Karl V. war einer der bedeutendsten europäischen Herrscher am Beginn der Neuzeit. Mit Besitzungen in Europa und in Amerika verfügte er über großen Reichtum. Müde und krank zog er sich mit 58 in ein Kloster zurück und verzichtete auf alle Macht, nachdem er die Nachfolge geregelt hatte.
Karl V. hatte keine feste Residenz im klassischen Sinne – er war Kosmopolit und verbrachte einen Großteil seines Lebens auf Reisen und Kriegszügen durch sein riesiges Reich. Karl V. war Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Ziemlich beeindruckend, oder?
König von Spanien Karl V. (1500 -1558); Portrait von Juan Pantoja de la Cruz, aus einer der Bibliotheken im El Escorial
Er war der Herrscher, der mit dem Ausspruch in Verbindung gebracht wurde: »In meinem Reich geht die Sonne nie unter.» Ein Irrtum, für die Aussage war Christoph Columbus Referenzperson, der ja vermutet hatte, um die Welt gesegelt und in Indien gelandet zu sein. So nannte er die neu entdeckten Menschen in Südamerika Indianer. Die Entfernung zu Europa beträgt aber nur die halbe Welt. Item, die Zuschreibung symbolisiert weltumspannende Macht .
Residenzen, die für ihn besonders bedeutend waren – hier die Kathedrale von Toledo.
Kaiser Karl V. erbte gewaltige Gebiete und kam durch die Entdeckungen auf den amerikanischen Kontinenten zu finanziellen Mitteln in riesigem Ausmaß. Er unternahm zahlreiche strapaziöse Reisen in die von ihm beherrschten europäischen Gebiete. Geboren wurde er in Gent, in den Spanischen Niederlanden. Mit 17 Jahren kam Karl nach Spanien an den Hof von Madrid, um dort sein Erbe als König anzutreten.
Grosses Wappen Karls V. ab 1530
Nach dem Tod seines Großvaters Maximilian I. wurde Karl zum römisch-deutschen Kaiser gewählt. Mit kräftiger finanzieller Unterstützung durch die Fugger, schwerreiche Augsburger Kaufleute, konnte er bei dieser Wahl den Schmiergeldzahlungen seines größten Konkurrenten Franz I., König von Frankreich, ausreichende Mittel entgegensetzen.
Karls Bruder Ferdinand erhielt die österreichischen Gebiete und wurde sein Statthalter im Heiligen Römischen Reich. Damit schufen die Brüder die Grundlage für die Teilung der Habsburger in die österreichische und die spanische Linie.
Krönungssitz für mehr als 30 römisch-deutsche Könige. Bei der Besichtigung des Kaiserthrones im Dom zu Aachen fällt der schlichte Thron auf. Karl V. wurde 1520 zum König des Heiligen Römischen Reiches gekrönt
Karl war, wie die meisten seiner Familienmitglieder, sehr religiös. Er träumte von einer vereinten Christenheit, geeint gegen seine äusseren und inneren Feinde. Doch die Entwicklungen der Zeit liefen in eine andere Richtung: Die Reformation breitete sich aus. Humanismus und Aufklärung brachen Jahrhunderte alte Vorstellungen.
Zweiter Innenhof des Klosters von Yuste, wo Karl V. seine letzten Jahre verbrachte
Bereits in seinen Jugendjahren zeigten sich bei Karl wesentliche Charaktereigenschaften, die sein Leben prägen sollten: Mit hoheitlicher Würde auftretend, umgab ihn eine Aura der Einsamkeit – er wurde im Laufe seines Lebens immer unnahbarer.
Karl V. verfolgte die Idee einer Universalmonarchie, in der der Kaiser über allen Königen stand. Er sah sich als Beschützer des Christentums und des Abendlandes, besonders gegen die Bedrohung durch das Osmanische Reich. Seine Regentschaft war gezeichnet durch zahlreiche Kriege gegen Frankreich und die Osmanen. Finanzieren konnte Karl diese Kriege durch die Gold- und Silberlieferungen aus den Eroberungen in Amerika.
Bernard van Orley: Der junge Karls V. um 1520. Er sprach Flämisch, Französisch, Spanisch, Latein und etwas Deutsch – eine pure Notwendigkeit bei seinem weit verzweigten Herrschaftsgebiet. Bild: Wikicommons
Früh gealtert, von Gicht geplagt und zutiefst von der Welt enttäuscht, legte Karl V. im Jahre 1556 in Brüssel die Kaiserkrone nieder. Er verzichtete freiwillig auf seine weltliche Macht und ging ins Kloster von Yuste in der Abgeschiedenheit der Extremadura, um sich auf den Tod vorzubereiten. Dort starb er nach zwei Jahren 1558.
Angebaut ans Kloster der Hieronymiten die Altersresidenz mit den Gemächern des Kaisers.
«Große Hoffnungen hatte ich – nur wenige haben sich erfüllt, und nur wenige bleiben mir: und um den Preis welcher Mühen! Das hat mich schließlich müde und krank gemacht.» Dieses Eingeständnis in der Abdankungserklärung vermag den Zugang zum Menschen Karl zu öffnen. Als Regent über ein Riesenreich unternahm er nicht weniger als vierzig Reisen. Das Imperium wurde grösser und unüberschaubar, war nicht mehr zu regieren.
Arbeitszimmer im Kloster Yuste
Ein Gang durch Karls Altersresidenz sagt einiges über den Menschen aus. Da stehen in muffigen, mit Gemälden bedeckten Wänden nur wenige Requisiten herum, die den Besucher aber seltsam berühren, weil sie plötzlich spürbar machen, wie nahe das Erhabene beim Schlichten liegen kann.
In diesem «Sarg», hergestellt für den schwer gichtkranken Kaiser, lässt sich Karl V. zu Lebzeiten kreuz und quer durch Europa tragen, Tag und Nacht (Nachbau).
Karls Sänfte ist ein Transportmittel der besonderen Art, dem alles Luftige, Elegante und Herrschaftliche abgeht. Es wirkt für uns wie ein Kinderwagen für einen Erwachsenen, mit einem Verdeck, aber ohne Räder. Der braune, lederbezogene Kasten hat vier Traggriffe, und das gewölbte Schutzdach lässt sich nach vorne zuklappen. Alle zwei Stunden werden die Sänftenträger ausgewechselt, dem Kaiser wird Essen und Trinken gereicht, nur bei dringenden Bedürfnissen ist er ausgestiegen.
Verstellbarer Lehnstuhl (Nachbau)
Der mächtigste Kaiser der europäischen Geschichte war wohl kein angenehmer und einsichtiger Patient. Man zimmerte dem Gichtkranken einen Lehnstuhl mit flexiblen Beinstützen. Eine Tür vom Schlafzimmer führte direkt zum Altarraum, sodass er die Messe vom Bett aus verfolgen konnte. Er soll auch gemalt und meditiert haben – ein Versuch, den inneren Frieden nach Jahrzehnten der Macht und Verantwortung zu finden. Das hat ihn zu einem Vorbild für einen würdigen Rückzug aus dem politischen Leben gemacht.
Erster Sarg von Karl V. in den Mauern der Basilika, bevor er auf Geheiss seines Sohnes, Philipp II., standesgemäss in das Pantheon des Escorial umgebettet wurde.
Die Wahl des schlichten Sargs zeigt seine Rückkehr zur Einfachheit und seine Abkehr von weltlicher Macht. Das war nicht nur Ausdruck persönlicher Frömmigkeit, sondern auch ein starkes Symbol für die damalige Vorstellung von Herrschaft als gottgegebenem Dienst.
Titelbild: Real Monasterio de Nuestra Senñora de Guadalupe
Bilder: Justin Koller
Mehr erfahren zu Karl V.:
Das Weltreich von Karl V. einfach und kurz erklärt.
Zum Reich wo die Sonne nie unterging.
Zum Abschied des Kaisers von der weltlichen Herrschaft
Lesetipp: Arno Geiger, Reise nach Laredo, Carl Hanser Verlag, 2024. ISBN 978-3-446-28118-9
Teil 2 zum Leben von Karls V. Sohn Philipp II. folgt mit dem Titel El Escorial – Palast aus Granit



Es war sehr interessant, für die Nachwelt dargestellt. Bitte weiter so gestalten und die Lust auf ihre Artikel bleibt bestehen
HANS-JÜRGEN BÜCHNER