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Zu Besuch bei einem Globetrotter

Globetrotter, Lastwagenfahrer, Velofreak, Wanderer und Bastler, langweilig war es Rolf von Burg nie, auch jetzt nicht im Pensionsalter. Im Gespräch mit Seniorweb erzählt er von seinen Reisen um die Welt und von seinen Hobbies.

Reisen ist sein Leben. Umso mehr geniesst Rolf von Burg sein schönes Zuhause in der obersten Etage einer Siedlung, mit Blick auf das Dorf, den Wald und die Eisenbahn. Als Erstes zeigt er mir auf der Terrasse seinen Rebstock. Im Herbst pflückt er süsse Lambrusco-Trauben, die gerade zum Naschen reichen, wenn die Vögel sie nicht wegpicken. Die Eisenbahn ist zu hören, dazwischen trillern die Vögel, es ist Frühling. Für die Vögel hat Rolf von Burg ein buntes Holzhäuschen gezimmert, daneben dreht ein Windrad. Er sei «kein guter Handwerker», betont er, «aber ein leidenschaftlicher Bastler». Doch hinter dieser Idylle steht ein abenteuerliches Leben.

Rolf von Burg, 16-jährig auf seiner ersten Italienreise

Rolf von Burg wollte immer in die Welt hinaus. Seine erste Reise führte ihn zusammen mit einem Kollegen nach Rom, «weil ich etwas Italienisch konnte», erzählt er. Er war 16 und entdeckte, dass man auch ohne Sprachkenntnisse «überall gut durchkommt». Doch zuerst galt es, einen Beruf zu erlernen. Er wurde Pöstler. Da die fixen Arbeitszeiten keine Auszeit für längere Reisen erlaubten, sattelte er auf Lastwagenfahrer um.

1976 schloss er sich in London einer Gruppe von etwa dreissig Personen an für eine achtmonatige Tour durch Afrika bis nach Kapstadt. Sie planten für jeden Tag ein Reiseziel, organisierten die Visa, das Finanzielle, die Aufgabenteilung unterwegs. Mit zwei grossen mit Plachen bedeckten Lastwagen, einem blauen und einem orangefarbigen mit kleinerem Anhänger, fuhren sie über Belgien, Spanien bis nach Marokko.

Von Marrakesch aus führte der Weg nach Rabat, östlich über den Atlas, durch die Sahara und die Sahelzone bis nach Niger. Es gab weder Navi noch Telefonverbindung. Auf der Michelin-Karte waren einzelne Oasen vermerkt, der Kompass zeigte die südliche Richtung an. Die Strassen waren Sandpisten. Die seitlich an den Lastwagen befestigten Sandbleche waren unentbehrlich. Wenn das Fahrzeug einmal im Sand feststeckte, wurden diese unter die Räder geschoben und halfen, wieder rauszukommen.

In Australiens Wüste vor dem Uluru

Bei jeder Schlafstelle musste jeweils eine Grube für die Abfälle und eine für das WC ausgehoben werden. Geschlafen wurde auf Matten unter dem Fahrzeug, auf der Ladefläche oder in den zwischen den Wagen befestigten Hängematten. Die Männer waren für das Aufstellen der Zelte zuständig, die Frauen für das Kochen und Einkaufen von Gemüse, Früchte und Datteln in den Oasen. Genügend Vorräte zu haben, auch Wasser, war überlebenswichtig. Man wusste nie, wann es wieder eine Gelegenheit gab.

Von Niger aus ging die Reise weiter über Nigeria, Ruanda, Kenia, wo die Fittesten innerhalb von drei Tagen auf den 6000 m hohen Kilimandscharo stiegen. Das möchte er heute nicht mehr machen, meint Rolf von Burg. Bei einem Aufenthalt in Zaïre, heute Demokratische Republik Kongo, wollten sie im Urwald die Gorillas beobachten. Diese zeigten sich nicht, dafür wurden sie an ihrem Standort bestohlen, auch Pässe und Fotoapparate waren weg. So gibt es keine Fotos von dieser Reise.

Sammlung von Banknoten mit der niedrigsten Währung aus aller Welt. Foto: rv

Nach jeder grossen Reise blieb der Globetrotter für ein paar Monate in der Schweiz und arbeitete, bis er wieder genug Geld hatte: als Lastwagen- und Taxifahrer, als Eisenleger oder Zeitungsverträger. Manchmal waren es drei Jobs nebeneinander.

Seine längste Reise war eine zweijährige Weltreise 1979/1980. Sie begann per Autostopp über den Balkan nach Afghanistan, dann auch mit lokalen Verkehrsmitteln nach Südindien bis Ceylon, heute Sri Lanka. Er reiste auch in den Norden nach Nepal, Bangladesch, von dort per Flugzeug nach Bangkok, Malaysia, Singapur, Indonesien. In Australien trampte er 22’000 km per Autostopp. Unterwegs nahm er jeden Job an, von Kinderhüten, Auto waschen bis Wohnwagen putzen. Auf einer Farm half er beim Eintreiben und Markieren von Rindern und führte diese in Lastwagen mit drei Anhängern, sogenannten Roadtrains, auf die nächste Weide oder zum Schlachthof.

Als Truckfahrer in Australien

Indonesien blieb Rolf von Burgs Lieblingsdestination. Auf Sumatra liebte er die Lodge in Tuk Tuk Timbul am Tobasee, die er später sogar mit seiner Frau wieder besuchte. Auf der kleinen Sundainsel Komodo beeindruckten ihn die urtümlichen Warane, die grössten Landechsen, die nur dort leben. Die Weltreise führte ihn weiter nach Westneuguinea in das Papua-Baliem-Hochtal, das er in Begleitung von Freddy Krummenacher vom Globetrotter-Reisebüro entdeckte. In der Südsee besuchte er Neukaledonien und Tahiti und von da aus ging es direkt in die USA, zum letzten Autorennen von Clay Regazzoni in Los Angeles. Florida, Mexiko und Mittelamerika besuchte er auf einer späteren Tour. Da sich sein Bruder in Costa Rica niederliess, besuchte er ihn dort, bis heute neunzehn Mal.

Einfache Lodge in Tuk Tuk Timbul auf der Insel am Tobasee in Indonesien.

«Während vier wilden Jahren war ich unterwegs», sagt Rolf von Burg, «und stets schrieb ich Briefe an meine Bekannten». Eine Brieffreundin, Linda, blieb ihm besonders treu, so dass er sich sagte, «entweder werde ich sesshaft oder ich verliere sie». Er wurde sesshaft und sie heirateten. Aber auch als Ehemann blieb Rolf auf Achse; als Lastwagenfahrer. Da Linda in einem Reisebüro arbeitete, war sie ebenso reisefreudig. Gemeinsam besuchen sie noch heute die schönsten Orte, die Rolf früher bereist hatte.

Rolf von Burg und seine Vorbilder. Foto: rv

Rolf von Burg ist auch Velofreak. Mit Kollegen unternimmt er Velotouren durch ganz Europa. Früher war er auch mit dem Motorrad unterwegs bis zu einem Beinaheunfall, dann verkaufte er den Töff. Sein E-Rennvelo steht im Werkstattraum seiner Wohnung. Hier überholt er nicht nur das Fahrrad, er «bastelt» auch gerne mit Holz und Metall, wie er sagt.

Zudem wandert er gerne. Er beteiligte sich einmal am Zürich Marathon und öfters am traditionellen Rigimarsch an Auffahrt. Der führt nachts von Bremgarten der Reuss entlang bis auf den Gipfel der Rigi. In eigenen Projekten wanderte er mit seiner Frau Linda in 32 Etappen vom nördlichsten Punkt der Schweiz bis zum südlichsten. Ein weiteres Projekt führt den Flüssen Aare, Rhein, Töss und Rhone entlang. Langweilig wird es bei von Burgs nicht.

Titelbild: Rolf von Burg in seiner Werkstatt. Foto: rv
Fotos:
© Privatarchiv von Rolf von Burg und rv

 

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