FrontKolumnenWas ist schon ein falsches Wort!

Was ist schon ein falsches Wort!

Ob man ein Gemüse mit einer Prise Salz oder einem Löffel Salz würzt, wird spätestens beim Essen bemerkt. Aber ob man einen bestimmten Ausdruck verwendet oder einfach ein ähnlich tönendes Wort nimmt, ist, liest man die Zeitungen, nicht mehr so relevant oder elegant oder verwandt oder konstant oder sonst was.

«Bleischrott verschmutzt die Umwelt» heisst es da in einem Bericht. Und das stimmt ja auch. Schrott , also Metallabfall, der Blei enthält, sollte richtig entsorgt werden. Und ganz sicher nicht in die Hände von Jägern gelangen, denn die verschiessen diesen Schrott nämlich in den Wäldern. Die versuchen also, Rehe und Hasen mit Bleirohren oder ausgedienten Batterien zu erlegen. Blödsinn. Jäger schiessen mit Schrot, mit kleinen Kugeln aus der Schrotflinte, die genau justiert und sicher kein Schrott ist. Sonst ginge der Schuss amänd noch nach hinten los.

«Er lacht wie ein Rasenmäher.» Da hat sich nicht nur ein falsches Wort, sondern auch ein schiefes Bild eingeschlichen. Rasenmäher können lachen? Dass ich das noch nie bemerkt habe! Ich habe jetzt aber genau nachgeschaut und muss konstatieren: Nein, mein Rasenmäher lacht nicht. Vielleicht hat der Journalist mit «Rasenmäher» ja ein Schaf gemeint. Die kürzen das Gras auch und machen manchmal «mäh». Geht das als Lachen durch?

Der Interviewer bemerkt, der Politiker sei seiner Sache wirklich gewachsen. Schön, dass das mal einer von der Presse bemerkt. Aber stimmt trotzdem nicht. Der Journalist merkt an, stellt fest, konstatiert, nimmt an, dass da ein künftiger Bundesrat heranwächst. Merke: Das ist nicht dasselbe. Bemerken kann man einen offenen Schnürsenkel beim Gegenüber oder dass sie Lippenstift an den Zähnen hat. Das sind Fakten. Einschätzungen, Vermutungen oder Annahmen bemerkt man nicht, man – siehe oben. Anmerkung: Da versucht sich eine Zeitung wieder mal als «Königsmacherin».

Ist das ein Druckfehler oder Absicht? Ein Mann soll eine kolbige Nasenspitze haben. Ist vielleicht wirklich ein Tippfehler. Gemeint ist klobig. Oder doch nicht? Stand da der «Riechkolben» Pate? Wenn man sich eine Nase vorstellt, die man in Angelegenheiten anderer steckt, da passt der Kolben doch viel besser als ein Kloben, der laut Wikipedia ein Verbindungselement an Türen und Fenstern ist.

«Weniger als eine Handvoll Lehrkräfte haben kein Diplom.» Da überlegt man sich erst mal, wieviele Lehrerinnen und Lehrer wohl in der eigenen Handfläche Platz finden würden. Eine Handvoll Nüsse, Kirschen oder, auf die Schule bezogen, Radiergummis ginge ja noch. Aber Lehrer? Und wenn da ein Schüler einen davon in seinen Hosensack stecken würde, um ihn auf dem Pausenplatz in einem Papierkorb zu entsorgen? Vielleicht wäre es besser, man würde in einem Schulhaus die Zahl der Neu-und Quereinsteiger an den Händen abzählen.

Wohnungsnot nimmt immer noch zu, wird vermeldet. Da könnte doch mit einer neuen Überbauung Abhilfe geschaffen werden. Noch dazu mit einem ganz neuen Wohngefühl. Denn da wird ein Bauprojekt realisiert mit 30 Wohneinheiten von 130 Metern Länge. Das sind so richtig grosse Wohnungen. Sind sie vielleicht dafür nur einen Meter breit? 130 Quadratmeter Wohnfläche, das entspräche ja einer gängigen Grösse. Eine solche Wohnung wäre gestalterisch ja noch interessant. Zumindest könnte man nicht aus dem Bett fallen. Würde auch erklären, weshalb das Projekt auf mehr als einer halben Zeitungsseite vorgestellt wird.

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