3 KommentareSetzt Trump gar auf Krieg statt auf den »Spirit von Davos»? - Seniorweb Schweiz
StartseiteMagazinKolumnenSetzt Trump gar auf Krieg statt auf den »Spirit von Davos»?

Setzt Trump gar auf Krieg statt auf den »Spirit von Davos»?

Und die Welt schaut dabei zu. Rund 60 Staats- und Regierungschefs werden mit grossem und grösstem Aufwand eingeflogen. US-Präsident Trump kommt quasi im Doppelpack, immer in zwei angemessenen SUVs und immer in zwei Helikoptern, so dass niemand – ausser seiner Sicherheitscrews – weiss, in welchem Gefährt er sich gerade befindet.

2’500 bis 3’000 globale Wirtschaftsführer, viele weltgewandte Lobbyisten, zahlungskräftige Möchtegern-Prominente, Hundertschaften von Journalisten werden sich durch Davos bewegen, den Einladungen folgen, bei denen sie kulinarisch verwöhnt werden, mit Champagner zu den Apéros, mit erlesenen Weinen zu erlesenen Diners. Und immer im Gefolge bewegt sich ein Medientross, der sich misst an der Bedeutung der Dame, des Herrn, den sie gerade begleiten, mal grösser, mal kleiner. Das Ganze hat etwas Höfisches, und dieser Eindruck wird diesmal wohl verstärkt werden durch die Präsenz des US-Präsidenten, den «King of America». Der aber selbst in den USA, zumindest von der Hälfte der Bevölkerung, als «selbsternannter König» am liebsten in die Wüste geschickt würde. lch erinnere mich an früher, als ich am WEF Bill Clinton erlebte, wie er strahlend in der Mitte seines Trosses, leicht vorne, durch die Hauptstrasse von Davos schlenderte, alle Passanten blieben stehen, applaudierten, und er, der den spontanen Applaus sichtlich genoss, noch stärker strahlte.

Ganz anders bei Trump. Wir sassen nach dem Besuch der eindrücklichen Ausstellung «Reflexion aus dem beständigen Leben» im Kunsthaus Winterthur zusammen. Wir diskutierten über die  unterschiedlichen Künstler Niklaus Stoecklin (1896–1982), Liselotte Moser (1906–1983) und Louisa Gagliardi (37), die zusammen ähnliche künstlerische Positionen vertreten und so einen engen Bezug zur «Neuen Sachlichkeit» haben, wie das Kunsthaus zur Ausstellung schreibt. Die Neue Sachlichkeit «in einem beständigen Leben». Jetzt aber in einer aktuell neuen, vor allem unbeständigen Zeit? Da war in der Diskussion der Weg zu Trump nicht weit. Meiner Sitznachbarin entfuhr es spontan: «Warum nur ladet ihr diesen Schurken ein?» Und sie wandte sich direkt an mich. Ich erschrak, leicht zumindest. Das Wort «Schurken» von dieser belesenen, kunstsinnig gebildeten Frau geäussert, ungehörig, völlig ungewöhnlich. Und wen meinte sie mit «ihr»? Sie schaut mich an, erwartet eine Antwort. «Die Schweiz hat ihn nicht eingeladen. Es waren die Verantwortlichen des WEF. Und miteinander reden ist doch immer gut.» Das genügt ihr offensichtlich nicht: «Ihr Schweizer zahlt und zahlt für die Sicherheit des Deal-Makers aus Washington, für die riesigen Umtriebe zur Sicherung des Luftraumes, um nur ein Beispiel zu nennen. Das nützt doch nur den WEF-Chefs, die wollen höchste Aufmerksamkeit mit dem Mann erreichen, der eh schon höchste Aufmerksamkeit in der ganzen Welt für seine Schandtaten erlangt.»

Ich versuchte es noch einmal: Es gehöre zur Tradition, zum Selbstverständnis der Schweiz, unser Land als Ort von Verhandlungen, von Friedensschlüssen anzubieten. Sie winkt ab: «Aber nicht Trump, der hat nur seine eigenen Interessen im Sinn, für ihn gibt es keine internationalen Rechte, genau wie bei Putin, wie selbst bei Xi Jinping. Nur der ist nicht so laut wie die andern zwei: Putin und Trump.

Putin lässt sich in der Ukraine tatsächlich nicht stoppen, auch von Trump nicht. Im Gegenteil. Und Trump lässt nicht locker, bis er Grönland gekauft, die Zustimmung der Europäer zum Kauf mit neuen Zöllen erpresst hat. Und wenn es ihm auch so nicht gelingt, die grösste Insel der Welt den USA einzuverleiben, will er gar zu den Waffen greifen?

Sollte er bei seinem Auftritt in Davos vor den 3000 WEF-Besuchern uneingeschränkt offenlegen, was er tatsächlich vorhat, hat das ungeahnte Konsequenzen. Merz, Macron, Starmer, mit ihnen die  Verbündeten, müssten eigene, massive Massnahmen direkt Trump entgegensetzen? Kommt es so in Davos zum Kotau, zur Unterwerfung, zu wilden Auseinandersetzungen, gar zum Eklat statt zu Gesten des Friedens? Hätte Trump dann nicht doch das Gastrecht in der Schweiz verwirkt, weil er die Schweiz als die Bühne des Friedens für seine ungebremsten Expansionsgelüste missbraucht? Und die  Frau mit ihrem garstigen Wort für Trump bekäme doch noch recht.

Spenden

Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, Sie zum Denken angeregt, gar herausgefordert hat, sind wir um Ihre Unterstützung sehr dankbar. Unsere Mitarbeiter:innen sind alle ehrenamtlich tätig.
Mit Ihrem Beitrag ermöglichen Sie uns, die Website laufend zu optimieren, Sie auf dem neusten Stand zu halten. Seniorweb dankt Ihnen herzlich.

IBAN CH15 0483 5099 1604 4100 0

3 Kommentare

  1. Für Trump ist das Davoser WEF bloss ein weiteres Schaulaufen und eine Demonstration seiner momentanen Macht, die er zu seinen Gunsten ausnützen wird, wie er es immer tut. Also, warum tun sich und uns Zuschauern die WEF-Verantwortlichen das an? Mit Trump kann man nicht sachlich argumentieren. Und sollte er einem Attentat, trotz allen Sicherheitsmassnahmen der Schweiz und einem eingeflogenen, gigantischen US-Sicherheitstross zum Opfer fallen, wird die Schweiz für die nächsten Hundert Jahre mit nie dagewesenen Anwaltsklagen eingedeckt werden, das uns sehen und hören vergeht.

    Das WEF wäre der ideale Platz Trump, mutig vor aller Welt mit gut überlegten, gezielten und wahrheitsgetreuen Fakten zu konfrontieren. Er liebt doch die Stärke so sehr, also, was hindert euch Politiker:innen, reiche Geschäftsleute, Staatsmänner- und Frauen? Dieser Präsident will, wie alle Diktatoren und Machtmänner, vor allem geliebt und bewundert werden. Er will als Good Boy und Friedensstifter in die Geschichtsbücher eingehen. Ich bin überzeugt, nimmt man ihm diese Illusion, würde er sich am liebsten weinend und trostsuchend an den Rockzipfel seiner Frau oder Mutter hängen. Oder er drückt in seiner Verzweiflung auf den roten Atombombenknopf, wie vor 80 Jahren, als die USA als erstes Land der Welt Atombomben auf die unschuldige Zivilbevölkerung in Japan losgelassen hat. Keiner der hochgelobten US-Präsidenten hat sich meines Wissens bisher dafür und für Hunderttausenden Toten ententschuldigt.

    Amerika war und ist schon immer ein gewalttätiges Land. Sie haben nicht nur die Ureinwohner ihres Kontinents grausam fast ausgerottet und ihnen ihr Land, ihre Traditionen, ihre Sprache und Identität und eine friedliche Zukunft genommen, die Indianerstämme leben heute geduldet in Reservaten und haben kaum Rechte. Als die Ureinwohner weg waren, mussten für die Besiedlung Nordamerikas neue Arbeitskräfte her und es begann der Sklavenhandel mit Menschen aus Afrika. Schwarzafrikaner:innen sind in den USA bis heute Menschen zweiter Klasse und sie kämpfen um ihre Rechte in der von Weissen beherrschten USA. Den Einwanderer aus Südamerika geht es nicht anders. Trump schickt das Militär und lanciert im eigenen Land die Jagd auf Illegale, die zum Teil schon Jahrzehnte geduldet und für die amerikanische Wirtschaft arbeiten.

    Amerika ein Vorbild? Das Gegenteil ist der Fall. Die Demokratien und friedfertigen Länder dieser Welt sollten Stolz sein auf ihre Errungenschaften und sich solidarisieren gegen machtgeile Despoten, die nur an sich und ihren Profit denken.

    • ….Trump mit gut überlegten, gezielten und wahrheitsgetreuen Fakten zu konfrontieren….
      Er würde auch diese Fakten einfach umdrehen und vernichten. Er ist ein Erpresser, ein Narzisst und es kann ihm mit absolut keinen legitimen Mitteln beigekommen werden. Schlimmer als das alles sind die Menschen, die ihm zujubeln, die ihm diese Plattform bieten, die es möglich machen, dass er eine solche Macht entfalten kann. Warum wohl? Vielleicht weil sie hoffen, verschont zu werden und ein Stück seiner Macht abzweigen zu können. Korruption allüberall. Interessante Beiträge dazu zu sehen auf: arte «Das Gesetz bin ich» und auf 3sat über den «Trump-Einflüsterer – Der republikanische Königsmacher Roger Stone», beides schwer erträglich zum anschauen…

  2. Nicht zu vergessen die Chinesen als Sklaven beim Bau der transkontinentalen Eisenbahn.
    Zitat Wipikedia: Von Anfang an waren sie dabei dem Rassismus der europäischstämmigen Bevölkerung ausgesetzt, der in den 1870er Jahren in Massakern und der Zwangsansiedlung der chinesischen Migranten in Chinatowns gipfelte. Zitat Ende
    Auch Henning Mankell beschreibt diese abscheulichen Taten eindrücklich im Krimi «Der Chinese» In der Verfilmung mit Roeland Wiesnekker als gewalttätiger Aufseher, kaum zu ertragen.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Newsletter & Mitgliedschaft

Lernen Sie uns über den kostenlosen Newsletter kennen und werden Sie Mitglied von Seniorweb.

Beliebte Artikel

Mitgliedschaften für Leser:innen

  • 20% Ermässigung auf Kurse im Lernzentrum und Online-Kurse
  • Reduzierter Preis beim Kauf einer Limmex Notfall-Uhr
  • Vorzugspreis für einen «Freedreams-Hotelgutschein»
  • Zugang zu Projekten über unsere Partner
  • Massgeschneiderte Partnerangebote
  • Buchung von Ferien im Baudenkmal, Rabatt von CHF 50 .-