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Zu Besuch bei einem Schachspieler

Schach war für Werner Affentranger seit seiner Jugend ein schönes Hobby, eine Beschäftigung neben anderen, die sein Leben bis heute mitgeprägt haben.

Vor Jahren, als Seniorweb noch anders strukturiert war, hatte ich Werner Affentranger als Gründer und Organisator einer Senioren-Schachgruppe kennengelernt. Bei einem Gespräch kürzlich mit ihm und seiner Frau Marlis erfuhr ich, dass Werner noch über einige andere Kompetenzen verfügt, in anderen Bereichen viel erreicht hat und, statt sich zur Ruhe zu setzen, etwas Neues gewagt hat.

Einstieg ins digitale Zeitalter

Von Beruf gelernter Typograf, später Informatiker und Projektleiter, hatte Werner früh erkannt, dass der Digitalisierung und dem Internet die Zukunft gehört. Während seines sechsjährigen Aufenthalts in den 70er-Jahren in Berlin – als Gedrucktes überall noch im Bleisatz produziert wurde –, arbeitete er in einem Pionierbetrieb, der auf Grossrechnern Bücher digital verarbeitete und die fertigen Seiten in Form von belichtetem Film als Druckvorlagen an die Druckereien verschickte.

Nach seiner Rückkehr in die Schweiz arbeitete Werner für einen der grossen Zürcher Zeitungsverlage und unterrichtete nebenbei während 18 Jahren als Dozent an der Technikerschule für die Grafische Industrie Zürich.

Werner Affentranger und seine Frau Marlis Boeschenstein (Foto privat)

Redakteure und Redakteurinnen tippten damals ihre Texte noch auf Schreibmaschinen. Werner übernahm die Aufgabe, sie ins Desktop Publishing einzuführen und mit dem Internet vertraut zu machen. Keine leichte Aufgabe, vermute ich, denn auch die Kolleginnen und Kollegen der Druckvorstufe –Jünger Gutenbergs – mussten neue Abläufe und Techniken eines modernen Redaktionssystems lernen, für dessen Einführung Werner verantwortlich war.

Der Schritt in die Selbstständigkeit

Wenige Jahre vor seiner Pensionierung kündigte Werner Affentranger seine Stelle in Zürich, zog mit Marlis nach Biel und gründete die Firma Publishing Partners GmbH. Der Einstieg in die Selbstständigkeit wurde ihm erleichtert, als die SBB ihn beauftragten, ein Redaktionssystem einzuführen. Das erwies sich als grosse logistische Herausforderung, weil die Abläufe mit den Redaktionen in Bern, Lausanne und Bellinzona sowie verschiedenen Dienstleistern in der ganzen Schweiz koordiniert werden mussten. Zusammen mit einem grossen Berner Verlag mit passender Infrastruktur konnte das Projekt erfolgreich abgeschlossen werden. Beim Zuhören spüre ich, dass Werner auch heute noch zufrieden ist, dass ihm das gelungen ist.

Werners Berufsleben war geprägt von IT-Projekten und Schulungen in InDesign (Layoutprogramm von Adobe) und FileMaker (Programm zum Erstellen von Datenbanken), unter anderem auch für Marketingabteilungen grosser Schweizer Firmen, die ihre Drucksachen weitgehend selbst herstellen wollten oder die Entwicklung einer massgeschneiderten Datenbanklösung suchten.

Gründung eines Buchverlags

Als Pensionierter mochte Werner nicht die Hände in den Schoss legen, aber auch nicht mehr für grosse IT-Projekte verantwortlich sein. Er erinnerte sich an seine früheren Jahre in Berlin und die Zusammenarbeit mit den bekanntesten deutschen Buchverlagen. So war es für ihn nur logisch, seine Firma fortan als Buchverlag zu führen. Er sagt dazu: «Nun konnte ich verwirklichen, was ich mir schon lange gewünscht hatte. Nicht, um noch grosse Gewinne zu machen, es genügt mir, wenn die Rechnung unter dem Strich knapp aufgeht, für mich und für die Autoren und Autorinnen.»

Bücher © Wilhelmine Wulff / pixelio.de

Lektorat, Layout, Gestaltung der Cover und alle administrativen Arbeiten übernimmt Werner. Er legt Wert auf ein professionelles Erscheinen der Bücher. Marlis ist für ihn als Korrektorin eine unverzichtbare Hilfe. Wie viele andere Verleger beauftragt Werner Books on Demand für Druck und Vertrieb. Dieses Konzept hat den Vorteil, dass Bücher, auch einzeln online oder bei einem Buchhändler bestellt, innert weniger Tage geliefert werden. Das heisst, es werden nicht Hunderte Bücher auf Vorrat gedruckt, die dann in Regalen verstauben. Werner und Marlis ist die gute Zusammenarbeit mit ihren Autorinnen und Autoren wichtig, oft entstehen daraus freundschaftliche Beziehungen.

Eines dieser Bücher hat Werner selbst geschrieben: «Lisa lernt Schach spielen.» Es ist eine raffinierte Kombination der Regeln mit einer Erzählung, wie die zwölfjährige Lisa mit ihrem Onkel Schach spielen lernt. Zug um Zug erfahren wir Lesenden mehr über dieses alte Spiel, und für Lisa werden die Aufgaben nach und nach anspruchsvoller. Eine kurzweilige Einführung für Anfänger, zugleich eine angenehm lesbare Repetition für alle, die das Schachbrett zu lange im Schrank haben liegen lassen, mit vielen Anregungen, sich zu üben und weitere Fortschritte zu machen.

Die Schach-Seniorengruppe

Es macht Werner offensichtlich Freude, sein Wissen, seine Kenntnisse anderen weiterzugeben, auch das Schachspielen. Für Schacheinsteiger gibt er zuweilen Kurse, «nur nebenbei», sagt Werner, «solange es noch Spass macht». Auch in Schulklassen unterrichtete er schon, und das muss besonders viel Freude gemacht haben, lese ich aus Werners schmunzelndem Gesicht. Wie er selbst zum Schach gekommen sei, frage ich ihn. Er hatte es im Alter von 11 Jahren von seinem Schwager gelernt, der an Schachmeisterschaften teilnahm. Der Schwager versprach Werner ein Mofa, wenn er ihn innerhalb eines Jahres besiegen würde. Elf Monate später war Werner soweit und bekam das Mofa – damals ein sehr erstrebenswertes Geschenk!

Seitdem spielt Werner gelegentlich Schach, ohne daraus «eine grosse Sache» zu machen, wie er sagt. Er war Mitglied der Juniorenmannschaft des Schachklubs Bern, fand aber später nicht mehr die Zeit für einen Schachklub. Zwei Anekdoten erzählt er: Als es die Wochenzeitung «Sport» noch gab, betreute er redaktionell deren Schachkolumne und hatte die Idee, die Leserschaft der Zeitung gegen «Chessica» antreten zu lassen. So hiess eines der ersten Schachprogramme auf PCs. Das liess sich auf der Stufe mit der niedrigsten Spielstärke leicht besiegen. Die «Sport»-Lesenden hatten ihre Freude daran.

Schachfiguren  © dinolino / pixelio.de

Ein anderer Zeitungsverlag organisierte ein Schachturnier in Biel, bei dem der damalige Weltmeister Anatoli Karpow simultan gegen eine Amateur-Auswahl antrat. Werner durfte daran teilnehmen. Ein anderer Teilnehmer war Werner K. Rey, der damals in der Schweiz als scheinbar erfolgreicher Financier Furore machte. Werner, der seinen Platz in der Nähe hatte, bemerkte, wie jemand seinem bekannten Namensvetter eine Notiz zusteckte. Darauf brach dieser die Partie ab und verschwand – und am Montag konnten wir in der Zeitung lesen, dass die Finanzmachenschaften von Werner K. Rey aufgeflogen waren.

Seine Seniorenschachgruppe Gleis 13 besteht immer noch. Anfänger und Fortgeschrittene haben gleichermassen Spass an den Schachnachmittagen, die etwa alle sechs Wochen in Olten stattfinden. «Wer gewinnt, ist Nebensache, wir führen keine Ranglisten und spielen nicht um Medaillen», sagt Werner.

Werner Affentranger: Lisa lernt Schach spielen. Lehrbuch für Anfänger und Fortgeschrittene. Publishing Partners Biel 2017. ISBN 978-3-9524730-8-5

Webseite von Werner Affentranger

Titelbild: Schachspiel auf Holzbrett  © Till Neumann / pixelio.de

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