Das allseits beliebte Musical CATS kehrt ins Zürcher Theater 11 zurück. Die Produktion, die noch bis am 21. September zu sehen ist, orientiert sich am englischsprachigen Original. Dieses wurde 1981 im Londoner West End uraufgeführt und hat seither über 73 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer begeistert.
Es schwingt Nostalgie mit, wenn man diesen Musical-Hit vor 40 Jahren erlebt hat. Das Bühnenbild ist noch wie damals: der dominante Vollmond beleuchtet den Londoner Schrottplatz mit silbrigem Licht. Hier treffen sich die anmutigen und charakterstarken «Jellicle-Cats» – eine kindersprachliche Ableitung von «dear little cats». Wir würden wohl Miezekatzen sagen. Sie alle wetteifern um die Gunst ihres weisen Anführers, Kater Old Deuteronomv. Dieser wird die eine Katze erwählen, die das Wunder der Wiedergeburt erleben darf.
Der Schrottplatz wird zum Katzen-Ballsaal
Die Lichter im Zuschauerraum gehen aus, man sitzt im Dunkeln. Erst sind da nur leuchtende Augen. Hier ist ein Schnurren zu hören, da ein leises Fauchen. Und dann schlüpfen sie aus ihren Löchern, eine nach der anderen, und verwandeln den Londoner Schrottplatz in ihren Ballsaal. So anmutig katzenhaft sie sich bewegen, in ihnen spiegeln sich auch menschliche Stärken und Schwächen: hier der durchtriebene Macavity, da der glitzernde, atemberaubend virtuose Zauberkater Mistoffeless, und ganz in schneeweiss die unschuldige Victoria.

Das Live-Orchester spielt mit fantastischem Drive, die Choreografien von Gillian Lynne sind atemberaubend. Die Cats bewegen sich mit samtpfotiger Grazie, und das Tempo ihrer Ensembles ist aberwitzig. Die Präzision, mit der diese Cats herumwirbeln und steppen, ist grosse Klasse. Wie man dabei auch noch singen kann, ohne aus der Puste zu kommen, ist ein Rätsel.
Nach und nach stellen sich die Samtpfoten vor: mit akrobatischen Einlagen, beeindruckenden Zaubertricks und schwingenden Hüften. Old Deuteronomy lässt sich davon gerne unterhalten und nimmt die Darbietungen wohlwollend zur Kenntnis. Da taucht die aus der Katzengesellschaft ausgestossene alternde Diva Grizabella auf, traut sich nach vorne – und plötzlich wird es mucksmäuschenstill. In ihrem Lied «Memory» singt sie von glücklicheren Tagen – der ergreifende Song wurde zu einem der grössten Hits der Musicalgeschichte. Und natürlich ist sie es, die auf wundersame Weise in den Himmel entschwebt und wiedergeboren wird.
Zwei geniale Katzennarren
Andrew Lloyd Webber hat dieses Meisterwerk komponiert, ein Genre-Mix mit einzigartigen Melodien. Die meisten davon sind zu vielgespielten Evergreens geworden. Die Geschichte selbst stammt vom Literatur-Nobelpreisträger T. S. Eliot, der ein vernarrter Katzenliebhaber war. Seine Gedichtsammlung «Old Possum’s Book of Practical Cats» gab den Anstoss zum Musical, der Dramaturg und Regisseur Trevor Nunn hat die Gedichte für die Bühne eingerichtet.

Die Neuproduktion, die nun im Theater 11 gespielt wird, stammt aus dem Jahr 2015. Sie ist sehr authentisch und wurde als «Bestes Musical Revival» nominiert. Chrissie Cartwright zeichnet in dieser Produktion für die Regie und die Choreografie verantwortlich. Cartwright war die Assistentin der legendären Originalchoreografin Gillian Lynne und ist seit über 30 Jahren für die weltweite Einstudierung von CATS verantwortlich.
Sieben Tony Awards und drei Drama Desk Awards hat dieses Revival gewonnen. In der «Times» war zu lesen: «Immer noch das Nonplusultra!» Es ist und bleibt das geniale Original, welches bis heute die Herzen berührt und einem mit seinen spektakulären Choreografien den Atem raubt.
Alle Bilder Theater 11/Alessandro Pinna.
Weitere Vorstellungen bis am 21. September: Di/Do/Fr um 19.30 h; Mi um 18.30 h; Sa um 14.30 und 19.30 h; So um 13.30 und 18.30 h. In englischer Originalsprache.
