Der demografische Wandel ist eines der wichtigsten gesellschaftspolitischen Themen unserer Zeit. Die Alterung unserer Gesellschaft bestimmt weitgehend die demografische Entwicklung. Die Schweiz weist übrigens eine der höchsten Lebenserwartungen auf. Während immer mehr Menschen ein hohes Alter erreichen, bleibt aber die Geburtenrate niedrig. Diese demografische Alterung ist und bleibt eine Herausforderung für Individuum, Gemeinschaft und Gesellschaft. Für alte Menschen ist es vielfach eine grosse Herausforderung, ihre Rechte auf selbständiges Entscheiden, auf Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, auf ein eigenes Familienleben oder auf das Knüpfen neuer privater Kontakte wahrzunehmen. Dies gilt insbesondere für Menschen in Pflegeheimen oder betreuten Einrichtungen. Die alternde Gesellschaft ist nicht nur ein Thema für die Diskussion um Rente und Pflege. Vor allem geht es um die Sicherung von Rente und AHV.
Wegweisende Entscheide hat das Parlament in der letzten Woche zu Ende gegangenen Session der Eidgenössischen Räte getroffen. Auf dem Traktandum stand die Initiative der Jungfreisinnigen, die eine Erhöhung des Rentenalters für beide Geschlechter verlangen: «Im Jahr 2029 kann das Rentenalter der Frauen mit einem Erhöhungsschritt von drei statt vier Monaten an dasjenige der Männer angeglichen werden (65 Jahre und 4 Monate). In der Folge wird das Rentenalter für beide Geschlechter gemäss Initiativtext um jeweils zwei Monate pro Jahr erhöht bis zum Erreichen von 66 Jahren im Jahr 2033.»
Gemäss der Botschaft des Bundesrats und den Berechnungen der Initianten wird das Rentenalter 66 somit erst im Jahr 2033 erreicht, wenn die Initiative im Jahr 2024 angenommen wird. Alles deutet dahin, dass das Schweizer Stimmvolk im Jahr 2024 über ein höheres Rentenalter entscheiden wird.
Lassen wir nicht ausser Acht, dass der Beitrag und das Engagement der älteren Generation für den gesellschaftlichen Zusammenhalt nicht unterschätzt wird. Auch im Bereich des Engagements in Gesellschaft und Öffentlichkeit. Politik und Aktivität im Arbeitsleben für und mit älteren Menschen, auch in Kooperation mit den jungen Generationen, ist aktueller den je. Die meisten älteren Menschen sind genauso zufrieden wie die anderen Altersgruppen. Es ist nun mal so, dass heute das Alter anders ist als früher. Die ältere Generation ist in der Regel körperlich und mental fit wie nie.
Persönlich bin ich ein grosser Verfechter der Jugend, die sich völlig zu Recht immer augenfälliger und erfolgreicher in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft engagiert. Gerade in der Politik stellen wir in der Schweiz fest, dass vermehrt junge Persönlichkeiten in den Räten von Gemeinden, Kanton und Bund Einsitz nehmen. Durchaus in Ergänzung und erfreulicher Zusammenarbeit mit der erfahrenen alten Garde, die über das Alter 65 im aktiven politischen und beruflichen Einsatz bleiben. Das gegenseitig unterstützende Miteinander von Jung und Alt ist Pflicht und gehört zum erfolgreichen Alltag. Freuen sich also junge und ältere Menschen, dass Jung und Alt die «stete Jugendlichkeit» als das eigentlich positive, entfaltungsreiche Element in unseren Leben betrachten. Möge es nicht für Aussehen, Körperlichkeit, sondern auch für geistige Dimensionen gelten. Stellen wir also zufrieden fest, dass wir nebst der erfreulich engagierten Jugend auch noch über eine neue, lang lebende, aktive, relativ gesunde und wache Generation von älteren Menschen verfügen.
Gerade in den Vereinigten Staaten von Amerika, im US-Kongress und in verschiedenen Ländern der Welt gibt es zahlreiche Beispiele für ältere Staatenlenkerinnen und -lenker. Es mag Teil der Wahrheit sein, dass gerade in der heutigen schnelllebigen Zeit ältere Politiker erfahren und krisenerprobt sind. Akzeptieren wir es also, dass in den USA Präsidenten und Kandidaten über 80 und 75 plus sind. Die USA haben wohl ein anderes Verhältnis zur «Arbeit im Alter» als die Europäer?
Ein Schlussgedanke möge mir nicht verwehrt bleiben. In der Schweiz gehört es zur Sprachregelung, dass man für ehemalige Mitglieder w/m von politischen Funktionen wie Bundesrat, Regierungsrat, Nationalrat, Gemeindepräsident usw. – die ausser Dienst und Funktion sind – den Begriff alt benützt. Wie wäre es doch viel passender, wenn man von einer ehemaligen Bundesrätin Ruth Metzler, einer ehemaligen Bundesrätin Simonetta Sommaruga oder einem ehemaligen Bundesrat Adolf Ogi sprechen würde? Alt, müsste zwingend durch ehemalig ersetzt werden!
