Als die Schneeberge und damit die Schweiz im 19. Jahrhundert in Mode kamen, besuchten auch gekrönte Häupter unser Land. Eine Ausstellung im Landesmuseum zeigt wie Royals die Schweiz als Rückzugsort, Bühne oder Verhandlungsplatz nutzten – und wie die Bevölkerung mit Staunen, Jubel oder auch Kritik reagierte.
Kaiserin Sisi, oder Sissi,wie sie im nach wie vor beliebten Dreiteiler-Film mit Romy Schneider in der Titelrolle heisst, hat die Schweiz oft besucht. Die österreichische Kaiserin Elisabeth war immer auf der Suche nach Ruhe, Natur und Distanz zum Hof. Als «Superpromi» ihrer Zeit reiste sie häufig inkognito, was ihr nicht immer gelang. So endete ihr letzter Aufenthalt tragisch: Am 10. September 1898 wird sie in Genf vom italienischen Anarchisten Luigi Lucheni ermordet.
Die Aufnahme zeigt Kaiserin Elisabeth (links) am Tag vor ihrer Ermordung in Territet bei Montreux. Begleitet wird sie von ihrer Hofdame Gräfin Sztáray. © Bibliothèque de Genève
Die Schweiz war erschüttert – Kirchenglocken läuteten, Tausende säumten den Trauerzug quer durchs Land. Fünf Bundesräte begleiteten ihn sogar. Neben anderen Objekten ist in der Ausstellung die Feile zu sehen, mit der Sisi erstochen worden ist. Der Kanton Genf schenkte sie 1965 der Wiener Universität – 60 Jahre später kommt das Objekt erstmals wieder in die Schweiz zurück.
Mit dieser Feile ersticht Luigi Lucheni am 10. September 1898 Kaiserin Elisabeth in Genf – für ein Messer fehlt ihm das Geld. © Josephinum – Medizinhistorisches Museum Wien, MedUni Wien
Knapp vier Jahrzehnte später machte der schreckliche Tod einer Königin erneut Schlagzeilen. Bei Küssnacht am Rigi kam die belgische Königin Astrid ums Leben. Sie wurde tödlich verletzt, als ihr Ehemann, König Leopold die Herrschaft über das Auto verlor, so dass es einen Hang hinabstürzte und vollständig demoliert wurde.
Die Welt war schockiert über das tragische Ende der beliebten Königin Astrid von Belgien. «Auch die Schweiz nimmt innigen Anteil», schrieb die Schweizer Illustrierte am 4. September 1935. © Heimatmuseum Küssnacht am Rigi
Bundesbern verlangte «sofort einen ausführlichen polizeilichen Rapport» zum Hergang des Unfalls. Der tieferschütterte König hat an der Unfallstelle eine Kapelle errichtet, bis heute ein Wallfahrtsort für belgische, aber auch Schweizer Touristen.
In Lausanne werden Königin Elisabeth II. und Prinz Philip vor dem Palais de Beaulieu durch den Präsidenten der britischen Gemeinschaft empfangen – wie immer auf dieser Schweizerreise unter höchsten Sicherheitsmassnahmen und mit begeistertem Publikum.
Auch ohne eigene königliche Tradition hinterliessen gekrönte Häupter einen nachhaltigen Eindruck in der Schweiz. Die Fernsehübertragungen von Krönungen, und royalen Hochzeiten waren hierzulande Blockbuster. Wieviele 80jährige haben am 2. Juni 1953 bei der Krönung der Queen Elisabeth II. nicht zum allererstenmal in eine Fernsehröhre geschaut? Wenn Prinz Charles mit Familie nach Klosters zum Skifahen anreiste, wurde über jeder Sturz auf der Piste in den Boulevardmedien berichtet. Den einzigen Staatsbesuch stattete Queen Elisabeth II. der Schweiz im April 1980 ab. Zusammen mit ihrem Ehemann Prinz Philip besuchte die britische Königin Zürich, Bern, Basel, Lausanne, Montreux, Luzern und das Rütli, wo sie eine Rede hielt.
Queen Elisabeth II. besucht anlässlich des Staatsbesuchs auch die «Grün 80» in Basel am 1. Mai 1980. Sie pflanzt einen Baum im Beisein von 80 000 Interessierten. Derweil skandieren unweit unzufriedene Jugendliche «Mitmarschiere, Queen flambiere!»
Seit dem 19. Jahrhundert bereisten zahlreiche Monarchinnen und Monarchen die Eidgenossenschaft: zur Erholung, auf der Flucht oder diplomatische Besuche. Die Ausstellung im Landesmuseum geht der Frage nach, warum gerade die demokratische Schweiz einen so innigen Bezug zur Monarchie pflegt. Mit überraschenden Anekdoten und illustriert durch Fotografien, Schriftstücken und zum Teil persönlichen Objekten der Royals, lässt die Ausstellung die wechselhafte Beziehung zwischen der Schweiz und den europäischen Monarchien lebendig werden.
Diese Fotografie, 1881 anlässlich der zweiten Inkognito-Reise von Ludwig II. in einem Luzerner Atelier gemacht, bricht alle höfischen Regeln. Dass der Schauspieler Josef Kainz seine Hand auf den Stuhl des sitzenden Königs legt, ist dermassen unangebracht, dass Kainz’ Arm wegretuschiert wird.
Auch König Ludwig II. von Bayern war von der Schweiz fasziniert. Insbesondere vom Rütli, dem symbolischen Geburtsort der Schweizer Demokratie. 1865 und 1881 reiste er unter falschem Namen an den Vierwaldstättersee und träumte davon, auf der Rütliwiese ein Schloss zu errichten. Die Schweiz wurde ihm zur Projektionsfläche seiner politischen und romantischen Sehnsüchte, blieb aber letztlich ein Ort unerfüllter Träume.
Der äthiopische Kaiser Haile Selassie besucht Ende November 1954 Bern, Zürich, Baden und Genf. Das Interesse am hohen Besuch ist immens, die Zeitungen berichten täglich. Unterwegs säumen immer wieder Zehntausende die Strassen und jubeln dem Kaiser zu.
Pragmatischer war der Besuch des äthiopischen Kaisers Haile Selassie 1954. Über 100 000 Menschen empfingen ihn in Bern. Statt der Bergwelt wollte Haile Selassie die moderne, industrielle Schweiz sehen und mit ihr Geschäfte machen. Äthiopien sollte durch einen kräftigen Modernisierungsschub das fortschrittlichste Land Afrikas werden. Auch ein anderes Geschäft schwebte dem Kaiser vor: Er besuchte den Zürcher Waffenfabrikanten Emil Bührle, der ihm trotz bestehender Exportverbote Waffen liefern sollte. Das besondere Stück in der Ausstellung ist ein Löwenhaar vom Hut des äthiopischen Kaisers, gezupft in einem unbeobachteten Moment von einem Schweizer Berufsoffizier als persönliches Andenken.
Dieser Goldring mit Topas gehörte wohl Napoleon Bonaparte. Als Dank für die Aufnahme auf ihrer Flucht schenkt Königin Hortense de Beauharnais die Stieftochter Napoleons dem Kloster Einsiedeln kostbaren Schmuck.
Napoleon Bonaparte war zwar nicht auf Besuch, aber die Schweiz in der heutigen Ausdehnung gibt es nur dank ihm. Als junger Feldherr liess er die Alte Eidgenossenschaft besetzen und als Helvetik politisch neu erstehen. Als der zentralistische Einheitsstaat zusammenbrach, erkannte er, dass eine föderale Ordnung der Schweiz angemessen ist. Mit der Mediationsakte von 1803 befriedete er das Land, machte es zu einem Staatenbund gleichberechtigter Kantone und gliederte es in den französischen Machtbereich ein. Gleichzeitig legte er damit die Grundlage für die moderne Schweiz.
Die Hortensienbrosche soll die Mutter von Hortense de Beauharnais, die Kaiserin Joséphine zu ihrer Krönung getragen haben. Auch sie ein Geschenk ans Kloster Einsiedeln.
Sein Neffe, Napoleon III. ist bei seiner Mutter Königin Hortense de Beauharnais iauf Schloss Arenenberg am Bodensee aufgewachsen. Er sprach Thurgauer Dialekt erhielt Ehrenbürgerrechte und besuchte die Militärschule in Thun. Immerhin war die Schweiz ab und zu ein Fluchtpunkt und Exil für abgedankte und vertriebene Monarchen. Aber das wäre ein anderes Thema.
Titelbild: Bundespräsident Georges-André Chevallaz und die britische Königin Elisabeth II. beim Abschreiten der Ehrengarde am Flughafen Zürich-Kloten am 29. April 1980.
Fotos: © Schweizerisches Nationalmuseum
Bis 9. November
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