Carin Studer zeigt ihre neusten Werke in der Galerie Stans. Die Engelbergerin steht mit den Bergen auf «Du und Du». Ihr Naturerleben fliesst auf vielfältige Weise in die lichten Malereien, die spontanen Aquarelle und in die farblich zurückhaltenden Steindrucke ein.
Die Künstlerin schildert ihre Empfindungen auf dem Weg zu ihren Bildern: «Beim Erleben, Durchschreiten von Berglandschaften kann ich versinken, eintauchen, es berührt mich und geht unter die Haut. Es ist alles da! Irgendetwas kommt ins Schwingen und es ist Resonanz möglich.»

Carin Studer vor einem ihrer Bilder
Sicher hat sich diese intime Nähe zur Bergwelt in den Jahren an der Stiftsschule Engelberg entwickelt. Carin Studer war zuerst Schülerin, später während zwanzig Jahren Lehrerin für Bildnerisches Gestalten am Gymnasium der Stiftsschule. Ihre Bilder sind ein Versuch, die Welt aus den Angeln zu heben, uns in einen Zustand zu versetzen, in dem unsere festgefügte Welt schwankt, abhebt, fliegt, sich auflöst und wieder neu Gestalt annimmt. Die Werke sind im Lauf des letzten Jahres entstanden.
«Passage I», 2025,Malerei auf Leinwand, Pigmente, Acrylbinder
Es sind neben Malerei und Lithografie erstmals auch Mischformen davon. Eine weitere Premiere ist die Kombination von Zeichnungen mit Objekten. Eigens für die Räume der Galerie entstand eine sieben Meter lange Bildrolle. Zur Ausstellung erscheint ein exklusiver Katalog mit Texten von Eugen Bollin und Andreas Vonmoos und einem Gespräch von Bettina Staub mit der Künstlerin.
«Passage II», 2025,Malerei auf Leinwand, Pigmente, Acrylbinder
Eugen Bollin, Künstler und Pater im Kloster Engelberg, war ihr Zeichenlehrer und Mentor und langjähriger Berufskollege. Er würdigt die Künstlerin Carin Studer wie folgt: «Ihre Farbpalette umfasst zwar Schwarztöne in allen Schattierungen, doch das versöhnliche, nie stechende Blau und das warme Ocker strahlen Ruhe und eine friedvolle Stimmung aus. Ihre Arbeiten erzählen nicht vom Gebirge, sondern sammeln Bildfragmente, abstrahieren sie und bringen sie in eine poetische Sprache.» Eugen Bollins Aussage stammt aus der aktuellen Publikation, die zur Ausstellung erscheint.

«Flügelschläge», 2024, Tusche, Aquarell, Lithografie, aufgezogen auf Dibond
Die Ausstellung in der Galerie Stans trägt den Titel «beflügelt». «Carin Studers Bilder sind ein Versuch, die Welt aus den Angeln zu heben, uns in einen Zustand zu versetzen, in dem unsere festgefügte Welt schwankt, abhebt, fliegt, sich auflöst und wieder neu Gestalt annimmt», formulierte der Kunstvermittler Urs Sibler seine Sicht auf Carin Studers vielschichtige Bildräume. Die Künstlerin selbst äussert sich wie folgt: «Es geht um die Suche nach ‘meinen’ Bildern, es geht um das Malerische, das Farbempfinden, um Schichten, das Sinnliche.»

«Furka-Rauschen», 2024, Aquarell, aufgezogen auf Dibond
Andreas Vonmoos, Weggefährte der Künstlerin, fasst in seinem Katalogbeitrag zusammen: «Selbst bei der hundertsten Betrachtung entdecke ich oft noch Überraschendes. Vielleicht ist der zeitlose Zug ihres Werks dem ambivalenten Wunsch geschuldet, das Bewegte möge letztlich zur Ruhe kommen, das Unabänderliche oder Immerwährende sich aber verwandeln. Sinnbildlich dafür steht die Beflügelung, die selbst Fels und Gletscher abheben lässt.»

«Flügel», 2025, 61-teilige Installation aus Lithostein-Fragmenten
Auftakt der Ausstellung bildet eine Installation aus Solnhofer Lithosteinbruchstücken im Garten der Galerie. Die ausgemusterten Steine, von der Künstlerin zertrümmert, behandelt und gestempelt, sind entsprechend dem Motto der Schau, «beflügelt», zu einem Flügel formiert. Die neue Werkschau der Malerin und Lithografin Carin Studer befasst sich mit Metamorphosen, Verdichtungen und Brüchen, wie sie Berg- und Gletscherlandschaften eigen sind. Im Eingang der Galerie hängen drei Varianten der Edition 11 übereinander, die leitmotivisch den Bilderreigen begleiten: Sie versinnbildlichen die Ambivalenz zwischen der Himmelsweite und der Erdenschwere – ablesbar etwa an den Kratzspuren auf dem Druckmedium, dem Lithostein.

«Furka-Rauschen», 2024, Aquarell, aufgezogen auf Dibond passt beim ersten Mal.
Im Hauptraum werden wir von der Formen- und Farbenvielfalt der Grossmalereien mit dem Titel «Passagen» in Beschlag genommen, einem augenzwinkernden Vexierspiel mit Raum, Assoziationen und Abstraktion. In die Bildtiefe sinken und Ausschnitte zu Figürlichem «konstruieren» – beides geht hier Hand in Hand. Lichte kleine Malereien und eine durch die Deckenluke herabreichende, bedruckte Papierbahn mit reduzierten Motiven setzen einen Kontrapunkt zu den beiden dominanten Leinwänden.
«Aufgetaucht», 2023/24, Lithografie auf Rives-Papir, Unikat.
Der sich anschliessende helle Raum links bietet mit einer dichten Auswahl von Lithografien unter dem Titel «aufgetaucht» Einblick in den Werkprozess und die Motiventwicklung, wie sie in einer Druckwerkstatt vonstattengehen. Der Entstehungsprozess wird hier visualisiert: Die Künstlerin hat mit alten Fotos gearbeitet, sie vollumfänglich oder in Fragmenten auf den Stein gebracht, weiter reduziert, gekratzt usw.
«Sog», 2025,Malerei auf Malkarton, Pigmente, Acrylbinder
Im Kabinett II trifft man auf orange Malereien mit feiner gestischer Zeichnung. Paare von Objekten aus Solnhofer Kalkstein und zugehöriger Konturzeichnung sind im Wandschrank und auf einer Sockelplatte zu entdecken. Eine Wandinstallation aus Werkmaterial aus dem Atelier wie Klebekarton, Abdeckpapier und Acrylfarbe verleiht dem Raum eine spielerische Note. Die Ausstellung dauert bis 28. September 2025.
Titelbild: «Orangerie», 2025, Malerei auf Holzplatte
Fotos: Josef Ritler
