FrontGesellschaftKein weiterer Zinsschub erwartet

Kein weiterer Zinsschub erwartet

«Die Hypothekarzinsen haben sich von ihren historischen Tiefständen entfernt. Das neue Zinsniveau ist aber nicht vergleichbar mit jenem vor 20 Jahren», sagt Comparis-Experte Leo Hug. In den nächsten Monaten erwartet er zwar vorübergehend noch leicht höhere Langfristzinsen, aber keinen eigentlichen weiteren Zinsschub.

Die Richtzinsen für zehnjährige Festhypotheken sind seit Jahresbeginn stetig um happige 105 Basispunkte gestiegen. Im Sommer 2022 erwartet Comparis teuerungsbedingt vorübergehend nochmals leicht höhere Langfristzinsen. «Danach ist wegen der Einstellung der Wertpapierkäufe durch die Notenbanken und der anschliessenden Verkäufe von Obligationen mit einer Konsolidierung der Langfristzinsen auf dem aktuellen Niveau zu rechnen», sagt Comparis-Finanz-Experte Leo Hug. Die Zinsen für zehnjährige Festhypotheken dürften somit bis Mitte 2023 zwischen 2,10 und 2,50 Prozent schwanken. Aktuell beträgt der zehnjährige Richtzins 2,30 Prozent. Der von HypoPlus, der Hypothekarspezialistin der Comparis-Gruppe, vermittelbare Top-Zinssatz liegt bei 1,93 Prozent.

Die Unsicherheit wegen des Ukraine-Krieges und der damit verbundene Anstieg der Rohstoffpreise, aber auch die weltweiten Lieferkettenprobleme und der starke Konsum verstärkten seit Jahresbeginn die Inflationsängste, was einen Zinsschub auslöste. In der zweiten Jahreshälfte, wenn die aktuellen Preise mit den bereits im Vorjahr stark gestiegenen Rohstoffpreisen verglichen werden, kann wegen des Basiseffektes mit sinkenden Inflationszahlen gerechnet werden. Die SNB rechnete in ihrer Frühjahrsprognose mit einem Rückgang der Inflationsrate unter 1 Prozent.

                                            Richtsatz (06.06.2022)*     Erwartete Zinsspanne 
                                                                                         bis Juli 2023

15-jährige Festhypothek     2,62 Prozent                          2,4 – 2,9 Prozent

10-jährige Festhypothek     2,30 Prozent                          2,1 – 2,5 Prozent

5-jährige Festhypothek       1,88 Prozent                          1,7 – 2,0 Prozent

Erneut starker Anstieg der langfristigen Sätze unwahrscheinlich

Wegen des Risikos einer Schuldenkrise im Euroraum ringt sich die Europäische Zentralbank EZB zögerlich zu einer strafferen Geldpolitik durch. Dennoch erwartet Comparis ab Mitte Jahr graduelle Anpassungen der Leitzinsen im Euroraum. In der Folge davon wird auch die Schweizerische Nationalbank SNB die nötigen Schritte zur Aufhebung der inzwischen achtjährigen Negativzins-Periode beschliessen können, ohne den Franken ungewollt zu stärken.

Auf die Sätze der Saron-Hypotheken hat das indes kaum Einfluss, so lange sich der SNB-Leitzins (aktuell minus 0,75 Prozent) im Minus befindet. «Signifikant höhere Saron-Hypothekarzinsen sind deshalb bis weit ins Jahr 2023 unwahrscheinlich. Auch für die langfristigen Hypotheken zeichnet sich bis Mitte 2023 eine Konsolidierung der Zinsen auf dem erreichten höheren Niveau ab», so Hug. Ohnehin sei das neue Renditeniveau nicht vergleichbar mit dem Zinsniveau vor 20 Jahren. Damals kosteten 10-jährige Hypotheken mehr als 5 Prozent.

Was heisst das für die Hypothekarnehmenden?

Comparis-Experte Hug rät Hypothekarschuldnern und Hypothekarschuldnerinnen zu folgendem Verhalten:

  • Saron-Hypotheken bleiben günstig: Saron-Hypotheken werden in absehbarer Zeit auf ihrem aktuellen Niveau verharren. Sie haben allerdings den Nachteil schlechter Planungssicherheit.
  • Mittlere Laufzeiten bevorzugen: Mehrjährige Hypotheken haben den Vorteil besserer Kalkulierbarkeit bzw. der Planungssicherheit. Allerdings reagieren die langfristigen Zinsen bei zu- oder abnehmenden Inflationsbefürchtungen besonders heftig. Falls Sie die aktuellen Zinsanstiege als übertrieben einschätzen, sind die weniger stark mit Marktstimmungen mitschwingenden mittleren Laufzeiten eine Alternative.
  • Marktschwächen nutzen: Beobachten Sie den Hypothekarmarkt und nutzen Sie die Marktschwankungen für den richtigen Zeitpunkt Ihres Hypothekarabschlusses. Bei nachlassender Dynamik des Inflationsanstiegs besteht eine reelle Chance auf tiefere Hypothekarzinsen.
  • Nicht den erstbesten Zins akzeptieren: Akzeptieren Sie keinesfalls den erstbesten von der Hausbank offerierten Zinssatz und verschaffen Sie sich einen Überblick über den Gesamtmarkt. Zwischen den Zinsen, die die Hypothekarinstitute ins Schaufenster (Richtzinsen) stellen, und den bestverhandelten Zinsen klafft meist eine grosse Lücke. Das folgende Beispiel zeigt: Das Sparpotenzial ist enorm – vergleichen und verhandeln Sie auf jeden Fall.
  • Schaufensterzins (5 Jahre):                                                   1,88 %
  • Durch HypoPlus bestverhandelter Zinssatz                              1,46 %
  • Hypothek                                                                             750’000 Franken
  • Zinsdifferenz pro Jahr                                                            0,42 %
  • Ersparnis in Franken pro Jahr                                                3’150 Franken
  • Ersparnis in Franken für die gesamte Laufzeit                         15’750 Franken

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