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Engagement im Interesse der Generationen 60+

Der demografische Wandel stellt unsere Gesellschaft vor viele Herausforderungen. Seniorweb befragte die Walliser Koordinatorin «Generationen 60+» Annette Weidmann  nach den vorhandenen und geplanten Massnahmen für die älteren Menschen im Kanton Wallis.

Im Zentrum der Fragestellungen rund um die Generation 65+ steht der demografische Wandel. In der Schweiz wird in den nächsten Jahren vor allem die Alterung der Babyboomer, der geburtenstarken Jahrgänge von 1955 bis 1970, spürbar. Der Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung wird steigen, gerade durch das Vorrücken der Babyboomer-Jahrgänge ins Rentenalter.

Es versteht sich, dass der demografischer Wandel unsere Gesellschaft vor viele Herausforderungen stellt. Fragen also, wie Weiterbildung, Sozialversicherung, Zuwanderung oder Infrastruktur. Mit dem Übergang der geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand wird auch der Mangel an Arbeitskräften immer spürbarer. Längst fehlt es nicht mehr nur an Fachkräften; Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller Qualifikationsstufen werden dringend gesucht – sei es in Pflege, Logistik, Industrie oder der öffentlichen Verwaltung. Gleichzeitig ergeben sich auch neue Chancen: Ältere Menschen sind so agil wie nie zuvor. Ihre Entscheidungen als Konsumentinnen und Konsumenten, Erwerbstätige sowie Unternehmerinnen und Unternehmer gewinnen für Wirtschaft und Gesellschaft stets an Bedeutung. Was hat das für die Lebensqualität wie auch die soziale Teilhabe der Älteren für Folgen? Wie können Wirtschaft und Gesellschaft die Veränderungen durch den demografischen Wandel bewältigen und gestalten?

Nebst anderen Kantonen stellt sich auch das Wallis diesen aktuellen Herausforderungen. Im Rahmen der Entwicklung der Politik zugunsten der Generationen 60+ lanciert der Kanton Wallis – Dienststelle für Sozialwesen – eine weitere Ausschreibung für Projekte «für und von» Personen ab 60 Jahren. Sie ist bis zum 31. Mai 2024 offen und befasst sich mit dem Thema Mobilität und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Der Alterungsprozess führt allmählich zu einer Verringerung der Mobilität, die hauptsächlich durch die Einschränkung bestimmter Fähigkeiten bedingt ist. Menschen, die in ihrer Mobilität beeinträchtigt sind, können aufgrund ihrer Schwierigkeiten sich fortzubewegen oder den unzureichenden angepassten Angeboten mitunter nicht an Aktivitäten teilnehmen.

Die der Dienststelle für Sozialwesen angegliederte « Kantonale Koordination zugunsten der Generationen 60+ » wurde im September 2021 geschaffen. Dank dieser kantonalen Koordination wurde eine zielführende Politik zugunsten der Generationen 60+ entwickelt.

Wir unterhielten uns dieser Tage mit Annette Weidmann, Kantonale Koordinatorin «Generationen 60+», über das ausgeschriebene Projekt und das Engagement des Kantons Wallis im Interesse der älter werdenden Menschen:

Wer sind die Generationen 60+?

Annette Weidmann: Unter «Generationen 60+» sind alle im Wallis wohnhaften Personen über 60 Jahre zu verstehen, unabhängig von ihrer Herkunft und ihrem Wohnort. Für unsere Gesellschaft ist das Engagement der Generationen 60+ wertvoll und wesentlich. Insgesamt erbringt mehr als die Hälfte der Generationen 60+ ehrenamtliche Tätigkeit zugunsten der Gemeinschaft (Vereinsarbeit, Essenslieferungen, Betreuung der Enkelkinder…). Darüber hinaus sind 20% von ihnen mindestens einmal pro Woche als betreuende Angehörige tätig. Die Generationen 60+ sind destotrotz grösseren Risiken ausgesetzt, insbesondere in Bezug auf die Langzeitarbeitslosigkeit, die Armut oder die Gesundheitsprobleme. Sie bedürfen deshalb besonderer Aufmerksamkeit.

Was umfasst die Politik zugunsten der Generationen 60+ ?

Die Politik zugunsten der Generationen 60+ wurde im April 2022 anlässlich einer Medienkonferenz vorgestellt. Sie basiert auf drei Säulen und schlägt fünf Initialziele vor, wie beispielsweise die Festigung der Gesundheit und der Autonomie oder die Entwicklung günstiger Umgebungen und Rahmenbedingungen oder auch das Begünstigen der Teilhabe. Zudem arbeitet die Konsultativkommission zugunsten der Generationen 60+ in vier Unterkommissionen der Periode 2022-2025 an nachfolgenden Themen: Wohnraum und Mobilität, Sozialleben und Lebensweisen, Zugang zu Informationen und Engagement und Partizipation. Als erste konkrete Massnahme wurde auf kantonaler Ebene im Juni 2022 eine erste Ausschreibung zur Einreichung von Projekten lanciert welche bei der Bevölkerung, der Vereinswelt und den Gemeinden auf ein sehr gutes Echo gestossen. Zehn Projekte zu dem.

Was sind die Ziele der Projektausschreibungen?

Das übergeordnete Ziel besteht darin, innovative Projekte zugunsten der Personen ab 60 Jahren zu unterstützen und diese Bevölkerungsgruppe gleichzeitig aktiv an der Entwicklung dieser Initiativen zu beteiligen, um damit ihre Fähigkeiten aufzuwerten. Letztendlich werden die gesammelten Erfahrungen ebenfalls dazu beitragen, eine Sammlung bewährter Verfahren zugunsten der Generation 60+ zu erstellen.

Etwas konkreter bitte?

Um die Teilhabe der Generationen 60+ zu gewährleisten, müssen Vereine, die ein Projekt einreichen möchten, mit einer oder mehreren Personen ab 60 Jahren zusammenarbeiten. Diese Zusammenarbeit soll somit den Einbezug der Generationen 60+ in der Projektentwicklung gewährleisten, so dass die Projekte den Bedürfnissen und Wünschen der betroffenen Generationen bestmöglich entsprechen.

Ein strategisches kantonales Ziel zugunsten der Generation 65+ ?

Die Projekte der ersten Projektausschreibung sollten sich somit im Rahmen des fünften Ziels der kantonalen Politik zugunsten der Generationen 60+ «Begünstigen und Aufwerten der Teilhabe» einfügen. Sie haben entsprechend auf den intergenerationellen Kompetenztransfer und die intergenerationellen Beziehungen, die Stärkung der Freiwilligenarbeit, die politische Partizipation oder den Zugang zu Kultur-, Tourismus- oder Freizeitangeboten sowie den Zugang zur Bildung abgezielt.

Die Projekte der zweiten Projektausschreibung sollen sich im Rahmen des ersten, des dritten und des fünften Zieles einfügen, und zwar die «Entwicklung eines günstigen Umfelds und günstiger Rahmenbedingungen, Gewährleistung der Zugänglichkeit von Leistungen und Diensten, Förderung und Aufwertung der Partizipation». Das Thema ist «Mobilität und gesellschaftliche Teilhabe der 60+» und soll ermöglichen, dass Menschen ab 60 Jahren, die in ihrer Mobilität beeinträchtigt sind, trotz ihrer Schwierigkeiten am gesellschaftlichen Leben, an Freizeitaktivitäten und am Wohlbefinden teilhaben können. Wichtig ist zudem, dass die Projekte innovativ und nachhaltig sind.

Intergenerationelle Projekte also? Wer kann an der Projektausschreibung teilnehmen?

Alle Einwohnerinnen und Einwohner des Kantons können sich an dieser Projektausschreibung beteiligen, seien es Vereine, Clubs, Gemeinden, Jugendliche oder Personen ab 60 Jahren. Zudem wurden weitere Auswahlkriterien festgelegt, wie beispielswese die obligate Teilhabe einer oder mehrerer Personen ab 60+ an dem Projekt (wie weiter oben erwähnt), die klare Definition des Projektziels und die Verwendung der vom Kanton zugewiesenen Beiträge, die Partner, die Projektplanung und die Zielgruppe oder auch die Umsetzung des Projekts in 12 Monaten.

Wie hoch ist die finanzielle Unterstützung des Kantons?

Der zur Verfügung stehende Gesamtbetrag für die erste Projektausschreibung belief sich auf CHF 50’000.-, wobei der Höchstbetrag für die berücksichtigten Projekte CHF 6000.- betrug. Der zur Verfügung stehende Betrag für die zweite Projektausschreibung beläuft sich auf CHF 60’000.-. Berücksichtigte Projekte werden mit einem Höchstbetrag von CHF 6000.- unterstützt

Die «Generationen 60+» nimmt stets zu? Und, das Miteinander der Generationen steht im Zentrum?

Im Wallis gibt es zahlreiche Akteure, die sich für Menschen ab 60 Jahren einsetzen. Ob es sich dabei um Aktivitäten, um administrative und soziale Unterstützung oder um Hilfe und Pflege zu Hause handelt, das zur Verfügung stehende Angebot ist breit und vielfältig. Derzeit repräsentieren die «Generationen 60+» mehr als ein Viertel der Walliser Bevölkerung und dürften bis 2025 auf mehr als 30% der Einwohner unseres Kantons ansteigen. Diese Bevölkerungsgruppe ist sehr heterogen, insbesondere in Bezug auf deren Alter.

Der Kanton Wallis hat anerkennt und wertschätzt die vielen Akteure, die sich für Menschen ab 60 Jahren einsetzen. Zudem hat der Kanton Wallis den Handlungsbedarf bezüglich der Entwicklung einer Politik zugunsten der Generationen 60+ erkannt und arbeitet entsprechend mit den Akteuren zusammen. Dies Zusammenarbeit etabliert sich auch dienststellenübergreifend, insbesondere mit der Dienststelle für Gesundheitswesen, da gemäss verschiedener Studien das Soziale und die Gesundheit in engem Zusammenhang steht und gegenseitig zum Wohlbefinden eines Menschen beiträgt.

Titelbild: Annette Weidmann (zvg)

Mehr unter: https://www.vs.ch/de/web/sas/projekte60plus

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