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Ja zu Tests für Senioren mit schnellen E-Bikes

Der Bund untersucht, ob Prüfungen für ältere Fahrerinnen und Fahrer von E-Bikes sinnvoll sind. Der Kolumnist glaubt, dass für die schnellere Kategorie der E-Velos solche Hürden nötig sind.

Der alte Herr Ruedi Z. (Name geändert) fuhr lange mit seinem Velo durchs Berner Quartier. Dann wurde dem Betagten das Trampen zu mühsam Nun benutzte er seinen alten Göppel als Rollator. Ein Velo ist keine Gehhilfe. Herr Z. tappte mit seinem rostigen Gefährt unsicher durch die Gegend. Vor wenigen Wochen begegnete ich Ruedi Z. wieder. Nun war er mit einem E-Bike unterwegs, einem schnellen 45er mit gelber Nummer. Schneidig fuhr er die Strasse entlang. Wie er die anschliessende scharfe Kurve nahm, wie er dann die Kreuzung meisterte, sah ich nicht mehr, ahnte aber Gefahr.

«Der Bund will die Sicherheit der E-Bike-Fahrenden verbessern», schrieb Mitte November das Bundesamt für Strassen (Astra). Das Amt will zuerst ermitteln, welche Fähigkeiten nötig sind, um mit einem E-Bike zu fahren. Dann wollen die Behörden mit den Verbänden und Fachstellen aushandeln, ob ein Test, eine Prüfung, Fahrstunden oder eine Kombination nötig sind. Die Hürden sollen nach Alter und Art des Bikes angepasst werden. Dies kann bedeuten, dass bloss Leute überprüft werden, die mit einem E-Bike mit einer Maximalgeschwindigkeit von 45 Stundenkilometern unterwegs sind. Wer ein langsameres 25er-Gefährt benützt, wäre nicht betroffen.

Zwischenhalt I. Die Meinung des Autors: Ja, für 45er-E-Bike-Fahrer und -Fahrerinnen braucht es solche Prüfungen. Diese Gefährte sind in der Stadt gleich schnell wie Autos oder Töffs. E-Biker, die mit einem solchen Tempo durch die Stadt speeden, brauchen mehr als den vorgeschriebenen Helm und die Haftpflichtversicherung: mehr Können, mehr Übung, mehr Verantwortungsbewusstsein.

E-Bikes boomen. Die Kehrseite dieser Steigerung sind die vielen Unfälle. Letztes Jahr haben die Händler 220’000 E-Bikes verkauft. Unterdessen haben fast die Hälfte aller neuer Velos einen Elektroantrieb. Entsprechend stieg die Zahl der Unfälle. 2300 waren es letztes Jahr, 2018 verunglückte bloss die Hälfte.

Zwischenhalt II. Jetzt sind die üblichen neudeutschen Whataboutismen fällig. Nämlich: Was ist mit den jüngeren Benützern oder mit den E-Trottis? Und was ist mit den E-Rollern, den getunten Zweirädern  mit den fetten Pneus? Alles klar, alles wahr. Aber nur weils auch andere Missstände gibt, soll man nicht darauf verzichten, einen besonders gefährlichen zu beheben. Dass Senioren mit den elektrischen Raketen-Bikes besonders gefährdet sind, beweist die Statistik.

Die Beratungstelle für Unfallverhütung (bfu) hat ermittelt: Bei gleich vielen Kilometern kommt es bei E-Bikes zu doppelt so vielen schweren oder tödlichen Unfällen wie bei herkömmlichen Velos. Ausserdem: Für Seniorinnen und Senioren ist das Risiko vier Mal grösser bei einem Velounfall zu sterben. Und schliesslich: Wenn sie stürzen, erleiden sie häufiger schwere Verletzungen als Jüngere.

E-Bikes mit gelber Nummer fahren in der Stadt so schnell wie Autos.

Zwischenhalt III. Wir Senioren müssen uns halt selber in die Nase kneifen. Unsere Reaktionsfähigkeit, unsere Konzentration, unsere Beweglichkeit nehmen ab. Schleichend und darum für uns unauffällig. Deshalb ist Velofahren im 45er-Speed-Modus für uns zu gefährlich. Klar gilt das nicht für die AHV-Einsteigerin, die den Ärmelkanal durchschwimmt oder den Jungrentner, der die Stufen der Niesen-Bahn hochrennt. Aber das sind Ausnahmen.

Wer ein schnelles E-Bike ersteht, erfährt vom Verkäufer, wie er die verschiedenen Fahrmodi bedient und wie er den Akku auflädt. Fertig. Aber das genügt nicht. Leute, die vorher nur wenig Velo gefahren sind, sitzen nun auf einem potenten Teil, das mit Autogeschwindigkeit losbraust. Wenn die Sterne gut stehen, erwerben die Einsteiger Routine. Wenn nicht, bumst es häufig, oft mit schweren Folgen.

Zielort. Wenn wirs das grösste Risiko vermindern wollen, braucht es Tests für Fahrerinnen und Fahrer von E-Bikes mit 45 Stundenkilometern Spitze. Nötig sind echte Fahrprüfungen, nicht bloss jene ärztlichen Kontrollen, welche die älteren Autolenkerinnen und -lenker zu bestehen haben. Für die Besitzer von Gefährten, die bloss 25 Stundenkilometern zulassen, erübrigen sich solche Kontrollen – nicht zuletzt, weil die gemütlicheren E-Zweiräder vielen Seniorinnen und Senioren erlauben, weiterhin mobil zu bleiben.

Gesterm habe ich Herrn Z. wieder gesehen. Ohne E-Bike, sondern im 21er Bus über Bremgarten nach Kirchlindach. Ob die Vernunft gesiegt hat? Hoffentlich.


Was meinen die Seniorweb-Leserinnen und -Leser? Soll alles beim Alten bleiben? Sollen nicht nur Senioren, sondern auch andere E-Velofahrerinnen und -fahrer Tests bestehen müssen? Unsere Kommtarspalten sind offen.

Bild: Pixabay/pst

 

 

 

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8 Kommentare

  1. Absolut einverstanden! Auch das Tragen eines Helms sollte obligatorisch sein – oder vielleicht ist es das schon, wird aber kaum befolgt.

  2. Ja, das Fahren mit einem schnellen E-Bike sollte in allen Alterskategorien überprüft werden. Diese Fahrer sind sich oft nicht bewusst, dass ihre hohe Geschwindigkeit beim Überholen ein Risiko auf dem Fahrradweg ist. Andere Velos die gemütlich unterwegs sind werden, häufig ohne Klingeln oder sich sonst bemerkbar zu machen, in rasend schneller Fahrt überholt. Man muss dauernd in den Rückspiegel schauen, ohne Rückspiegel ist es lebensgefährlich!

  3. Unbedingt! Ich habe mir als Ritual zur Pensionierung vor gut zwei Jahren fröhlich ein e-bike gekauft und mich sehr auf die flachen Velowege meiner Umgebung gefreut. Durch einen Wohnungswechsel bräuchte es nun leider die Durchquerung einiger gefährlicher Stellen ohne Radstreifen, so dass ich mein Gefährt seither – zu meiner Sicherheit – in der Garage parkiert liess. Ich habe dafür unendlich viele, zumeist tägliche (ein- bis zwei Stunden) Märsche entlang dem Rhein gemacht und nun sollte ich mich wohl am besten mit einem weinenden Auge von meinem schönen Fahrrad verabschieden. Ich bin eine «junge», wendige Rentnerin, doch das Gewicht des Zweiräders und nur allein seines Akkus und das Schalten und Bremsen mit Fingerarthrose schmerzen trotzdem auf mühsame Weise. Ja, auch als Spaziergängerin werde ich oft gefährlich nahe überholt, was mich immer wieder erschreckt in der Dreistheit oder Unerfahrenheit einiger Mitmenschen.

  4. Seit 10 Jahren fahre ich ein 25km/h – eBike. Ich hab selber keine Lust auf ein schnelleres, bin aber auchbder Ansicht, das eine Prüfung fur die Fahrtüchtigkeit bei Senioren, Seniorinnen angebracht sein sollte. Ich fahre selber noch Motorrad und auch da hab ich schon andere Fahrer gebeten, mal darauf zu achten, ob sie finden, dass ich irgendwie nachlasse, ohne es selber zu merken.
    Vielleicht könnte ja, im Kaufpreis integriert, zumindest mal ein Einweisungskurs – ab einem gewissen Alter – angeboten, oder gefordert werden.
    Inzwischen lebe ich im Schwarzwald und dachte zuerst, dass ich hier viel und gerne eBike fahren würde. Leider führen in meiner Umgebung viele Radwege streckenweise über die kurvenreichen Strassen. Mit Motorrad liebe ich diese Strassen, aber mein eBike wird nun fast nicht mehr genutzt. Auf diesen Strassen wird sehr schnell gefahren und ich würde dann vermutlich mehr in den Rückspiegel als auf die Strasse schauen. Das ist mir zu gefährlich. An einer Lösung tüftle ich noch rum.
    Aber ich bin generell dafür, das ältere Verkehrsteilnehmer auf die Fahrtauglichkeit geprüft werden sollten, allerdings zu dem Budget angepassten Preisen, oder von den Versicherungen bezahlt, da Diese ja durch weniger Unfälle auch Ausgaben einsparen könnten.

  5. Prüfung und Helm sollten unbedingt obligatorisch sein für die schnelleren E-Bikes. Mich entsetzt immer wieder, wie egoistisch viele junge und ältere Menschen heute auf Rädern unterwegs sind. Ohne Warnzeichen wird überholt, teils haarscharf an einem vorbei, auch auf Trottoirs und Spazierwegen und in rasantem Tempo. In Bahnhofunterführungen ist es besonders gefährlich. Da wird mit dem E-Trotti trotz Verbot und auch in Stosszeiten bis zu den Treppen gefahren, auf dem Perron bis zum Zug-Einstieg. Und selbstverständlich wird das tolle Fahrzeug dann mitgenommen ins Zugabteil…Wie lange dauert es wohl, bis die SBB neue Regeln aufstellt? Oder bis mehr kontrolliert und gebüsst wird von der Polizei? Im Kt. Aargau ist die Polizei massiv unterdotiert und muss andere Prioritäten setzen. Schade! Ich bin keine ältere Nörglerin, sondern gottlob gesund, unternehmungslustig und meist gut gelaunt. Meine Schimpftirade musste aber einfach sein!
    M. Haussmann

  6. Leider macht die Unvernunft gewisser -nicht nur Senioren- Verkehrsteilnehmer und die laufend steigende Verkehrsdichte eine weitere Reglementierung notwendig. Dies insbesonders, wenn Interessenten für schnelle EBikes weder einen Auto- oder Motorradführerschein besitzen. Wenn jemand zuvor nicht regelmässig (unmotorisiert) Velo gefahren ist und gleich ein schnelles EBike benützt, wird es ebenfalls kritisch.
    Nach meiner Pensionierung habe ich mir ein Motorrad zugelegt und in der Fahrschule festgestellt, dass auch meine Autofahrer-Theoriekenntnisse nicht mehr up to date sind.
    Eine Helmpflicht für schnelle EBikes gibt es bereits seit einigen Jahren; sie wird allerdings nur z.T. beachtet.
    Zur Zeit sind gewisse Billig-EMotorräder auf den Strassen, welche sogar zweisitzig sind (oder zumindest von Jugendlichen so benützt werden), jedoch anscheinend keine Versicherungspflicht haben. Hier besteht m.E. auch ein Handlungsbedarf

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