StartseiteMagazinKulturEine gelungene Ode an Carmen

Eine gelungene Ode an Carmen

Grosses Theater am Schauspielhaus Zürich: Die US-amerikanische Regisseurin, Filmemacherin und Performancekünstlerin Wu Tsang und ihre Gruppe Moved by the Motion zeigen in der Schiffbau-Halle eine grandiose Carmen-Inszenierung mit aktuellem Bezug.

«Carmen» gilt unbestritten als Georges Bizets Meisterwerk und zählt zu den meistgespielten Opern der Welt. Auf der Grundlage der gleichnamigen Novelle von Prosper Mérimée entstand ein schockierend realistisches Spiel um Liebe und Macht. Die attraktive Zigeunerin Camen, eine umschwärmte, selbstbewusste Frau, trifft in Sevilla in dem Soldaten Don José einen Mann, der ihr rettungslos verfällt, sie durch seine Liebe aber auch einengt. Im Konflikt zwischen ihrer Freiheit und dieser Liebe entscheidet sie sich für die Freiheit – mit tödlichen Konsequenzen.

Carmen in dreifacher Ausführung

Wu Tsang ergänzt in ihrer Zürcher Inszenierung die von Sophia Al Maria bearbeitete Tragödie mit einer aktuellen Nebenhandlung und mit neuer Musik von Andrew Yee. Mit im Spiel ist die Archäologie-Doktorandin Meriem der Universität Sevilla, die in den Bergen nach einer Grabstätte aus der Zeit des spanischen Bürgerkriegs sucht, wo sie die Leiche der Revolutionärin «Rote Taube» vermutet. Und Wu Tsang besetzt die Rolle der Carmen gleich mit drei Personen, mit der Sängerin Katia Ledoux, mit dem Schauspieler Benjamin Radjaipur und der Tänzerin Tosh Basco. Alle drei verkörpern die verschiedenen Seiten von Carmen, die des verführerischen Gesangs, der Sprache und der Bewegung.

Die Arbeiterinnen der Zigarrenfabrik verbringen tanzend die Pause.

Bereits zu Beginn wird zum Prélude das Ende der Tragödie vorweggenommen, die eine der drei Carmen liegt tot am Boden in der Blutlache, die zweite raucht eine Zigarette und die dritte steckt sich eine rote Blume ins Haar. Die Doktorandin Meriem betritt als Erzählerin die Bühne, berichtet von ihrem Vorhaben, mit der Suche nach den verscharrten Leichen in den Bergen die Gräueltaten des Bürgerkriegs vor dem Vergessen zu bewahren. Doch ihre Professorin (arrogant gespielt von Alicia Aumüller) und deren Geldgeber wollen die Vergangenheit eher ruhen lassen und verweigern ihr das für die Ausgrabung nötige Geld.

 Don José wird verschmäht und sticht zu

Jetzt wird die Geschichte von Carmen aufgerollt, beginnend auf dem Platz vor der Zigarrenfabrik. Die jungen Arbeiterinnen flirten tanzend mit den Soldaten, Carmen singt ihre berühmte Arie «Die Liebe ist wie ein wilder Vogel», wirft dem ignorierenden Don José eine Blume zu. Carmen wird verhaftet, weil sie eine Kollegin mit dem Messer verletzt hat. Don José soll sie ins Gefängnis bringen, lässt sie aber laufen. In einem bekannten Schmugglertreff verliebt sich Carmen in den machohaft auftretenden Torero Escamillo, salopp gespielt von Steven Sowah. Vor der Stierkampfarena bettelt José um Carmens Liebe, sie verhöhnt und verlacht ihn. José ist verzweifelt, stürzt ihr nach und ersticht sie. Alle drei Carmen gehen nach und nach zu Boden. Nur Meriem als Erzählerin bleibt stehen und holt zu einem nicht endenwollenden Epilog aus. Vorgängig kreuzen sich in den Bergen die Wege von Carmen, wo sie mit einer Schmugglerbande und José unterwegs ist, und Meriem, die das verschollene Grab gefunden hat und Carmen vergeblich warnen will. Doch Carmens Schicksal ist in den Karten vorausgesagt und besiegelt.

Katia Ledoux mit verführerischem Charme

In der Zusammenfassung kann man wirklich sagen, dass Wu Tsangs «Carmen» für jeden etwas bietet – eine spannende Story mit aktuellem Bezug, mitreissende und emotionale Musik, schön choreografierte Tanzeinlagen. Dafür sorgt einmal das im Hintergrund platzierte Collegium Novum Zürich unter der Leitung von Jonathan Palmer Lakeland, das die Musik des Stücks wunderbar facettenreich wiedergibt, dann vor allem die Mezzosopranistin Katia Ledoux als Carmen, die ihre Arien mit verführerischem Charme hochemotional und hinreissend vorträgt. Nicht minder berührend ist der Auftritt des Tenors Ryan Capozzo als Don José, der das Wechselbad der Gefühle des verschmähten Liebhabers schauspielerisch und gesanglich schillernd wirkungsvoll verkörpert.

Begegnung in den Bergen: Tenor Ryan Capozzo als Don José und  Perle Palombe als Doktorandin Meriem am Massengrab.

Gespielt, getanzt und gesungen wird auf einer schlicht gestalteten Bühne. Ein schwarzer Vorhang mit hohem Arenabogen in der Mitte dient als Eingang zur mit Nebelschwaden verhüllten Zigarrenfabrik und zur Schmugglerschenke, in der Bergszene mit der Schmugglerbande ist die Bühne mit einzelnen Felsbrocken und einem Baumskelett bestückt (Bühnenbild: Nicola Hoesli und Nina Mader). Die Spielenden sind in tolle Flamenco- und Uniform-Kostümen gekleidet (Kostüme: Kyle Luu). Alles in allem: Geboten wird eine rundum gelungene Ode an Carmen. Dafür gabs am Premierenabend tosenden Beifall und Standing Ovation.

Titelbild: Die Sopranistin Katia Ledoux als Carmen betört mit ihrer Stimme. Fotos: Inès Manai.

Weitere Spieldaten: 6., 7., 8., 10., 12., 13., 23., 25., 27., 28. Mai, 2., 5., 8. Juni

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