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Gartencenter im Wandel

Nachhaltiges Gärtnern liegt im Trend. Vorbei die Zeit, wo gegen alles und jedes ein Mittel zum Spritzen, Streuen oder Giessen gekauft werden konnte. Heute ist von Nützlingen, nachhaltiger Bodenpflege und giftstofffrei produziertem Gemüse und Obst die Rede. Auch in den Gartencentern.

Erwin Meier vertritt seit 1962 in dritter Generation das weit herum bekannte Gartencenter in Dürnten im Zürcher Oberland. Seit einigen Jahren hat er die Geschäftsleitung an seine Tochter und seinen Sohn weitergegeben. Aber aktiv ist er immer noch. Und wie! Rund die Hälfte der Zeit arbeitet er an der Theke, pflegt den Kundenkontakt, berät, hört zu und nimmt Anregungen entgegen.

Seniorweb: Erwin Meier, jeden Monat wird Ihre Hauszeitung «Pflanzenfreund» an Ihre Kundschaft versandt. Seit einiger Zeit sogar mit Ableger: Der «Pflanzenfreund» befasst sich mit ökologischen und zum Teil wissenschaftlichen Problemen und Fragen, und daneben gibt es «Meiers Bestseller», der über das laufende Geschehen im Garten, über Neuheiten und fällige Pflegemassnahmen informiert. Dieser Bestseller ist Ihre Domäne.

Erwin Meier: Den «Pflanzenfreund» hat mein Grossvater 1900 erstmals versandt. Er wollte seinen Kunden nicht einfach dicke Pflanzenkataloge zuschicken, sondern sie persönlich informieren, auf Jahreszeit und Wetterverhältnisse zugeschnitten. Und das kam – und kommt – gut an. Anfangs arbeitete ich mit externen Schreibenden zusammen, aber das gab immer wieder Überschneidungen und Diskussionen. Deshalb entschloss ich mich, das Heft in Eigenregie zu produzieren.

Die ersten Weihnachtssterne aus eigener Anzucht stehen bereits zum Verkauf. (b.r.)

Sie schreiben nicht nur das Editorial, sondern auch die anderen Beiträge selber?

Ja, das macht mir richtig Spass. Wobei ich von meinen Mitarbeitenden sehr unterstützt werde. Da wird zum Beispiel im Bereich Baumschule ein Thema aktuell, der zuständige Mitarbeiter informiert mich mit ein paar Sätzen – und ich schreibe dann den Beitrag.

Und da spielen Stichworte wie Nachhaltigkeit oder giftstofffreies Gärtnern immer mehr eine Rolle.

Das ist auch sinnvoll und richtig. Verlangten früher Kunden in unserem Rosengarten eine Rose in einer bestimmten Farbe oder Ausprägung, so wird heute sehr oft nach Pflanzen gefragt, die gesund und robust sind, nicht gar so häufig gespritzt werden müssen.

Auch bei den Pflanzenschutzmitteln weisen Sie vermehrt auf biologische Alternativen zur Chemie hin.

Unbedingt! Es gibt zum Beispiel ein wirksames Mittel gegen überhandnehmende Unkräuter auf Gerstenbasis. Essig und Rapsöl werden vermehrt zu Spritzmitteln verarbeitet. Vielleicht gehört das Kupfersulfat, mit dem Trauben und viel anderes gespritzt wird, bald der Vergangenheit an. Obwohl es bis heute auch im Biolandbau zugelassen ist.

Gefragt sind heute gesunde und robuste Pflanzen, die möglichst nicht gespritzt werden mussen.

Sie achten, entnehme ich Ihrem «Bestseller», auch vermehrt auf Schweizer Produkte.

Da tut sich einiges. So kommt die Erde zur Bodenverbesserung, die jetzt im Herbst zum Schutz vor Frösten zum Beispiel im Rosengarten verwendet wird, neuergings nicht mehr aus Frankreich, sondern aus Schweizer Ställen. Und die Pflanzenkohle ist ein wahres Wundermittel, sie aktiviert das Wurzelwachstum der Pflanzen und «reinigt» den Boden, wirkt der Bodenmüdigkeit entgegen. Dazu bieten wir Düngerpellets aus Schafwolle an.

Schafwolle ist ein gutes Stichwort.

Immer mehr wird einheimische Schafwolle nicht nur als Langzeit-Dünger eingesetzt. Als Schutz vor der Kälte werden auch Vliese aus Schafwolle angeboten. Bei Kübelpflanzen kann die Erde mit teppichähnlichem Filz abgedeckt werden. Schützt vor Htze und Kälte und reduziert zusätzlich den Wasserverbrauch. Was ja auch erwünscht ist. Bisher wurde einheimische Schafwolle zu einem grossen Teil verbrannt, weil sich keine Abnehmer fanden. Das ändert sich jetzt.

Kommen wir zu einem anderen Thema: Sie beziehen Blumenzwiebeln aus Holland für die Schweiz exklusiv von einem Produzenten.

Ja, bei der Einweihung unseres neuen Gartencenters erzählte uns der Holländer Kees Dobbe von seinem Betrieb. Er beliefert zwar auch grosse Abnehmer, hat für sich aber ein kleines, feines Sortiment aufgebaut, das er heute nur wenigen Centern in Deutschland und Österreich anbietet. Und uns, als einzigem Unternehmen in der Schweiz. So können wir diese im Vergleich zu Produkten anderer Lieferanten ausserordentlich grossen und damit blühkräftigen Zwiebeln ohne Zwischenhandel zu einem klar tieferen Preis anbieten. Ist in diesem Herbst ein Hit im Verkauf.

Das grosse und für die Schweiz exklusive Blumenzwiebeln-Sortiment war in diesem Herbst sehr gefragt.

Aber Weihnachtssterne, Poinsettien, produzieren Sie selbst in Tann.

Ja, das ist für uns eine sinnvolle Ergänzung. Wenn der Sommerflor ins Geschäft kommt, wird Platz frei für die Anzucht der Weihnachtssterne. Die ersten, meist kleinblumigen, sind bereits im Verkauf. Christrosen aber produziert für uns ein junges Ehepaar aus dem Aargau, das sich auf diese Pflanze und ihre Verwandten, die Lenzrosen spezialisiert hat. Lenzrosen übrigens mit aufrechtstehenden Blütenköpfchen!

Kommen wir zum Schluss noch zu den einheimischen Pflanzen und Gehölzen.

Es gibt in der Schweiz ein Kooperationsprojekt von Umweltverbänden, das die Artenvielfalt erhalten und steigern möchte. Wer also Gartenflächen naturnah gestalten möchte, kann jetzt einheimische Pflanzen und Gehölze bei uns kaufen. Bienen, Vögel und viele andere Tiere im Garten werden es danken.

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