FrontKolumnenVon Menschen und Nichtmenschen

Von Menschen und Nichtmenschen

Frauen sollte man nicht mehr schreiben, sondern irgendetwas von Uterus-in-sich-Tragenden, öffentliche Toiletten braucht es mindestens drei diverse, um allen Diversen gerecht zu werden. Und jetzt fängt das mit den Tieren auch noch an. In Basel wurde darüber abgestimmt, ob Affen Grundrechte erhalten sollten.

Ich weiss gar nicht genau, ob man noch Affen schreiben darf oder ob das bereits eine Diskriminierung ist. Weil, da hat eine Studie zu Emotionen «Bei Menschen und bei nicht menschlichen Tieren» geforscht. Als nächstes werden dann wohl – das ist nun meine Spekulation – die tierischen Menschen und die menschlichen Tiere untersucht – und ob all dem sprachlichen Gestammel wird dann plötzlich irgendwo aus Versehen doch noch ein Affe in ein politisches Amt gewählt. Oder ein Schwein. Das sind ja auch so menschliche Tiere.

Da kann man direkt von Glück sagen, wenn das nicht passiert. Sagen oder reden, das ist ja fast wie Mensch und Nichtmensch, Tier oder Nichttier. Wie sag ichs meinem Kinde, heisst es, oder wie rede ich mit ihm. Sagen und reden ist grundsätzlich dasselbeeine mündliche Kommunikationsform. Und ist doch nicht dasselbe. Ein Kleinkind kann vielleicht schon «Mama» und «Papa» sagen – es imitiert Laute und Begriffe, die es hört. Das Reden kommt dann später, wenn das Kind bewusst seine Meinung ausdrückt. In der Adoleszenz reden vor allem Knaben oftmals – zumindest am Familientisch – wieder sehr wenig, obwohl sie durchaus etwas zu sagen hätten. Das heisst, sie behalten ihre Gedanken für sich. Ich sage das, weil ich aus Erfahrung rede!

Es ist kompliziert. Einfach könnte man es so erklären, dass ein Ansager im TV einen Text wiedergibt, ein Festredner aber seine eigenen Gedanken formuliert. Wenn es kein Politiker ist. Der lässt seine Reden manchmal schreiben und ist dann trotzdem noch ein Redner. Die Polizei macht es sich einfacher: Der eine macht eine Aussage, der andere hat eine Ausrede. Gesagt ist gesagt, aber geredet ist nur – Gerede.

Und manchmal muss man «ja» sagen und darf dabei keine Ausrede haben. Das liest man dann in der Zeitung. Wenn ein Promi seiner Liebsten einen Hochzeitsantrag macht. Er sinkt dabei in die Knie und fragt: «Willst du mich hochzeiten?» Blödsinn. Mit einer Hochzeit wird nur die erste Etappe auf dem gemeinsamen Lebensweg eines Paares – die Heirat – gefeiert. Verheiratet sein ist dann doch etwas mehr als nur Hochzeit feiern. Daher der Heiratsantrag.

Jubiläen sind eine vertrackte Sache. Im Plural ist von Jubiläen, Jubiläums und sogar, ohne Witz, von Jubiläümer zu lesen. Dann gibt es da das 50. Jubiläum oder die 50 Jahre Jubiläum, statt des 50-Jahr-Jubiläums. Und was ist denn eigentlich ein Jubiläum? Medien sind da ziemlich strikt und weigern sich, Texte zum 27-Jahr-Jubiläum abzudrucken. (Obwohl das doch korrekt geschrieben wäre!) Da war eine Journalistin denn auch etwas verunsichert. 90 Jahre? Sicherheitshalber schrieb sie deshalb von den «jubiläumshaften 90 Jahren». Man muss sich zu helfen wissen.

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