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Jung und Alt im Dialog

Generationenkonflikt nein, Generationen übergreifende Zusammenarbeit ja! Darauf einigten sich Bea Heim, Präsidentin der VASOS und Lena Bühler, Co-Präsidentin von SAJV. In einem ersten Meinungsaustausch diskutierten die beiden Präsidentinnen Formen der Zusammenarbeit, insbesondere in der Klimapolitik.

Zunächst stellten die beiden Präsidentinnen sich und ihre Organisation vor. Lena Bühler, 21, studiert Rechtswissenschaften in Fribourg, und präsidiert die SAJV, die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände, zusammen mit Jan Burckhardt. Die SAJV, 1933 gegründet, ist der Dachverband von zurzeit rund 60 Jugendorganisationen mit mehr als 500 000 Kindern und Jugendlichen. Hauptziel der SAJV ist es, sich auf politischer und öffentlicher Ebene für die Interessen der Schweizer Jugend einzusetzen. Unter dem Stichwort Citoyenneté will die SAJV mitreden, mitgestalten und mitentscheiden, unabhängig von Alter, Herkunft und Geschlecht. Schwerpunktthemen sind Freiwilliges Engagement, Gesundheitsförderung (u.a. Umgang mit Suchtmitteln), Inklusion und Vielfalt, Internationale Jugendpartizipation, Jugendliche in der Arbeitswelt und in der Politik, Umwelt, Medien und soziale Netzwerke.

Bea Heim, 77, ehemalige Nationalrätin (2003-2019) ist Präsidentin der VASOS, der Vereinigung aktiver Senior:innen- und Selbsthilfeorganisationen der Schweiz. VASOS wurde 1990 als nationale Dachorganisation gegründet und vertritt 19 nationale, kantonale und regionale Organisationen mit rund 129 000 Mitgliedern. Als „Stimme der älteren Menschen“ werden in Arbeitsgruppen Altersthemen diskutiert, zurzeit etwa die AHV-Revision, EL-Revision, IV-Revision, die Pflegefinanzierung und die Qualität in Pflegeheimen, Gesundheitspolitik, Umwelt und Energie.  In aktuell fünf Arbeitsgruppen (Sozialpolitik, Wohnen im Alter und Mobilität, Gesundheit, Hochaltrigkeit, Umwelt und Generationendialog) werden alterspolitische Anliegen zuhanden des VASOS-Vorstandes vorbereitet.

Auf die Frage von Bea Heim, was die Klimakrise mit uns mache, gab Lena Bühler Einblick in emotionale Welten von Jugendlichen, die sich in einer Welt von Mehrfachkrisen hin- und hergerissen fühlen zwischen einerseits Hoffnungslosigkeit, Ohnmachtsgefühlen bis hin zu psychischen Erkrankungen und anderseits Zuversicht und Lebensfreude, wenn Aktionen für eine bessere Welt gelingen und Jugendliche sich in ihrer Lebenswelt für eine bessere Zukunft engagieren können. Kaum konstruktiv findet Bea Heim, die Schuld für die Klimakrise den Alten zuzuschieben und aus der Klimakrise einen Generationenkonflikt zu konstruieren nach dem Motto, die Jungen müssten klimatisch ausfressen, was ihnen die Alten eingebrockt hätten. Schnell war man sich einig, dass das Gerede vom klimapolitischen Generationenkonflikt bloss Nebelpetarden und Ablenkungsmanöver von wirklichen umweltpolitischen Problemen sind. Bei Jungen und Alten gebe es umweltbewusste Akteure und solche, die weiterhin ihre Egointeressen auf Kosten der Umwelt und Mitwelt schonungs- und schamlos ausleben. Umso wichtiger sei eine intergenerationelle Allianz, in der Jung und Alt sich gemeinsam als starke Kraft für den Klimaschutz öffentlich sichtbar engagieren.

Lena Bühler stellte die Frage: Welche gesellschaftlichen Akteure stehen in der Verantwortung die Klimakrise anzugehen? Gemeinsame Antwort: ALLE. Alle stehen in der Verantwortung die Klimakrise anzugehen, vom Einzelnen über die politischen Behörden von der Gemeinde bis zur Weltgemeinschaft, von Akteuren in der Wirtschaft, der Finanzindustrie bis hin zu Umweltverbänden und vielen anderen Organisationen. Denn die Klimakrise könne nicht isoliert gelöst werden, indem man sich etwa bloss auf die Reduktion des CO2-Ausstosses fokussiere. Klimapolitik ohne Wirtschafts-, Sozial- und Friedenspolitik ist für die Katz. Zudem gelte es Pflästerlipolitik, Beruhigungspillen für die besorgte Lokal- und Weltbevölkerung und simplen manipulativen Wählerstimmenfang zu demaskieren und substanzielle Beiträgen zur Lösung der Klimakrise und von damit einhergehenden Krisen zu unterstützen.

Nach eineinhalb Stunden Gedankenaustausch die unausweichlichen Fragen: Was machen wir nun? Was macht SAJV, was macht VASOS, was machen beide Organisationen gemeinsam?

Antworten:

  1. Beide Präsidentinnen geben zu bedenken, dass sie nur kleine Brötchen backen können, dass die zeitlichen und personellen Ressourcen knapp sind. Aber man könne was tun!
  2. Vernehmlassungsantworten für klimapolitische Vorlagen sollen in Zukunft vor dem Einreichen ausgetauscht werden. Beide Organisationen können dabei voneinander lernen. Gegebenenfalls könnten auch Vernehmlassungsantworten gemeinsam eingereicht werden.
  3. Wenn beiden Organisationen etwas unter den Nägeln brenne, könnten gemeinsame Communiqués oder Stellungnahmen der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
  4. Beide Organisationen haben auch internationale Beziehungen zu europäischen und globalen Senioren- und Jugendorganisationen. In diesem Zusammenhang soll die UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung stärker in den Fokus gerückt werden, damit in der Schweiz Bund und Zivilgesellschaft die UN-Agenda 2030 umsetzen. Dabei soll auch nachgefragt werden, inwiefern die Senioren- und Jugendorganisationen in die Diskussion und Umsetzung der UN-Agenda 2030 eingebunden sind oder besser eingebunden werden könnten.
  5. Bea Heim regt an, im Seniorweb eine Rubrik „Jung und Alt im Dialog“ zu eröffnen.

Zum Schluss schenkte Bea Heim mit einem Schmunzeln allen ein sehr feines Schoggi-Osterhäsli!

Titelbild: Jung und Alt im Dialog (v.l.): Bea Heim, Präsidentin VASOS; Beat Steiger, Redaktor Seniorweb; Liselotte Lüscher, Initiatorin und Gastgeberin; Lena Bühler, Co-Präsidentin SAJV.

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1 Kommentar

  1. Eine sehr gute Idee von Bea Heim, seniorweb.ch auch für die Jungen zu öffnen und damit ein Internetforum zu schaffen, wo ein Austausch zwischen jung und alt stattfinden kann. Politisch bin ich öfters auf den Internetplattformen der Jusos und der Jungen Grünen. Mein Eindruck, diese jungen Politiker:innen haben klare Vorstellungen ihrer Ziele und wie sie die Zukunft gestalten möchten. Was ich positiv finde, im Gegensatz zu den etablierten Parteien, polarisieren sie viel weniger.

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