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Was ist schon ein Wort!

Es ist immer wieder ein Ärgernis, wenn in den Printmedien Ausdrücke einfach so der Spur nach verwendet werden. «Ein Mädchen debattiert in der Schule ausführlich über ein frei gewähltes Thema.» Stimmt schon, debattieren hat etwas mit sprechen zu tun, wie konjugieren, reklamieren, diskutieren, deklamieren. Nur braucht es für eine Debatte mindestens zwei Personen, die sich ihre Meinung sagen. Wer vor eine Gruppe von Leuten steht und etwas vorträgt, erörtert, erzählt, der referiert. Ist ja fast dasselbe? Ja, so ähnlich, wie wenn in der Mathestunde ein Kind 2 und 7 zusammenrechnet und auf 8 kommt. Stimmt auch nicht ganz, aber doch fast.

Auch Skisocken können so was von falsch verstanden werden. Da steht doch tatsächlich in der Titelzeile: «Sie hat einen Fetisch für Skisocken». Ist das nun ein Maskottchen oder eine Art Voodoo-Zauber, dass man sich so eine leicht feuchte Skisocke um den Hals hängt? Also der Schreibende besass ganz sicher keinen Glücksbringer. Der hätte ihn davor bewahrt, Fetisch mit Faible zu verwechseln. Ist halt auch fast dasselbe.

Auch bei den eingeflochtenen Haaren ist knapp daneben auch vorbei. Einflechten kann man Bänder oder Blumen ins Haar, Blüten in einen Strauss, Bemerkungen in eine Debatte, aber Haare allein werden nur geflochten. Ebenso wie Sonntagszöpfe oder Körbe. Wo sollte man denn Haare einflechten? In ein Kleid, in einen Hut? Wäre schön mühsam, am Abend.

«Der Heimatschutz prangt das Vorgehen an». Und deshalb prangert dann wohl bald ein «Abgelehnt»- Stempel auf einem Formular. Oder umgekehrt. Deutsch ist eine schwierige Sprache und mancher hat Mühe, etwas klar auszudrücken. Journalisten aber können das, ist ja schliesslich ihr Beruf. So zum Beispiel: «Wegen der Vogelgrippe dürfen Geflügel und Eier die Überwachungszone nicht mehr verlassen.» Also, liebe Eier. Nicht mehr wegrollen!

Und manchmal ist nicht der Begriff falsch, nur der Ort. Mein kritischer Leser aus Solothurn, der mir immer wieder Sprachstolpereien liefert, hat so die farbig leuchtenden Forschenden entdeckt: «Neuartige Fluoreszenzfarben von ETH-Forschenden sind verhältnismässig einfach und kostengünstig herzustellen.» Wer «sind» drei Wörter nach hinten zügelt, nach Fluoreszenzfarben, lässt die Forschenden wieder ganz normal und nicht mehr fluoreszierend erscheinen.

Dasselbe gilt für diese Diagnose: «Wenn der Patient nur noch im Fieber halluziniert, … » Wann sonst sollte er dann noch halluzinieren? Im Alkoholnebel, im Traum, nach einer Narkose? Verständlich wird die Aussage, wenn «nur noch» dem Fieber nachgestellt werden. Dann kommen alle draus. Auch ohne Fieber.

Zum Schluss kommt noch die Hobbygärtnerin in mir zu ihrem Recht. «Ich habe mühsam Rüebli in Reihen gepflanzt und am nächsten Tag war alles wieder umgegraben», wird beklagt und eine Katze als Übeltäterin ausgemacht. Aber Äxgüsi: Rüebli werden nie, gar nie gepflanzt, die werden gesät. Und das ist gar nicht so mühsam. Gut, in der Erde scharren kann die Katze trotzdem. Aufs Beet gelegte Tannenzweige – vielleicht die Reste des Weihnachtsbaumes? – schaffen da schnell Abhilfe.

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  1. Habe auch einen schönen Satz bei bluewin.ch gelesen: «Die Protestanten konnten sich nicht durchsetzen: Die Rentenreform in Frankreich kommt». Auweia!

  2. Danke, liebe Bernadette Reichlin, für diese erfrischende Zusammenstellung!
    Huch, Frage: Kann eine Zusammenstellung erfrischend sein? Also: Danke für diese mein Gemüt erfrischende Zusammenstellung! (Verkürzungen sind wahrscheinlich die Haupttäter!)
    Laura Weidacher

  3. Danke, liebe Bernadette Reichlin, für diese erfrischende Zusammenstellung!
    Huch, Frage: Kann eine Zusammenstellung erfrischend sein? Also: Danke für diese mein Gemüt erfrischende Zusammenstellung! (Verkürzungen sind wahrscheinlich die Haupttäter!)
    Laura Weidacher

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