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Zu Besuch bei Martina Brunner und Aura

Martina Brunner und ihre Sozialhündin Aura sind ein Team und besuchen Menschen im Alters- und Pflegeheim, oder gehen mit ihnen laufen, wenn sie es nicht mehr alleine schaffen. Seniorweb hat die beiden besucht.

Gleich zwei Hunde begrüssen mich freudig wedelnd, als Martina Brunner die Tür öffnet. Aura, die ausgebildete Sozialhündin, und Ella, die mit Martinas Ehemann die Ausbildung zum Geländesuchhund absolviert; sie ist lebhaft und braucht viel Bewegung.

Seniorweb: Martina Brunner, wie kamen Sie zu einem Sozialhund?

Martina Brunner: Eigentlich suchten wir für meinen Mann einen Sporthund, der ihn beim Joggen begleitet. Beim Hundezüchter wich einer der elf jungen Hunde nicht mehr von seiner Seite. Dieser kleine holländische Schäferhund, ein Weibchen namens Aura, hatte ihn ausgesucht. Wir absolvierten mithilfe eines Hundetrainers die Hundeschule. Ein Hund muss unbedingt erzogen sein, finden wir. Doch dann zeigte sich, dass Aura nicht nur ein Sporthund, sondern auch ruhig und ausgeglichen war; ideale Eigenschaften für einen Sozialhund. So übernahm ich sie.

Die holländische Schäferhündin Aura ist ruhig und zurückhaltend und prädestiniert als Sozialhund.

Was unterscheidet ein Sozialhund von einem Therapie- oder Assistenzhund?

Der Therapiehund wird gezielt in einer tiergestützten medizinischen Behandlung eingesetzt. Der Assistenzhund ist ein ständiger Begleiter für Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen. Die entsprechenden Ausbildungen dauern für Hund und Betreuer mehrere Jahre.

Vertrauensvolle und enge Beziehung zwischen Martina Brunner und Aura

Die Ausbildung für Sozialhunde ist die kürzeste und erfolgt im Team von Halter und Hund. Jeder Hund kann Sozialhund werden, ausschlaggebend ist sein Charakter. Er muss ruhig sein, nicht aggressiv und sich zurücknehmen können. Für die Ausbildung müssen Hunde mindesten zwei Jahre alt sein und können, solange sie Freude daran haben, sieben- bis neunjährig eingesetzt werden.

Zusammen mit dem Hundehalter besucht der Sozialhund Menschen im Kranken-, Alters- oder Behindertenheim, in der Psychiatrie, im Gefängnis, auch in Schulen oder Kindergärten. Diese Besuche haben kein therapeutisches Ziel, erfolgen auf freiwilliger Basis und sind unentgeltlich.

Wie verläuft ein Besuch im Alters- oder Pflegeheim mit Aura?

Wir gehen nur zu Besuch, wenn es ihr oder mir gut geht, sonst funktioniert das nicht. Ich habe mit Aura zwei Einsätze in der Woche, zwischendurch muss sie sich erholen, denn diese Arbeit ist sehr anstrengend für sie.

Jeden Mittwoch gehen wir mit einer Person laufen, die sonst nicht rausgehen würde. Und alle zwei Wochen besuchen wir verschiedene Stationen im Regionalen Pflegezentrum Baden. Es können aber auch zwölf bis vierzehn Personen im Gemeinschaftsraum im Kreis zusammensitzen und Aura geht zu der Person, von der sie sich gerade angezogen fühlt, da lässt sie sich von niemandem dirigieren. Sie spürt sehr fein, wer ihre Zuwendung braucht. Die Leute streicheln sie, geben ihr Hundebiskuits, rollen oder werfen ihr den roten Therapieball zu. Aura schenkt den Menschen in kurzen Momenten etwas Glück und Freude.

Das behutsame Spiel mit dem Therapieball muss der Sozialhund lernen.

Es ist erstaunlich, wie gebrechliche Menschen sich plötzlich wieder bücken können, was sonst nicht möglich war, oder demente sich wieder an ihren eigenen Hund von früher erinnern. In der Palliativabteilung würde sich Aura auf das Bett neben Sterbende legen, die unruhig sind. Mit der Hand auf dem Fell beruhigen sie sich, Puls und Blutdruck senken sich. Diese Einsätze absolviert Aura jedoch nicht.

Als Aussenstehender hat man den Eindruck, Aura spiele nur ein wenig. Aber nach einem Einsatz von maximal dreiviertel Stunden ist sie nudelfertig, auch abends liegt sie nur noch herum. Als Betreuerin muss ich merken, wann Aura genug hat; sie reagiert dann nicht mehr so gut auf mich. Von sich aus würde sie nicht aufhören.

Sie sind sicher ein gut eingespieltes Team, wie kommunizieren Sie mit Aura bei der Arbeit?

Ich bin ruhig dabei und schaue, dass Aura das Richtige tut. Ich gebe ihr Hand- oder Sprechzeichen oder sie fragt mit Blickkontakt nach, ob sie etwa den Ball auffangen darf oder warten muss. Wenn ich den Ball zerknautscht in der Hand halte, erkennt sie, was Haut und was Ball ist und fasst nur den Ball, das ist wichtig. Sie hat gelernt, vorsichtig zu sein und darf nicht zuschnappen oder brüske Bewegungen machen. Wenn ich merke, dass sie zu spielerisch wird, gebe ich ihr ein Handzeichen und sie schaut mich fragend an. Erst wenn ich ihr ein Zeichen gebe, darf sie behutsam weitermachen.

Aura fasst den zerknautschten roten Ball vorsichtig, ohne die Hand zu berühren.

Wenn im Altersheim die Leute den Ball hochwerfen, achtet Aura darauf, dass sie niemandem zu nahekommt. Auch mit unkontrollierten Bewegungen oder Spasmen kann sie problemlos umgehen, das hat sie in der Ausbildung gelernt.

Hatten Sie schon immer Kontakt mit Hunden?

Wir hatten nur einmal für wenige Wochen einen Hund in der Familie. Aber mein Mann ist mit Hunden aufgewachsen. Als unsere Kinder klein waren, hatten wir einen Labrador, der vierzehnjährig starb. Mein ursprünglicher Beruf war Laborantin. Aber als die Kinder gross waren, wollte ich nicht mehr ins Labor zurück, sondern etwas mit Hunden tun.

Beim Spaziergang hält Martina Brunner die schwarze und die betreute Person die rote Leine, so halten beide Kontakt mit Aura.

Als Aura zu uns kam und sich durch ihre ruhige Art als Sozialhund eignete, absolvierte ich mit ihr von Februar bis Oktober 2019 die Ausbildung in der Schule für Blindenführhunde in Allschwil. Einmal im Monat am Sonntag fand der Unterricht für Hund und Betreuer statt. Am Schluss gab es eine schriftliche und praktische Prüfung. Natürlich werden die Hunde vorher in Allschwil auf ihre Eignung getestet. Auch wir werden alle zwei bis drei Jahre kontrolliert, ob noch alles gut läuft. So erhalten wir eine Art Gütesiegel für unsere Aufgabe. Ausserdem könnte ich jederzeit in Allschwil nachfragen, falls es Probleme bei Einsätzen oder im Verhalten des Hundes gibt. Das gibt mir enorme Sicherheit. Der Kontakt ist mit der Ausbildung nicht zu Ende.

Stiftung Schweizerische Schule für Blindenführhunde Allschwil

Alle Fotos: rv

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