2 KommentareKandinsky, Picasso, Miró et al. zurück in Luzern - Seniorweb Schweiz
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Kandinsky, Picasso, Miró et al. zurück in Luzern

Ein Projekt der Superlative!  Angestachelt durch den Kommentar eines Kollegen, hat ein ehrgeiziges Team während fünf Jahren recherchiert, welche Werke 1935 im Kunstmuseum Luzern zu sehen waren. Nun sind Werke von namhaften Künstler wieder zu sehen.

Die Kunstwelt überschlug sich vor Superlativen damals im Jahr 1935, als im Kunstmuseum Luzern zum ersten Mal Werke von Picasso, Kandinsky, Miró und andere große Namen der Moderne gemeinsam zu sehen waren. Kunst, die in benachbarten Nazideutschland als entartet galt und in der Schweiz in Sicherheit gebracht werden konnte. Jetzt, genau 90 Jahre später, zeigt dasselbe Museum die exzellente Ausstellung noch einmal. Zusammengetragen aus der ganzen Welt, aus Museen und privaten Sammlungen.


Paul Cézanne,Fruit, 1879-1882, Öl auf Leinwand

Kandinsky, Picasso, Miró et al. zurück in Luzern zeigt grossartige Kunst. Die gefeierten Werke erzeugen Aufmerksamkeit, um weiterführende Geschichten zu erzählen: Aufsteigende Moderne, Ressentiment gegen die Avantgarde, Faschismus und Kommunismus sind der historische Kontext der legendären Ausstellung These, Antithese, Synthese von 1935.


Hans Arp, Charakterköpfiger Stein, Form: 1936; Gips: zwischen 1936-1957 Fondation Beyeler, Riehen/Basel, Schenkung Stiftung Arp e. V.. Berlin.

Kunstmuseums-Direktorin Fanni Fetzer: «Mit der Rekonstruktion dieser legendären Ausstellung fragen wir: Welche Umstände führten zu dieser exzellenten Schau? Wieso wurde diese Kunst ausgerechnet in Luzern gezeigt? Wer wählte die Künstler aus und weshalb fehlten die Künstlerinnen? Welche Resonanz erzeugte diese Kunst? Und was ist von dem Versprechen der Moderne auf ein besseres Leben für alle geblieben? Die Rekonstruktion von These, Antithese, Synthese ist eine kritische Würdigung der Moderne – aus der Überzeugung heraus, dass die Gegenwart nur aktiv mitgestalten kann, wer die historischen Zusammenhänge versteht.»


Juan Gris, Fruits, 1923 Öl auf Leinwand, Colección López de Letona

Während der Weltwirtschaftskrise, mitten in einem immer totalitärer werdenden Europa, wurden 1935 in Luzern Werke der Moderne gezeigt. Unter dem sperrigen Titel These, Antithese, Synthese versuchten drei Ausstellungsmacher nichts weniger, als die verschiedenen Strömungen der Avantgarde zusammenzuführen – zu einer neuen abstrakten, doch nicht elitären Kunst für alle!


Hans Erni, Komposition B (Komposition 27),1934, Öl auf Leinwand Nachlass Hans Erni, Luzern

Verantwortlich für dieses fantastische Projekt waren der Museumskonservator Paul Hilber, der Kunstkritiker Konrad Farner und der junge Künstler Hans Erni. Das Konzept der Ausstellung erinnert stark an die ideologischen Bestrebungen des frühen 20. Jahrhunderts, einen neuen, besseren Menschen zu schaffen.

Jean Hélion, Composition, 1934, Öl auf Leinwand, Mouradian Collection Dieses Werk ist dank einer Bildpatenschaft der Familie Louis Schnyder von Wartensee in der Ausstellung.

Die neutrale Schweiz, mitten in Europa gelegen, bietet Rechtssicherheit und politische Stabilität. Von den Bergen geschützt und in ausreichender Distanz zur Landesgrenze wird in Luzern der in deutschen Metropolen unter Druck geratene Handel moderner Kunst weiterbetrieben. Das bedeutet, Grössen wie Pablo Picasso, Wassily Kandinsky oder Georges Braque kennen Luzern über ihre Galerien, sie wissen um das Potenzial der Kleinstadt und vertrauen ihren Kontakten vor Ort.


Wassily Kandinsky, Weisser Punkt (Komposition 248), 1923

Das eben erst eröffnete modernistische Kunstmuseum Luzern bot den perfekten Kontext für die Kunst der Avantgarde. Die meisten Werke kamen 1935 direkt aus den Ateliers, heute hängen sie weltweit in den renommiertesten Museen. Manche sind zerstört, andere verschollen.


Fernand Léger, Feuilles et fruits, 1927, Öl auf Leinwand

In Luzern etabliert sich seit den 1920er-Jahren ein internationaler Kunsthandel. Die Schönheit der Landschaft und die grossartige Hotellerie am Seeufer liefern die passende Szenerie für die internationale Klientel. Die Münchner Galerie Thannhauser eröffnet 1919 eine Zweigstelle in Luzern, die ab 1928 unter dem Namen Galerie Rosengart weitergeführt wird und zusammen mit dem Auktionshaus Fischer zu den ersten Adressen des Schweizer Kunsthandels zählt.


Joan Miró, Peinture, 1933, Öl auf Leinwand, Kunstmuseum Bern

Viele weitere Galerien siedeln sich an und in Luzern etabliert sich in den 1920er- und 1930er-Jahren ein Kunsthandel mit internationaler Ausstrahlung: Sammler und  Sammlerinnen, Händler und Händlerinnen aus aller Welt kaufen und verkaufen Kunst in Luzern.


Wolfgang Paalen, Avertissment | (Peinture), 1934, Öl und Tempera auf Leinwand, OL-art, Collection

Die politische Entwicklung in Deutschland steigert die Attraktivität des Standorts Luzern zusätzlich. Die Situation 1935 ist sehr angespannt, viele der in Luzern vertretenen Positionen gelten als diffamiert: Hans Arp, Georges Braque, Giorgio de Chirico, André Derain, Max Ernst, Fernand Léger, Paul Klee, Wassily Kandinsky, Piet Mondrian, Pablo Picasso. Ihre Kunst wird auf der ketzerischen NS-Propagandaausstellung Entartete Kunst, die von 1937 bis 1941 durch Deutschland tourt, öffentlichem Hohn und Spott ausgeliefert.


Pablo Picasso,1925,Mandolin, Fruit Bowl, and Plaster Arm

Viele sind daher gezwungen, in die Schweiz zu emigrieren respektive ihre Objekte in die Schweiz zu bringen und zu veräussern, um ihren Lebensunterhalt oder ihre Flucht zu finan-zieren. Manche lagern ihre Kunst- und Kulturgüter in Schweizer Zollfreilagern oder Kunst-museen ein, um sie so dem Zugriff des nationalsozialistischen Deutschlands zu entziehen. Dies geschieht auch im Kunstmuseum Luzern.


Pablo Picasso, Head: Study for a Monument, 1929,  Öl auf Leinwand

Die Ausstellung von 1935 ist daher im Kontext dieser Krisen und des aufziehenden Zweiten Weltkriegs zu verstehen. Trotz der Bedrohungen, Widrigkeiten und Konflikte sind es gerade diese Umstände, die den Ideen der Avantgarde beträchtlichen Auftrieb geben. Zur momentanen Ausstellung im Kunstmuseum Luzern, die bis 2.November 2025 dauert,  erscheint eine umfassende Publikation, die die kulturelle Bedeutung der Ausstellung vertieft und mit einer Vielzahl an Werkabbildungen illustriert. kuratiert von Fanni Fetzer.
Fotos: Josef Ritler

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2 Kommentare

  1. Es lohnt sich, die Ausstellung mit Führung zu besuchen und nach der Führung noch in der Ausstellung zu verweilen.

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