StartseiteMagazinGesellschaftDas innere Feuer für die Berge

Das innere Feuer für die Berge

Die Leidenschaft fürs Bergsteigen, fürs Weitwandern und die Sorge für die Natur verbindet Menschen aus aller Welt. Drei von ihnen und dazu der Leiter eines Instituts, das den Klimawandel sichtbar macht, kamen vor kurzem im Alpinen Museum der Schweiz zusammen.

Anlass war die Preisverleihung des Albert Mountain Award, den die schweizerische King Albert I Memorial Foundation jährlich übergibt. Die Preisträgerinnen und Preisträger kennenzulernen, erforderte weder Klettererfahrung noch Muskelkraft, war aber ein Gewinn für alle, die gerne erfahren, wie sich Träume verwirklichen.

Die Koreanerin Nam Nan-hee, 1957 in der Republik Korea geboren, strahlt Unerschütterlichkeit aus. Wenn sie sich ein Ziel gesetzt hat, dann will sie es auch erreichen. Zugleich ist hinter ihren Worten eine grosse Naturverbundenheit zu spüren. – Sie spricht nur Koreanisch, hat zwar eine Übersetzerin, aber was Nam Nan-hee ausdrückt, übermittelt sich auch ohne Worte.

Sie erzählt, dass sie 1984 in den Frühlingsmonaten 76 Tage allein auf dem Gipfelpfad der koreanischen Bergkette gewandert ist. Wir verstehen sehr gut, dass dies nicht nur eine physische Anstrengung war, sondern dass die junge Frau damals von ihren Gefühlen überwältigt wurde. Und wir verstehen, dass ihr dieser vulkanische Gebirgszug am Herzen liegt: Nam Nan-hees unerreichter Traum ist es, einen Peace-Trail zu schaffen, der vom heute nordkoreanischen Paektusan bis zum Jirisan im Süden Südkoreas führen soll. Denn, so sagt sie, der Paektusan ist die Mutter Koreas.

Für dieses Engagement, das in seiner Hartnäckigkeit einzigartig ist, wird Nam Nan-hee ausgezeichnet. Sie verbindet alpinistisches Wissen mit kulturellem Interesse und Sensibiliät für die Natur. Nam Nan-hee hat seit vielen Jahren grosse Leistungen als Bergsteigerin und Weitwandererin in vielen Kontinenten erreicht. Immer geht es ihr dabei um Grenzüberschreitungen in dem Sinne, dass ihre Leistungen dazu dienen sollen, die Gemeinsamkeiten von Menschen und Kulturen aufleben zu lassen. – Eine zugleich bescheidene und unerschrockene Frau.

Bernd Arnold, 1947 in Hohnstein/Sachsen geboren, ist ein erfahrener Kletterer und Alpinist; stolz zeigt er ein Foto seiner Enkel mit Kletterseilen über ihren Schultern. Der gelernte Buchdrucker begann als Zwölfjähriger «mit Mutters Wäscheleine», wie er lachend erzählt, zu klettern und prägte diesen Sport im heimatlichen Elbsandsteingebirge während Jahrzehnten. Er konnte auch Erstbegehungen in Ost- und Südosteuropa, sogar in Nordkorea machen, später im Karakorum, in Mali, Jordanien, Venezuela, Madagaskar und Patagonien, wo es ihn besonders hinzog, so beeindruckt war er dort von der Bergwelt und den Menschen.

Im Elbsandsteingebirge ist Bernd Arnold der ungekrönte König. Seit 1962 hat er alle Nadeln, Türme und Wände der Sächsischen und der Böhmischen Schweiz erklettert. Und so entscheidend dazu beigetragen, dem Klettern by fair means neue Triebkraft zu verleihen. – Klettern ist auch im Elbsandsteingebirge nicht ganz ohne Eisen und feste Haken, «Sicherheitsringe», möglich, aber in begrenzter Zahl.

Kletterer seien vertical dancers, hatte ihm einmal jemand erklärt – dieses Bonmot habe sein Klettern beflügelt. Er ist überzeugt, dass die Berge einen Einfluss auf die Menschen haben. Die Sächsische Schweiz sieht Bernd Arnold als «romantisches Gebirge». In der Romantik wurden die nicht sehr hohen, aber schroffen Felsen von Kletterfreunden entdeckt. Der romantische Anblick der Sandsteinfelsen prägt auch die Menschen, die dort leben: «Aus Angst wird Ehrfurcht», sagt Arnold. Und zum Schluss: «Kletterer sind kontaktfreudige Menschen», was wir an diesem Tag nur bestätigen konnten.

Die Belgierin Sophie Lenaerts hat früh mit Sport begonnen, aber spät zum Bergsteigen gefunden, erzählt sie, dabei habe sie zugleich ihren Lebens- und Seilpartner Stef Maginelle gefunden. 1975 in Leuwen geboren, ist die vielseitige Frau nicht nur belgische Spitzenalpinistin und Teilnehmerin an karitativen Sportveranstaltungen, sie arbeitete auch als Verkehrspolizeibeamtin und Fernsehmoderatorin. Von 2009 bis 2020 bestieg sie als erste Frau aus den Benelux-Ländern die höchsten Gipfel der sieben Kontinente.

Beim Bergsteigen im Himalaya verbindet Sophie ihren sportlichen Antrieb mit Berghilfe für die Menschen in den abgelegenen Dörfern auf dem Weg zu den Gipfeln. Sie kann die Augen nicht verschliessen vor den eklatanten Unterschieden zwischen der Ausstattung der Klettertouristen und dem Leben der Einheimischen. Als sie dann sehen musste, wie diese Menschen bei einem Erdbeben nur noch in Trümmern überlebten, begann sie Hilfe zu organisieren. Sie sah sich dazu verpflichtet, denn in diese abgelegenen Dörfer kamen nur sie, die Bergsteiger und Bergsteigerinnen. Wenn sie davon erzählt, spüren wir die Genugtuung, dass zumindest an diesem Ort wieder wohnliche Häuser stehen und eine solide Schule gebaut werden konnte.

Das bisherige Verhalten ihrer Kletterkollegen und -kolleginnen hat sie bewogen, Grundsätze des «responsible mountaneering» zu formulieren:
– mehr Sicherheit für alle Teilnehmenden, auch für einheimische Helferinnen und Helfer,
– allen Abfall zurücknehmen (nicht liegenlassen)
– bessere Kenntnisse der Bergsteiger und Bergsteigerinnen für die Einheimischen und deren Bedürfnisse.

Die Gesellschaft für ökologische Forschung in München, gegründet von Wolfgang Zängl und Sylvia Hamberger, engagiert sich seit 1977 für die Analyse natur- und sozialwissenschaftlicher Aspekte der Industrialisierung und für nachhaltigen Umgang mit den entsprechenden Umweltfragen. Das von ihr ins Leben gerufene Gletscherarchiv dokumentiert anhand präzise nachgestellter Wiederholungsaufnahmen von alten Bildern und Postkarten den raschen und sich zunehmend beschleunigenden Gletscherschwund in den Alpen. Die so entstandene Bildersammlung kombiniert technische Präzision, fokussierte Beharrlichkeit und emotionale Wahrnehmung. Sie trägt in einzigartiger Weise zur öffentlichen Kommunikation in der Klimadiskussion bei.

Der Verlust eines Grossteils des Gletschervolumens weltweit ist heute bereits wesentlich vorbestimmt. Das weitergeführte Gletscherarchiv wird dadurch zunehmend zu einer kostbaren Erinnerungsdokumentation für zukünftige Generationen, liefert darüber hinaus aber auch eine wichtige Grundlage zur öffentlichen Reflexion über den nachhaltigen Umgang mit neu entstehenden Landschaften im ehemals vergletscherten Hochgebirge.

King Albert I Memorial Foundation
Gletscherarchiv
Alpines Museum der Schweiz

Titelbild:  Blick auf den Lilienstein und die Sächsische Schweiz über die Felsen der Bastei bei Rathen © Jörg Hempel / commons.wikimedia.org
alle anderen Fotos: zVg Alpines Museum der Schweiz

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