FrontKolumnenSchiene hat Zukunft

Schiene hat Zukunft

Der öffentliche Verkehr (ÖV) der Schweiz hat mit seinem perfekt geknüpften Netz zu Recht einen hervorragenden Ruf. Das gut ausgebaute Schienennetz ist Rückgrat des ÖV und ist sicher und pünktlich. Der durchgehende Taktfahrplan und die jeweils guten Umsteigebeziehungen an den Knotenbahnhöfen sind ein weiterer Trumpf für das Ferienland Schweiz. Dank einem guten Netz und den der durchgehenden Transportkette verfügt die Schweiz somit flächendeckend über ein gutes ÖV-Angebot, und dies eben nicht nur in den Agglomerationen wie in anderen Ländern. Dieses gute ÖV-Angebot führt dazu, dass wohl die Hälfte der Bevölkerung in der Schweiz im Besitz eines ÖV-Abonnements ist. Im Vergleich zu anderen Ländern benützen, so gesehen, überdurchschnittlich viele Personen regelmässig den öffentlichen Verkehr (ÖV); selbstverständlich auch die Generation 65+. Da der öffentliche Verkehr sehr sauber, energieeffizient und auf wenig Platz bzw. Raum viele Güter und Menschen transportiert, kommt ihm bei den grossen Herausforderungen bezüglich der Erreichung der Klimaziele in Zukunft sogar noch wachsende Bedeutung zu.

Stillstand ist keine Option

Ueli Stückelberger, Direktor des Verbandes öffentlicher Verkehr (VöV), bringt auf Anfrage die aktuellen Herausforderungen zu Recht auf den Punkt:  «Stillstand darf deshalb keine Option sein. Um auch in Zukunft die Kundinnen und Kunden pünktlich, sicher und zuverlässig ans Ziel zu bringen, braucht es einen Ausbau des Schienennetzes. Die heutige Bahninfrastruktur ist nicht gewachsen, die prognostizierten zusätzlichen Kundinnen und Kunden zu transportieren, zumal der ÖV-Anteil am Gesamtverkehr noch wachsen soll.»

«SwissRailvolution», eine neue Organisation, hat in der Schweiz vor kurzem auf sich aufmerksam gemacht. Kernziel des gemeinnützigen Vereins ist es, «die Verbindungen zwischen allen Schweizer Ballungsräumen mit einer leistungsstarken Integration in das europäische Hochgeschwindigkeitsnetz sicherzustellen». Die zentrale Frage bleibt: Ist für die kleinräumige Schweiz ein Hochgeschwindigkeitsnetz der richtige Weg? Hier gibt es durchaus berechtigte Zweifel? Kernherausforderung der Mobilität der Zukunft ist und bleibt die CO2-Neutralität. Dabei ist der energieeffiziente und saubere öffentliche Verkehr Teil der Lösung. Zu Recht wollen nicht nur die ÖV-Branche und der Bund, sondern auch «SwissRailvolution» den ÖV-Anteil steigern. Dabei muss es für alle das Ziel sein, den Bedürfnissen der aktuellen wie zukünftigen ÖV-Kundinnen und -Kunden möglichst gerecht zu werden.

Fokus: Ausbau der Kapazität

«Beim nächsten Ausbauschritt des Schienennetzes muss somit der Ausbau der Kapazität der Schiene im Vordergrund stehen», bemerkt Ueli Stückelberger. Unbestritten ist auch die Geschwindigkeit ein massgebender Punkt. Gewiss, massgebend ist jedoch die ganze Reisezeit von Ort zu Ort. Gute Umsteigemöglichkeiten in attraktiven Knoten, Regionen und Tourismusdestinationen sowie eine durchgehende Transportkette sind nämlich genauso wichtig wie die reine Fahrzeit der Züge. Die Geschwindigkeit der Bahn darf deshalb kein Selbstzweck sein. Gerade im Freizeitverkehr, der an Bedeutung für den ÖV zunehmen muss, ist die «Bequemlichkeit» des Reisens stärker zu gewichten. Dabei müssen umsteigefreie Beziehungen, sprich Direktzüge, genügend Platz für Gepäck und Velos usw. eine viel bedeutendere Rolle als bisher spielen.

Die Planung der Zukunft der Schiene in der Schweiz – Bahn 2050 – ist deshalb in Kenntnis all diesen verkehrsstrategischen Facetten in ihrer Gesamtheit zu beurteilen. Wie der nächste Ausbauplan des Schienennetzes aussehen wird, ist noch nicht voll bekannt. Dass es einen zielkonformen Ausbau braucht, ist hingegen unbestritten. Aus dem Departement der Verkehrsministerin und Bundesrätin Simonetta Sommaruga ist erfreulicherweise zu vernehmen, dass wohl noch vor den Sommerferien der Bundesrat einen Zwischenbericht zum Ausbauschritt 2035 in die Vernehmlassung geben wird. Zum Programm gehört angeblich auch der Lötschberg-Vollausbau, einer Transitachse von schweizerischem, ja sogar europäischem Interesse. Fakt ist in jedem Falle, dass die grosse Bedeutung eines guten öffentlichen Verkehrs auch für den Tourismus nicht zu unterschätzen ist. Denn der ÖV bringt nicht nur die Bevölkerung aller Regionen an ihre Zielorte, sondern auch unsere Gäste aller Länder bequem und pünktlich zu den Feriendestinationen, zu unseren Seen sowie Berg- und Seilbahnen. Diese gute Erreichbarkeit muss auch in Zukunft gewährleistet sein.


Roman Weissen war ehemals unter anderem Infoverantwortlicher beim Verband öffentlicher (VöV) und Seilbahnen Schweiz (SBS).

1 Kommentar

  1. Mit Railvolution wird noch mehr Tempo auf der Schiene zwischen den Ballungszentren gefordert. Bei dieser Forderung geht etwas Entscheidendes vergessen: Der Weg zum nächsten Bahnhof und die Umsteigezeiten. Für den Weg zum und vom Bahnhof muss dafür durchschnittlich eine halbe Stunde eingerechnet werden. Es bringt also wenig, wenn ich in einer halben Stunde von Zürich nach Bern oder in einer ganzen Stunde nach Lausanne fahren kann – und das meistens im Tunnel. Ebenso wenig bringt es, wenn ich in Bern nach einer halben Stunde Fahrzeit aus Zürich während weitere zwanzig Minuten auf den Anschlusszug nach Schwarzburg warten muss. Vielmehr gehören die Anschlüsse noch mehr optimiert und die Knotenbahnhöfe so ausgebaut, dass in den Hauptverkehrsrichtungen perrongleich umgestiegen werden kann. Also das Bahnnetz im Sinn von Bahn 2000 weiter verfeinern, genau so wie es der Verfasser in seinem Beitrag umschreibt. In diesem Sinn darf durchaus mehr Mut zur Langsamkeit gefordert werden.

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