FrontKulturUnsere Haut in der Kunst

Unsere Haut in der Kunst

Um die Haut geht es in der neusten Ausstellung in der Kunstplattform akku in Emmen bis 12. März 2023. Eine Ausstellung, die unter die Haut geht.


Rochus Lussi kriecht aus dem Mutterleib

Da standen die Gäste an der Vernissage um einen Mutterbauch herum und staunten nur noch, als sich der Bauch bewegte. Quälend kroch ein Mann aus der Hülle, als ob er gerade geboren wurde. Es war der Nidwaldner Künstler Rochus Lussi.

Er zeigte mit seiner Bauchschale Belle Ile eine ungewohnte Sicht auf die Innenseite der Haut. Die Zeit des Wachstums unserer eigenen Haut existiert nur in einer unbewussten Erinnerung. «Es sind die ersten Monate, die wir im Mutterbauch verbracht haben. Der Schwebezustand von Sein oder Nichtsein, bevor unsere eigene Haut zu atmen beginnt», wird erklärt.


Nesa Gschwend, Teile aus: Haut der Erde, 1995

Haut, Organ, Sinn, Grenze, Erinnerungsträger, Schutz, Metamorphose, Metapher. In der Ausstellung werden unterschiedliche künstlerische Positionen gegenüber gestellt, die sich in ihrem Werk unter anderem mit dem Thema Haut auseinandergesetzt haben.


Victorine Müller Narwal 2006

Barbara Hennig Marques, Heidi Bucher, Nesa Gschwend, Rochus Lussi, Ronja Römmelt und Victorine Müller beschäftigen sich mit ihren Werken um die Haut in der von Claudia Waldner kuratierten Ausstellung.


Rochus Lussi «dünne Haut», 2014

Oftmals geht es den Künstlerinnen und Künstlern darum, was hinter oder unter der eigenen Haut liegt und wie wir damit umgehen. So thematisieren sie den Schmerz, die Haut als Erinnerungsträger und Speicher von Emotionen, Ängsten und Träumen. Die Haut als Schutzorgan, als grösstes Sinnesorgan und zugleich als Spiegel unserer Identität und Seele. Sie ist ein Zeitdokument und lebenslanger Begleiter. Sie trennt und schützt uns, in einem komplexen System, als Zwischenmembran von den inneren zu den äusseren Welten.


Rochus Lussi «dünne Haut», 2014

Angeregt durch die Erzählung von Kafka «Der Bau» entstand das Werk Haut der Erde 1995 von Nesa Gschwend als grosse Rauminstallation. Es sind fragile, durchlässige Objekte aus Teer, Stoff, Erde und Garn, die nun wie luftige Banner von der Decke hängen.


Barbara Hennig Marques, One Billion and One, 2022, Acryl auf Flies
Unter diesen liegt am Boden ein Säugling, der sich, schutzsuchend an die nackte Haut eines Schweins schmiegt. Dünnhäutig steht für die sensible, durchlässige Membran. Für die Gefühlsebene und Verletzlichkeit, das Seelenleben, dass durch die Haut nach aussen dringt.

Fotos: Josef Ritler

Titelbild: Victorine Müller La graciosa, 2018, Videostill
Hier finden Sie weitere Informationen zur Kunstplattform akk

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Beliebte Artikel