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Feiern, was uns verbindet, und Stärke zeigen

«Einklang und Vielfalt» – so lautete das Motto der diesjährigen 1. August-Feier auf dem Rütli. Dass der Zusammenhalt angesichts des Zoll-Schocks aus den USA wichtiger ist denn je, betonte Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter in ihrer Festrede.

Unser Land feiert in diesem Jahr den 177. Geburtstag der Bundesverfassung. Doch die Schweiz steht an diesem 1. August unter Schock. Exporte in die Vereinigten Staaten sollen künftig mit einem Zollsatz von 39 Prozent belegt werden. Dies kündigte Donald Trump in der Nacht zum Freitag an. Mit diesem Zollsatz stünde die exportstarke Schweiz unter allen Wirtschaftsnationen am schlechtesten da.

Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter wirbt in ihrer Festrede für gegenseitiges Verständnis und Zusammenhalt.

Die Hiobsbotschaft sorgte allenthalben für Gesprächsstoff an der 1. August-Feier auf dem Rütli mit Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter als Festrednerin. Die Magistratin jedoch ermunterte die rund 800köpfige Gästeschar, sich den Feiertag nach diesem epochalen Zollentscheid nicht verderben zu lassen. In ihrer Rede griff sie die Idee des Zusammenhalts auf. Sie erinnerte daran, dass die Schweizer Geschichte immer auch vom Bemühen um gegenseitiges Verständnis geprägt gewesen sei, trotz der vielen unterschiedlichen Sprachen und Idiome. «Dieses gegenseitige Verständnis gehört zu dem, was uns verbindet und das wir heute in der ganzen Schweiz feiern.» Die Bundespräsidentin betonte zudem die verbindenden Werte der Schweiz – Solidarität, Subsidiarität und Eigenverantwortung – als Grundlage für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Diese Prinzipien seien heute wichtiger denn je.

Hoch in die Lüfte: Fahnenschwinger demonstrieren freundeidgenössisches Brauchtum. 

Angesichts zunehmender Verunsicherung und Zukunftsängste rief die Bundespräsidentin die Schweizerinnen und Schweizer dazu auf, ihren Handlungsspielraum zu nutzen: «Wir können unsere funktionierenden demokratischen und rechtsstaatlichen Institutionen pflegen und bewahren. Wir können dem Trend zur Polarisierung widerstehen und weiterhin konsensorientierte und mehrheitsfähige Lösungen finden.»

Aus Vielfalt Stärke zeigen

Dass die Schweiz ein sprachlich und kulturell vielfältiges Land sei und dass gerade in schwierigen Zeiten wie gegenwärtig aus dieser Vielfalt Stärke entstehen könne, betonte der neue Präsident der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft SGG, Anders Stockholm, in seiner Eröffnungsansprache. «Die Verschiedenheiten werden nicht als Trennendes verstanden, sondern sie werden zusammengebracht, weil daraus mehr entsteht: Stärke, Unabhängigkeit, Freiheit, Geschwisterlichkeit – gerade heute auch als Zeichen gegen die Willkür.»

Früh übt sich, wer ein guter Patriot werden will. 

Gutgelaunte Besucherinnen und Besucher mit reichhaltigem Mittagstisch.

Die Vielfalt der Schweiz wurde just am Reichtum der Sprachen und Dialekte illustriert. Die 1. August-Feier auf dem Rütli stand unter dem Motto «Einklang und Vielfalt» und bot die willkommene Gelegenheit, verschiedene Dialekte und Sprachformen aus der ganzen Schweiz zu erleben. Mitglieder des Vereins Mundartforum präsentierten auf der Bühne entsprechende Müsterchen aus mehreren Landesteilen, voll gespickt mit Dialektwörtern. Untermauert wurde der Auftritt mit einer Plakatausstellung rund um das Festgelände über die Dialekt- und Sprachenvielfalt der Schweiz.

Dialektwörter entschlüsseln

Die Besucherinnen und Besucher der Feier wurden mittels eines Fragebogens mit Dialektwörtern aufgefordert, deren Bedeutung an den Plakatwänden zu finden. Hier ein paar Beispiele von Dialektwörtern, die es zu entschlüsseln galt: Zwischrla, Schuuderihuu, monzig, rötschelig. Und vielstimmig ging es her, als der Chorleiter Michael Schläpfer zum Schluss der Veranstaltung die Besucherschar zum gemeinsamen Singen aufforderte. Umrahmt wurde die Feier mit musikalischen Darbietungen von Nicolas Senn und Elias Bernet (Hackbrett meets Boogie-Woogie), ein Hörgenuss der besonderen Art. Und natürlich gehörte das freundeidgenössische Fahnenschwingen dazu, dargeboten vom Fähndlerclub Wäggis.

Hörgenuss vom Feinsten: Elias Bernet am Keyboard und Nicolas Senn am Hackbrett. 

Kurzum, es war trotz des Zoll-Schocks eine würdige und stimmige 1. August-Feier auf dem Rütli. Nunmehr bleibt die Hoffnung, der bundesrätliche Appell zum Zusammenhalt möge angesichts der gegenwärtigen Spannungen und Ungewissheiten seine Wirkung nicht verfehlen.

Blick auf das Festgelände mit der Bühne (hinten rechts).

Titelbild: Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter und SGG-Präsident Anders Stockholm (beide Bildmitte) beim Aufstieg zum Festplatz.

Fotos: Josef Ritler

 

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