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Ein Paradies für Bäume

Das Enea Baummuseum in Rapperswil-Jona besteht seit 2010. Ich hatte davon gehört und wollte es endlich kennenlernen. Wie überrascht war ich, es als Oase mitten in der Industriezone vorzufinden.

Vom Bahnhof Jona führt der Linienbus über eine hügelige Landschaft zur Haltestelle Jona Buechstrasse West. Mitten im Industriegebiet dann die Frage, wo sich dieses Baummuseum befinden könnte. Ein Hinweisschild fehlt. Doch der Firmenname ENEA hoch oben auf einem der Bürogebäude gibt die Richtung an. Und dort ums Eck herum eröffnet sich eine andere Welt. Ein wahres Naturparadies.

Der Teich mit Goldfischen, umgeben von Bäumen und Büschen empfängt die Besucherin. Im Hintergrund die Installation «Mushrooms» von Sylvie Fleury aus dem Jahr 2013.

Dem Museumsgebäude entlang führt ein breiter Holzsteg, daneben ein Teich mit Goldfischen, umgeben von Bäumen, Sträuchern und Skulpturen. Erst dann gelangt man ins Innere zum Showroom, zum Museumsshop, auch zum Café, das mit Gartenmöbeln, Enea Design, ausgestattet ist. An der Wand hängt ein überdimensional grosses buntes Gemälde vom englischen Künstler Ian Davenport (*1966).

Im Interieur des Museumsgebäudes sind die Gartenmöbel von Enea Design ausgestellt.

Eigentlich hätte es ein sonniger Tag werden sollen. Doch es beginnt leicht zu regnen. Umso intensiver wirkt das Grün der Pflanzen. Die Natur steht in vollem Saft. Ich folge dem Kiesweg. Ausladende Gewächse mit knorrigem Stamm und dichtem Blätterwerk begegnen mir, kunstvoll geformte Bonsai auf Sandsteinstelen, Bambushecken, hohe Grasbüschel und weisse Lilien auf der Wiese, im Hintergrund feuerrote Azaleen. Eine mit Glyzinien überwachsene Holzlaube bietet Sitzgelegenheit. «Diese idyllische Parkanlage soll Zeit und Raum zur Kontemplation bieten», steht in der Begleitbroschüre.

Kunstvoll inszenierte Bonsai auf Sandsteinstelen 

Doch, wer hat dieses Naturparadies erschaffen, wer steht hinter dem Baummuseum? Die Geschichte beginnt mit einer italienischen Familie in der Schweiz. Grossvater Enea hatte noch in Italien Obstplantagen und Gemüseflächen gepflegt, die den Enkel Enzo später in den Sommerferien faszinierten. Vater Franco Enea arbeitete als Steinmetz in Schmerikon und gründete 1973 das Unternehmen Enea Garden Decoration mit italienischen Terrakotta- und Sandsteintöpfen. Diese brachten etwas Italianità in die Schweizer Gärten.

Ausstellung von grossformatigen, auch sehr alten Terracotta- und Sandsteintöpfen und Brunnen, die an Grossvater und Vater Enea erinnern und die Tradition des Unternehmens versinnbildlichen.

Mit Enzo Enea wuchs eine dritte Generation heran. Aber der 1964 geborene Enzo wollte die Gärten nicht nur dekorieren, sondern auch gestalten. Er liess sich zum Industriedesigner und zum Landschaftsarchitekten ausbilden und übernahm 1993 das väterliche Geschäft mit zwei Angestellten. Daraus entwickelte sich ein internationales Büro für Landschaftsarchitektur mit über 240 Mitarbeitenden und mit Niederlassungen in Zürich, Mailand, Miami und New York. Am Hauptsitz in Rapperswil-Jona wurde 2010 das Enea Baummuseum eröffnet.

Glyzinien im grossen Sandsteinstopf

Motivation für das Baummuseum war der Umstand, dass für Überbauungen oder Strassenbau immer wieder alte Bäume gefällt werden mussten. Gesunde Bäume einfach entsorgen, dem wollte Enea entgegenwirken. Seit fünfundzwanzig Jahren bewahrt Enzo Enea Bäume von Baustellen, aus Privatgärten oder Parks vor der Abholzung, indem er sie fachkundig ausgräbt. In seinem Freilichtmuseum in Jona können sie neue Wurzeln schlagen und gedeihen. Dies gelingt ihm auch bei über hundertjährigen Bäumen dank einer besonderen Wurzelschnitt-Technik, die er durch einen Bonsai-Spezialisten kennengelernt hatte. «Würden sie gefällt», sagt er in einem Interview, «müsste man 2000 neue Bäume setzen, um den gleichen Ausstoss an Sauerstoff zu erhalten».

Zu seinen Schützlingen gehört ein ostasiatischer Fächer-Ahorn (Acer palmatum) mit Jahrgang 1916, der einem Neubau des Universitätsspital in Zürich hätte weichen müssen, ebenso ein Eisenholzbaum (Parrotia persica) mit Jahrgang 1895, der bei Bauarbeiten rund um das Zürcher Kongresshaus und Tonhalle hätte gefällt werden müssen.

Der Fächer-Ahorn mit Jahrgang 1916 hätte einem Neubau des Zürcher Uni-Spitals weichen müssen. Dank dem Klinikdirektor, der diesen Baum im Park stets bewunderte, wurde die Verpflanzung möglich.

Damit Enzo Enea seinen Ort für gerettete Bäume realisieren konnte, schloss er mit dem Kloster Mariazell Wurmsbach für die Dauer von 99 Jahren einen Pachtvertrag über 7,5 Hektaren Land ab. Doch zuerst musste das sumpfige Landwirtschaftsland urbar gemacht werden. Dafür pflanzte er 38 Sumpfzypressen als Allee. Jeder einzelne Baum entzieht dem Boden täglich bis zu 800 Liter Wasser und gibt dieses über die Blätter an die Umgebung ab. Das sorgt für ein angenehmes Mikroklima.

Allee mit 38 Sumpfzypressen. Sie entwässern den sumpfigen Boden und schaffen mit der Abgabe des Wassers über die Blätter ein angenehmes Mikroklima.

Das ganze Areal des Baummuseums weist verschiedene Sektoren auf, etwa den Lärchenwald, die Azaleenwelt, deren Blüten derzeit intensiv leuchten, das Japanisches Teehaus, aber auch eine Baumschule sowie ein nicht öffentlicher Bereich für die Arbeit der Firma Enea.

In der Welt der Azaleen

Die geretteten Bäume sind das Herzstück des Baummuseums, gepflanzt auf einer arenaförmigen Parkfläche. Jeder Baum ist als Unikat wirkungsvoll in Szene gesetzt, unterstützt von grossflächigen Steinwänden, die aus Blöcken von Muschelkalk Sandstein aus Veroneser Steinbrüchen aufgebaut sind. So erhält jeder Baum seinen individuellen und geschützten Platz. Zugleich steht er im Dialog mit den Skulpturen, die im Park aufgestellt sind.

Gerettete Japanische Muschel-Scheinzypresse, Jahrgang 1895

Enzo Enea sieht in jedem Baum ein Kunstwerk und so ist es naheliegend, dass er als Kunstsammler seine Bäume mit Skulpturen in Verbindung bringt. Mit verschiedenen zeitgenössischen Künstlern steht er in Kontakt, die eigens für die Anlage ein Werk erschaffen haben. Von Sylvie Fleury stammen die Pilze aus lackiertem Fiberglas, die neben dem Teich bunt leuchten.

Jérémie Crettol, «Otto», 2020. Krake mit acht in sich verschlungenen Tentakeln aus Bardiglio-Marmor, umgeben von Pfingstrosen, die demnächst blühen.

Der US-amerikanische Künstler Richard Erdman (*1952), der auch in Italien arbeitet, schuf für den Teich im Baummuseum die Skulptur Spira aus italienischem Bardiglio-Marmor.  Aus demselben Marmor schuf der Schweizer Künstler Jérémie Crettol (*1975) die Skulptur Otto, eine drei Tonnen schwere Krake mit acht in sich verschlungenen Tentakeln, die den Weichtierkörper umschlingen. Ein Werk zwischen Traum und Realität – eine Empfindung, die auch die Besucherin durch den ganzen Park begleitet hat.

Titelbild: Baummuseum «Piazza mit französischer Schlossmauer; alle Fotos: rv

Hier mehr Informationen zum Enea Baummuseum in Rapperswil-Jona/SG
Broschüre «Natur, Kunst und Landschaftsarchitektur im Raum der Zeit», CHF 12.00

 

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1 Kommentar

  1. Für mich gibts fast nichts eindrucksvolleres als alte Bäume und es ist toll, dass es dieses Projekt in der Schweiz gibt, diese wertvollen Zeitgenossen vor der Vernichtung zu retten und Ihnen ein weiteres Leben zu schenken. Danke für den Beitrag.

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