«Wechselbäder» ist ein umfassendes Nachschlagewerk zur «Chronik der Grossen und Kleinen Bäder zu Baden in der Schweiz», herausgegeben von Ruedi Fischli. Kein Buch zum Lesen von A – Z, sondern zum Blättern. Dabei bleibt man an den Kapiteln schnell hängen und erhält spannende Einblicke in die Geschichte und die Badekultur Badens.
Wechselbäder ist eine Hommage und ein Geschenk an die Bäderstadt im Aargau. Der Fotograf und Gestalter Ruedi Fischli ist eng verbunden mit dem Herzstück von Baden, den Bädern. Er schafft mit seinem Werk in zwei Bänden – zwei weitere sind in Vorbereitung – «ein Handbuch, in dem sich Kultur, politische Aspekte und sozialhistorische Betrachtung verweben, und dies in einer Sprache gehalten, die zum Lesen Freude macht», schreibt Roger Kaysel im Vorwort des soeben erschienenen Bandes.
Ruedi Fischli kann man im besten Sinn des Wortes als Amateurhistoriker bezeichnen. Er hat unendlich viele Dokumente und Fotografien zur Geschichte der Bäder von den Anfängen bis heute gesammelt und studiert. Dabei ist ihm mit Wechselbäder ein Nachschlagewerk gelungen, in dem man gerne blättert und dabei schnell in die Texte hineingezogen wird. Spannende Kapitel, nicht nur für die Badener, sondern auch für Auswärtige.
Das erste Kapitel Amuse-Bouche für Badenfahrende umfasst einen alphabetisch geordneten Katalog von «Aderlass» bis «Zürich». Dabei erfahren wir, dass die Zürcher seit jeher zu den treuesten Kunden in den Bädern gehörten. Bereits Zürichs Bürgermeister Hans Waldmann (1435-1489) war regelmässiger Gast, auch Gottfried Keller. Selbst Pfarrherren und Ordensschwestern genossen das freizügige Leben im warmen Thermalwasser. Im 18. Jahrhundert gehörte es zum guten Ton der Zürcher Herrschaft, sich für längere Zeit in Baden zu erholen und zu amüsieren. Die berühmten «Spanischbrödli», nachweisbar ab 1588, liess man sich fürs Frühstück noch warm von Baden nach Zürich bringen, vor allem mit der Einführung der Spanisch-Brötli-Bahn im August 1847.
Baden am Limmatknie, im Vordergrund das Bäderquartier, Postkarte, 1904
Der Autor nimmt uns im nachfolgenden Kapitel auf eine Zeitreise mit durch die Geschichte Badens und seiner heissen Quellen. In der Jungsteinzeit müssen die Menschen die dampfenden Quellen gekannt haben, doch lassen sich bis anhin kaum Spuren entdecken. Dabei wurde im nahen Gebiet der Lägern Silex abgebaut (Feuerstein) und die ganze Nordostschweiz damit beliefert.
Heisse Quellen zur Zeit der Römer
Die Römer zogen nach ihrer Niederlage gegen die Germanen 9 n. Chr. nach Vindonissa und errichten ein Legionslager. Gleichzeitig liessen sie sich auch am Limmatknie in Baden nieder. Die heissen Quellen wurden als Heilthermen anfänglich für die Soldaten, Offiziere und Beamten gefasst. Auf dem Plateau darüber entstand eine Siedlung, wo sich heute Kurpark und Römerstrasse befinden. Die einheimische helvetische Bevölkerung gliederte sich als Lieferanten und Mitarbeitende ein und romanisierten sich. Es herrschte ein reges, fast mediterranes Treiben, unbekannte Nahrungsmittel wurden angeboten, dabei gab es bereits eine Art «Fast Food» auf der Gasse. Das Handwerk war hoch entwickelt und sogar auf Export eingestellt.
Zur staatlich regulierten Religion mit den Schutzgöttern Jupiter, Juno oder Minerva kamen alte keltische und lokale Gottheiten hinzu. Selbst fremde, von Legionären, Kaufleuten oder Sklaven aus dem Orient hergebrachte Kulte aus dem Orient, wie der Isis oder des Sonnengottes Mithras, fanden Einzug in die Tempel und Hausheiligtümer.
Die im 16. Jahrhundert erstmals erwähnte römische Kalksteinplatte (127 x 77 cm) mit einer Weiheinschrift weist auf die Stifter eines Isis-Tempels in Aquae Helveticae hin. Wo dieser Isis-Tempel stand, ist bislang nicht bekannt. Foto: © Ruedi Fischli
Das Kapitel zur Geschichte führt weiter über die Spätantike, die Habsburger, die Neuzeit mit der Helvetik und Napoleons Nachlass bis hin zum industriellen Aufbruch und dem «Aufstieg zum mondänen Kurort Baden-Ennetbaden». Der Niedergang und Stillstand der Bäder im 20. Jahrhundert währte bis zur Eröffnung von Mario Bottas Wellness-Therme Fortyseven am 21. November 2021.
Ein abwechslungsreiches Kapitel handelt von den Badesitten. Man staunt, wie freizügig die Bäder früher waren. Abbildungen demonstrieren das frivole Treiben im Mittelalter, wobei der Blick ins Frauenbad ebenso zum Badevergnügen gehörte. Die Bäder waren unter den Eidgenossen, die zur Tagsatzung nach Baden kamen, beliebt. Hier genossen sie das gemeinsame Bad, auch zusammen mit politischen Kontrahenten.
Das öffentliche Verenabad war für Arme, Kranke und Menschen mit Gebresten bestimmt. Es war der heiligen Verena gewidmet, deren Statue auf einer Steinsäule mitten im Becken stand. Dabei galt das Wasser der St.-Verena-Quelle als besonders heilkräftig, besonders bei Unfruchtbarkeit der Frauen. Allerdings spottete man schon damals darüber, dass noch andere Mächte dabei geholfen haben.
Kurärzte in Baden
Der zweite Band Wechselbäder beschreibt das Wirken und den Einfluss von Familien in den Bädern. Auch die Beziehung der Kurärzte zu den Kurgästen. Der erste Kurarzt Alexander Sytz aus Marbach liess sich nach einem missglückten Aufstand in Württemberg 1514 als Kurarzt in Baden nieder. Er veröffentlicht eine Badeschrift und liess Baderegeln für die Benutzung der Schwefelbäder öffentlich anschlagen. Es ist eine der ersten bekannten Abhandlungen über Baden und die Bäder. Auch die nachfolgenden Kurärzte werden samt ihren Biografien vorgestellt, zum Teil mit Bildern. Dabei erhalten wir einen Einblick in die verschiedenen therapeutischen Einrichtungen und Behandlungen, die zu verschiedenen Zeiten angewendet wurden.
Ludwig Vogel, Verenabad, 1820
Das Badener Scheusal
Das letzte Kapitel Archäologie in den Bädern stellt Funde im Bäderquartier vor. Viele sind im Historischen Museum in Baden ausgestellt. Besonders eindrücklich ist das «Badener Scheusal». Die Gorgo stellt die Medusa dar, eine der drei Gorgonen, eine geflügelte Schreckgestalt aus der griechischen Mythologie, die vom Helden Perseus geköpft wurde. Römische Zuwanderer brachten die 17 Zentimeter grosse Figur für den Hausaltar einer wohlhabenden römischen Familie im 2. Jh. n. Chr. nach Baden, wo sie 1872 beim Bau einer Scheune an der Römerstrasse gefunden wurde. Sie war schon damals antik und stammte aus der griechischen Frühklassik des 5./4. Jh. v. Chr. Nur der abschraubbare Penis wurde in römischer Zeit angefügt.
Titelbild: Die öffentlichen Bäder in Baden, um 1800
Bilder: Wikimedia Commons
Ruedi Fischli, Wechselbäder. Chronik der Grossen und Kleinen Bäder zu Baden in der Schweiz, Band 1 und 2, reich illustriert, Eigenverlag Baden 2023 / 2025. ISBN 978-3-9525803-0-1 Erhältlich in den Buchhandlungen Doppler und Librium in Baden.

