenk des Lebens, der Welt sei vielleicht Zufall, Glück oder «Gnade Gottes». Köppel fragt nicht nach, warum die einen das Leben als Geschenk betrachten können, während andere darben und leiden. Keine Diskussion des Öffnens der Schere zwischen Arm und Reich, der zunehmenden Ungerechtigkeit und der Belastung des Planeten und damit zukünftiger Generationen durch unseren Wachstumswahn.

Blocher zitiert aus Goethes Faust: «Nach Gelde drängt, am Gelde hängt doch alles. Das ist jetzt einfach so.» Als ob kruder Materialismus Schicksal oder quasi naturgegeben wäre. Goethe lässt Gretchen aber sagen: «Nach Golde drängt, am Golde hängt doch Alles. Ach wir Armen.» Die enge ökonomistische Optik Blochers wird von Köppel nicht hinterfragt. Damit die Geldmaschine läuft, braucht es nach Blocher die Überwindung der Energieknappheit durch die Kernenergie. Köppel thematisiert die Problematik der Kernenergie und der Belastung vieler zukünftigen Generationen durch den radioaktiven Atommüll mit keinem Wort. Ebenso wenig hinterfragt Köppel das unbegrenzte Streben nach immer mehr auf einem begrenzten Planeten und die Produktion von umweltschädlichem Unsinn – Hauptsache: Die Wirtschaft wird in Schwung gehalten…Negative Folgen wie Ausbeutung des Planeten in wenigen Generationen und irreparable Schädigungen der Natur werden fleissig ausgeblendet.

Gegen «Weltuntergangsstimmungen» hält sich Blocher an den Grundsatz des Schweizer Malers Albert Anker: «Ich male, siehe die Erde ist nicht verdammt.» Köppel lässt diese Schönfärberei unkommentiert stehen…

Auf die Frage nach dem «Formstand» der schweizerischen Parteien sagt Blocher: «Die Verlotterung der Lebensgrundsätze ist natürlich bei der SP und im grünen Lager am grössten.» Köppel fragt nicht nach, welche «Lebensgrundsätze» Blocher meint. Die Grundwerte der SP – Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität – müssen allerdings gegen Blochersche und pseudobürgerliche Engführungen verteidigt und politisch stärker akzentuiert werden:

  • Gegen einen Freiheitsbegriff, der vor allem die Freiheit des neoliberalen Wirtschaftens mit möglichst wenig ökologischen oder sozialen Rahmenbedingungen meint, müssen die Freiheitsrechte, wie sie in der Menschenrechtscharta formuliert sind, politisch verwirklicht werden, für alle, nicht nur für Schweizer und die Reichen dieser Welt… und auch für zukünftige Generationen!
  • Der Kampf für gerechte materielle Verhältnisse und Chancengleichheit vor Ort und weltweit ist nötiger denn je, wenn man die Anfälligkeiten für den Missbrauch der Macht, für egomanisches Handeln von reichen Einzelnen und die nationalegoistische Politik reicher Staaten betrachtet.
  • Solidarität mit den Benachteiligten und Schwachen (nicht nur der Schweiz) sollte auch für den Pfarrerssohn Blocher ohne paternalistische Geste, sondern mit rechtlichen Verbindlichkeiten eine Selbstverständlichkeit sein.

Gegen die «Verlotterung» der Politik ist es hilfreich, wenn Blocher und seinen Kolumnen in seinen Gratiszeitungen, seinem «Teleblocher», seinen Nachbetern wie Köppel und seinen Lakaien der SVP vermehrt widersprochen wird.

Titelbild: Screenshot aus «Weltwoche Spezial» vom 8.1. 2022 unter     https://www.youtube.com/watch?v=CmxVklxIi9k

 

8 Kommentare

  1. Ach Gottchen… typische Empörung eines Altsozialisten, der, wie die allermeisten SP Mitglieder und Wähler, vom Wohlstand der Schweiz und der Umverteilung der Tüchtigen und Reichen profitieren. Diese Selbstgerechtigkeit derer, die nie in der Privatwirtschaft gearbeitet haben, nie Arbeitsplätze geschaffen haben und sich nie dem globalen Wettbewerb stellen mussten, ist genau so stossend, wie die nationalistischen Voten aus der SVP oder ideologisches Geschwätz aus den Reihen der Linksgrünen. Das internationalistische, sozialistische Gefasel von Gleichheit und Umverteilung ist so weltfremd wie der gescheiterte Sozialismus selber. Der Dauerempörungszustand der Linken über Blocher und seinen (gesponserten) Adlaten Köppel animiert die höchstens und lässt sie eh kalt. Als Liberaler, der dem Schweizer Erfolgsmodell seit 1848 verpflichtet ist, habe ich weder mit der nationalistischen SVP, noch mit der Haltung Blochers etwas gemeinsam. Nur hat es Blocher als Selfmademan ohne familiäre Mittel und vorallem seine Tochter dank Talent und Fleiss zu grossem Wohlstand gebracht und tausende Arbeitsplätze geschaffen, die genau die Umverteilung ermöglicht, die auch weniger Tüchtigen und weniger Talentierten in der Schweiz ein ziemlich sorgloses Leben ermöglichen. Das gilt es, differenziert, festzustellen. Und dass die Linken immer genau auf die einhauen, welche die grössten Umverteilungs-Eier legen, gehört zu deren weltfremder Abgehobenheit und ideologischer Verblendung.

    • Lieber Herr Herren, besten Dank für Ihren Kommentar. Mit Ihren Assoziationen «Altsozialist», «Selbstgerechtigkeit», «ideologisches Geschwätz aus den Reihen der Linksgrünen», «das internationalistische, sozialistische Gefasel», «weltfremde Abgehobenheit» und «ideologische Verblendung» kann ich nichts anfangen. Wissen Sie, ich war 1975/76 in Berlin und bin da öfters von West- nach Ostberlin und zurück gereist. Wenn man das ein paarmal gemacht hat und nicht völlig blind ist, ist man für ein pervertiertes Verständnis des Sozialismus nicht anfällig. Hingegen bin ich genau wie Sie ein Bewunderer der genialen Staatsgründung der neuen Schweiz von 1848. Wir könnten uns sicher sehr gut über die politischen Grundwerte «Freiheit», «Gerechtigkeit» und «Solidarität» verständigen, Werte, die für alle politischen Parteien Orientierungskraft haben sollten, auch wenn sie von links bis rechts unterschiedlich akzentuiert werden.

  2. Herr Steiger will nichts mehr von dem wissen, was er geschrieben hat…. dabei unterscheiden sich die 3 Punkte (für alle zu lesen) in nichts von der SP Propaganda und deren Parteiplattform. Und würde man diese Politik 1:1 umsetzen wäre die Schweiz innert kürzester Zeit ein mediokrer Staat mit stark abnehmendem Wohlstand, Abwanderung von Unternehmen und Arbeitsplätzen und wüsten Verteilungskämpfen. Und nein die Schweiz mit den höchsten (Real)Einkommen und dem bestausgebauten Sozialstaat weltweit, ist kein «neoliberales» Land. Zudem zeigen die Gini-Indices eine höchst gerechte Einkommensverteilung und auch die Vermögen sind insgesamt lange nicht so schief verteilt wie in den allermeisten anderen Ländern. Die 10% Reichsten bezahlen zudem 90% der Steuern. Und da von mangelnder Solidarität und Ungerechtigkeit zu reden, ist abgehoben und entspricht nicht der Realität. Unsere Direkte Demokratie sorgt da für genügend Checks and Balances…oder zuviel… Auch global ging es der Menschheit insgesamt noch nie so gut wie heute. Seit dem Ende des real existierenden Sozialismus haben sich Hunger und Armut mehr als halbiert und über 4 Mrd. Menschen haben nun auch Anteil an Arbeit und mehr Wohlstand. Diese Fakten und Realität werden von den Linken regelmässig schlecht geredet und ignoriert. Lieber sägen sie am eigenen Ast, wo wir alle draufsitzen und torpedieren unseren Standort und unsere Privatwirtschaft mit ständig noch absurderen Maximalforderungen. Anstatt sich auf die wirklichen Probleme zu konzentrieren, die anstehen und es gemeinsam zu lösen gibt: Klimawandel, Demographie/Sozialwerke, Erhalt des Standortes Schweiz usw.

    • Lieber Herr Herren, meine Stichworte zu den SP-Werten «Freiheit», «Gerechtigkeit» und «Solidarität» mögen für Sie altsozialistisch klingen, ok. Nun, ich wünsche mir, dass diese drei Werte gegen die «Verlotterung» der Politik von allen Parteien genutzt werden, um daraus politische Ziele zu formulieren. Die SP hat bezüglich der Orientierungsfunktion dieser Werte keine Deutungshoheit. Machen Sie mit!
      Problematisch finde ich Ihre Behauptung: «Auch global ging es der Menschheit insgesamt noch nie so gut wie heute». Mit Statistiken von UNO-Organisationen kann diese Aussage sogar «belegt» werden. Aber Sie kennen ja auch die Hunger- und Armutsstatistiken, die Zahlen der Flüchtlings- und Migrationsströme, die Folgen des Klimawandels, irreparable Umweltschäden, globale Pandemien usw. Wenn es uns noch nie so gut ging wie heute … geht es uns weltweit gesehen, gut genug? … und wie geht es uns morgen?
      Sie erwähnen den Klimawandel als Problem. Ob Altsozialist oder Altliberaler … die Zeit der parteipolitischen Schattengefechte sollten zugunsten einer gemeinnützigen und enkeltauglichen Sachpolitik verabschiedet werden… und ich höre schon SVP-ler blöken, das sei «Gutmenschentum», «Moralismus», «linke Ideologie»… Naja , urteilen Sie selbst!

  3. Herr Stieger, der Begriff «Freiheit» hat null mit Sozialismus zu tun! Sie posten hier vorallem Schlagworte der woken Linkspropaganda, ohne Bezug auf Fakten und der Realität. Ich dagegen basiere mich auf Fakten. Ja es ist der Menschheit seit dem Ende des real existierenden Sozialismus noch nie so gut gegangen wie heute!

    https://www.weforum.org/agenda/2015/07/how-much-global-poverty-fallen-past-25-years/

    Und nein die Schweizer Politik ist nicht «verlottert»… das ist in unserem direktdemokratischen System mit viel zu tiefen Quoren für Referenden und Initiativen gar nicht möglich. Dem einzigen Volk, das 2 mal über Coronamassnahmen der Regierung abstimmen konnte! … Sie ist höchstens in dem Sinne verlottert, dass eben die Quoren viel zu tief sind und die grünlinken Parteien und die SVP, beide mit Geld von Gewerkschaften und aus privaten Mitteln ausgestattet, unser System für deren Propaganda missbrauchen!

    Und es ist längst überfällig, dass auch die Linken endlich checken, dass unsere Asylpolitik seit langem systematisch durch Wirtschaftsmigranten missbraucht wird. Junge Männer, die nach Europa drängen, in unsere wohlausgestatteten Sozialsysteme… freie Fahrt aufgrund einer Gutmenschenhaltung vornehmlich linker Regierungen. Frankreich, Belgien, Holland, Dänemark usw zeigen uns, was geschieht, wenn man viel zu viele nicht integrierbare muslimische Jugendliche aus vormittelalterlichen Scharia Länder in unsere Kulturen einmarschieren lässt! Es würde den woken Realitätsverweigerern guttun, das Votum von Robert Habeck, dem Grünen Vizekanzler der BR Deutschland anzuhören, der genau das gleiche sagt wie ich… dass eben Wirtschaftsflüchtlinge bei uns nichts zu suchen haben und wieder ausgewiesen werden müssen! Ob er das aus Überzeugung oder aus reinem Politopportunismus gesagt hat, lasse ich mal dahingestellt.

    • Besten Dank, Herr Herren, für Ihren dritten Kommentar. Dazu einige Bemerkungen:
      1. Von einem Sozialismus, der nichts mit Freiheit zu tun hat, will ich auch nichts wissen. Da sind wir uns einig.
      2. Sie basieren Ihre Aussage, dass es der Menschheit noch nie so gut gegangen sei wie heute, nicht auf Fakten, sondern auf einer Statistik, die ich übrigens kenne. Aber bei Statistiken ist darauf zu achten, ob die Fragen und Rahmenbedingungen der Erhebungen die Antworten schon «anlocken». Die UN- Statistik von 2015, auf die Sie hinweisen, geht von einer sehr problematischen Definition extremer Armut und Hunger aus, nämlich von weniger als $ 1,25 Lebenskosten pro Tag! Zynisch oder nicht?
      3. Es ist immer gut, Fakten zu berücksichtigen. Man sollte dabei aber nicht den naturalistischen Fehlschluss begehen, also von dem, was ist (z.B. Faktum der Reduktion extremer Armut), auf das zu schliessen, was sein soll (z.B. Man soll deswegen politisch weiter so handeln!). Besser wäre, politisch so zu handeln, dass niemand in extremer Armut leben muss! Es ist besser, durch gute Politik erfreuliche Fakten zu schaffen als mit Fakten und Statistiken politische Machenschaften mit einem naturalistischen Fehlschluss zu beweihräuchern.
      4. Politik verlottert meines Erachtens, wenn vor lauter Parteipolitik gemeinnützige, zukunftsweisende Lösungen verhindert werden. Gute Politik sollte nicht auf das Wohl einiger, sondern auf das Wohl aller zielen!
      5. Wenn die Asylpolitik durch Wirtschaftsflüchtlinge missbraucht wird, liegt die Schuld nicht bei den Wirtschaftsflüchtlingen, sondern bei einer schlechten Asylpolitik. Da sind wir uns einig. Warum greifen Sie da Linke an? Kämpfen Sie doch dafür, dass das Asylwesen gut funktioniert und machen Sie mal einen Besuch beim SEM, beim Staatssekretariat für Migration. Schauen Sie dabei insbesondere genauer beim Asylwesen hin! Man wird da einen besorgten und engagierten Bürger sicher herzlich empfangen!

  4. Beat Steiger kritisiert primär die «journalistischen ‹Qualitäten’» von Roger Köppel. Dieses Gespräch mit Christoph Blocher hat nun aber rein gar nichts mit Journalismus zu tun. Insofern ist naiv, wer mehr als Liebesdienerei erwartet. Das ist nun doch wirklich ein alter Zopf: Köppel von Blochers Gnaden.

    • Ich bin mit Ihnen einverstanden, es ist ein alter Zopf. Ich wollte nur mal genauer hinschauen, wie dieser Zopf geflochten wird. Vielleicht wird Roger Köppel sich ja gelegentlich eine neue Frisur zulegen. Wer weiss?

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