2 KommentareEine Assoziation und eine Vision - Seniorweb Schweiz
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Eine Assoziation und eine Vision

Der Himmel ist tiefblau. Nur zwei Wolken treibt der Wind gegen Westen voran. Du liegst im Liegestuhl im Garten. Die Augen haften an einer grossen Wolke, die sich einer kleineren nähert. Du schaust und beobachtest wie sie weiterziehen. Wird die grosse bald die kleinere verschlucken? Du wartest gespannt auf das, was geschieht. Die grosse wird vom leichten Wind schneller vorangetrieben. Sie ist viel kompakter und hat einen grossen und schweren Bauch. Es dauert nicht mehr lange und siehe da, sie schluckt die kleine Wolke auf. Plötzlich eine Assoziation und du siehst in der grossen Wolke Russland, wie es die kleinere Ukraine verschluckt.

Was geschieht mit der vergrösserten Wolke am wolkenlosen Himmel? Sie bläht sich auf und verliert an innerer Geschlossenheit. Der Wind treibt sie weiter und verändert sie. Sie zerfasert sich an den Rändern, bleibt nicht kompakt, verliert an Konsistenz. Die Wolke wird zu einem Sinnbild und erinnert an die Geschichte.

Wolken sind nicht selbstständig. Sie sind dem Wind ausgesetzt. Das grosse römische Reich übernahm sich. Es verschluckte immer mehr Länder: Germanien, Gallien. Die Heere Roms überquerten sogar den Ärmelkanal und rund um das Mittelmeer wurden Länder erobert, aufgefressen, geknechtet und ausgebeutet. Um diese zu beherrschen, benötigte das Reich immer Soldaten und setzte sie dem Wind an den Grenzen aus, sodass die innere Kraft nicht gross genug blieb, gegen sie zu bestehen. Ähnlich erging es der Sowjetunion, die dem Wind der Geschichte nicht trotzen konnte.

Wird Russland, träumst du, die Ukraine unterwerfen, bleibt der Wind eine beständig treibende Kraft. Er weht im Moment für Putin. Die russische Armee dringt zurzeit langsam weiter vor, aber das Land bezahlt einen hohen Preis. Wer weiss, was sich im Inneren anbahnen würde, wenn Russland die Ukraine erobert. Russen begegnen den Ukrainern und sie sehen, dass sie keine Nazis sind, sondern Menschen, die im Maidan eine Freiheit erreicht hatten, welche sie auch gerne hätten. Der Wind würde drehen. Der Schrecken des Erkennens, dass sie belogen wurden, könnte einen Sturm auslösen.

Die Fragen der Russen würden sehr unangenehm werden: Warum mussten so viele Menschen ihr Leben opfern, obwohl die Ukrainer keine Nazis sind? Wie kommt es, dass so viele Menschen der Wahnidee von der Grösse Russlands geopfert wurden? Wie lassen wir es zu, dass der gewalttätige Wächterstaat uns auf den Mund schaut und wir dauernd mit der Hand vor dem Mund sprechen müssen?

Die unterworfene Ukraine könnte die Hefe im Teig des grossen Landes werden. Irgendwann würde die Macht bröckeln. Ein neuer Maidan entstünde, der die alte Herrschaft wegfegte und zu einer Revolution und zur gegenseitigen Toleranz, zu Freiheit und Brüderlichkeit führen könnte.

Was du auf dem Liegestuhl als Wolkenspiel siehst, wird zu deiner Vision; Visionen sind Luftgebilde, aber sie können zu einem Wind für den Wandel werden. Diktatoren haben Angst. In Putins Magen wird die Angst weiterherrschen, denn in ihm liegt der nicht verdaubare Bachar al-Assad und ihn plagt der Gedanke, dass der Geist Nawalnys noch lebt. Zieht der Kreml irgendwann die Schraube der Gewalt noch mehr an, wird Putin wohl eines Tages nach Nordkorea flüchten müssen.

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2 Kommentare

  1. Was er, so meine Intension, nie tun würde. Putin, ein strammer Polizist und ausgebildeter KGB-Mann von Jugend an, kennt nur oben und unten. In seinem Weltbild kommt ein demokratischer und friedlicher Umgang zwischen Volk und Herrscher nicht vor.

    Putin ist das Produkt seines Volkes, das, abgesehen von kurzen Episoden demokratischer, heisst westlicher Sichtweise, einem Kommunismus huldigt, der in Wirklichkeit eine starre Einmann-Diktatur ist. Wer nicht für Putin ist, ist ein Feind, der bekämpft werden muss, mit allen unmenschlichen Mitteln, die so grausam sind, dass wir sie uns kaum vorstellen können.
    Ich bin der Überzeugung, dass Putin eher einen dritten Weltkrieg, inklusive Atomwaffen, provozieren wird, als seine total verwirrte Geisteshaltung aufzugeben. In meinen Augen ist Putin ein weiterer Hitler, der weder Erbarmen mit den Menschen hat, noch die Intelligenz und den Willen besitzt, seine Taten einzuschätzen. Wenn ich Putin einen Rat geben könnte, würde ich ihm dringend eine längere Psychotherapie empfehlen.

  2. Leider gibt es Menschen, die nicht einmal mehr therapierbar sind, um hier bei uns als «menschliches» Wesen weiter zu leben.

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