Gartenarbeit ist gesund. Die frische Luft, der Kontakt mit der Natur wirken belebend auf den ganzen Organismus. Und erst das Ernten: Beeren, Salate, Bohnen und noch viel mehr. Ein grünes Paradies? Wenn da nicht die Störenfriede wären, die das Gartenvergnügen einschränken können. Besonders für Kinder und Haustiere.
Wer naturnah gärtnert, verwendet kein Gift. Vergisst aber vielleicht, dass sich Pflanzen nicht an diese Maxime halten: Sie können ganz schön gefährlich sein. Nehmen wir nur schon die Eibe, die, seit der Buchsbaumzünsler sich ausgebreitet hat, ein willkommener Ersatz für befallenen Buchsbäumchen geworden ist. Mit ihren dunkelgrünen Nadeln und den roten Beeren im Herbst ist der robuste und langsam wachsende Busch oder Baum ein beliebtes Gestaltungselement im Garten. Dass die Beeren, genauer die Kerne im Innern der Früchte, stark toxisch sind, ist allgemein bekannt.
Dekorativ, immergrün, pflegeleicht – und ziemlich giftig. Kinder und Tiere sollten von der Eibe ferngehalten werden.
Dass aber auch Nadeln, Rinde und Holz bereits in minimalen Dosen hochgiftig sind, wird gerne vergessen. Das Taxin, ein sekundärer Pflanzenstoff, schädigt Leber und Nieren und kann tödlich sein. Was heisst: direkten Kontakt mit der Eibe möglichst vermeiden, beim Schneiden Handschuhe und langärmlige Kleidung und Mundschutz tragen. Und junge Hunde, die auf allem herumkauen, nicht in die Nähe einer Eibe lassen.
Was ich nicht weiss …
Ob wohl Nichtwissen vor Vergiftungen schützt? Jahrelang habe ich meine Eibe selbst geschnitten. Einmal im Mai, um sie in Form zu bringen und das zweite Mal im Dezember, wenn ich ihre Zweige samt den roten Beeren als Adventsdeko benutzte. Vielleicht habe ich dabei nur ganz wenig Taxin durch die Haut aufgenommen – und mir unbewusst eine kleine Chemotherapie verpasst. In dieser Medizinalsparte werden Extrakte der Eibe nämlich bis heute eingesetzt.
Bleiben wir im Advent und wenden uns der bezaubernden Christrose zu. Christrosen, auch Nieswurz genannt, können richtige Massenmörder sein. Brunnenvergifter. Schon 600 v.Chr. ist belegt, dass in Griechenland Belagerer von Städten oder Festungen mit den getrockneten und fein gemahlenen Wurzeln der Christrosen die Wasserzufuhr zu den Eingeschlossenen mit dem hochgiftigen Pulver versetzten und so die sich in Krämpfen windenden und unter akuter Atemnot und Schwindel leidenden Menschen kampfunfähig machten.
Heilmittel oder Todesengel?
Hippokrates, der berühmte Arzt aus Griechenland, verwendete Helleborus hingegen auch zur Entgiftung, andere Mediziner behandelten damit Geisteskrankheiten. Es ist wohl wahr, was Hippokrates wusste: Die Dosis macht das Gift. Der griechische Name der Christrose, Helleborus, ist allerdings eine Warnung: «hellein» bedeutet im Griechischen «töten».
Rein und unschuldig blüht die Christrose mitten im Winter. Und kann eine heimtückische Massenmörderin sein.
Wer freut sich nicht, wenn es im Frühling gelb aus den Gärten leuchtet? Die Osterglocken blühen! Und kaum jemandem ist bewusst, dass alle Teile dieser Pflanze, also Kraut, Blüten und Zwiebeln giftig sind. Bei Hautkontakt kann es zu Reizungen und Entzündungen kommen. Die heilen von selbst wieder ab. Die Zwiebeln hingegen, die können massiv Probleme machen, in grossen Mengen genossen, sogar zum Tod führen.
Zwiebel ist nicht gleich Zwiebel
Wer sich jetzt fragt, wer dann auf die Idee kommen könnte, Narzissenzwiebeln zu essen, der soll die Killerdinger mal genauer anschauen: Sie ähneln den Speisezwiebeln, können also leicht verwechselt werden. Vor allem, wenn die beiden Sorten im schlecht beleuchteten Keller aufbewahrt werden. Übrigens: Eine Pflanze, die um diesen schlechten Einfluss des Frühlingsboten weiss, ist die Tulpe. Narzissen und Tulpen in einer Vase vereint, ist keine gute Idee. Die Tulpe wird verwelken, sobald die Narzisse ihre Giftstoffe ins Vasenwasser abgegeben hat.
Maieriesli sind lieblich, verführerisch duftend und dekorativ. Ihre feuerroten Beeren aber sollten jeweils zügig entfernt werden, bevor sie von Kindern gepflückt werden.
Auch das liebliche Maieriesli ist so ein Giftzwerg, der tut, als könnte er kein Wässerchen trüben. Einer allerdings mit einer Auszeichnung: 2014 wurde das hübsche Pflänzchen mit den weissen, süss duftenden Glöckchen zur «Giftpflanze des Jahres» gekürt. Zwar sind alle Pflanzenteile toxisch, am gefährlichsten, vor allem für Kinder, sind aber die leuchtend roten Beeren im Herbst. Dass das Maiglöckchen überdies als Symbol für Glück in der Liebe gilt, lässt doch aufhorchen.
Die Warnung, dass man die Laubblätter der Pflanze ja nicht mit denen des Bärlauchs verwechseln soll, weil es dann mit dem Glück in der Liebe ganz schnell vorbei sein könnte, halte ich für verfehlt. Das Laub des Bärlauchs erscheint im frühen Frühling, die Maieriesliblätter hingegen erst im Mai. Sie kommen sich also kaum in die Quere.
«Totschläger» oder Heilmittel?
Die Aufzählung giftiger Gartenpflanzen könnte noch lange fortgesetzt werden. Von Farn zu Efeu, von Fingerhut bis Eisenhut, vom Goldregen zum Pfaffenhütchen, vom Seidelbast zur Tollkirsche und noch viel weiter. Das würde diesen Beitrag umfangmässig sprengen. Aber eine Besonderheit ist doch noch zu erwähnen: Viele dieser «Totschläger» werden bis heute in Medizinalprodukten verarbeitet. Digitalis zum Beispiel, Fingerhut, in der Herzmedizin. Die Krimiautorin Agatha Christie, selbst mal Apothekerin, hat in ihren Romanen allerdings gleich mehrfach mit Fingerhutextrakt gemordet.
Die Früchte der Tollkirsche glänzen wie die erweiterten Pupillen der Damen, die sich das Pflanzengift in die Augen träufelten. (Alle Bilder pixabay)
Giftpflanzen wurden früher, viel früher, immer mal wieder als heilende Zutat verwendet. Man denke nur an die Tollkirsche, die Zauberpflanze, die bei den Damen des Mittelalters für sinnliche Blicke sorgte, weil das Atropin die Pupillen erweitert, aber auch für Erregungszustände sorgt. Oder die dunkelvioletten bis schwarzen Früchte des Efeus: Bereits in der Antike wurden jeweils einige der doch recht giftigen Beeren dem Wein beigemischt, um weniger schnell berauscht zu werden.
Allgemein wurde früher gerne gepanscht. Wässeriges Bier bekam mit Ginster oder ein bisschen Fliegenpilz etwas mehr Würze und blasser Wein dank Beeren etwas Farbe und mittels «Honig» aus Nektar und Pollen einer ganz bestimmten Rhododendronart auch mehr Tiefgang. Vor Jahren wurde im österreichischen Weinbau derselbe Effekt mit Frostschutzmittel zu erreichen versucht. Diese «Weinoptimierung» wächst allerdings nicht im Garten.


Für die eine gefährdete Blumenrabatte kann eine Giftpflanze auch die Rettung sein: Vor Jahren pflanzte ich aus dem Garten meiner Eltern ein paar rote Tulpen in der Rabatte bei der Mauer. Sie vermehrten sich und nach einiger Zeit wuchs dort ein rotes Tulpenmeer – bis wiederum plötzlich in wenigen Saisons nichts mehr davon zu sehen war. Erst da stellte ich fest, dass die Wühlmäuse meinen Untergarten fest in Besitz genommen hatten. Die Bekämpfung der Nager war aufwendig und gelang nur teilweise, aber die Bepflanzung mit Osterglocken und Narzissen war nachhaltig: Wühlmäuse meiden die giftigen Knollen. Die letzten roten Tulpen rettete ich in den oberen Garten, wo sie sich wiederum vermehren.
Eiben
Dass die Beeren, genauer die Kerne im Innern der Früchte, stark toxisch sind, ist allgemein bekannt. Stimmt, aber als Ergänzung: Das Fleisch der roten Schnuderbeeri war in meiner Kindheit eine Delikatesse. Beeren in den Mund, Fleisch ablutschen und die Kerne ausspucken.