Nostalgische Heimatgefühle mit Texten von Robert Walser: Ruedi Häusermann präsentiert am Schauspielhaus Zürich ein lustvolles Spiel mit dem langen Titel «Du denkst vielleicht, was hör ich da, und ich sage dir – es ist die Waschmaschine».
Der Musiker und Theatermacher Ruedi Häusermann ist bekannt dafür, dass er feinnervige musikalische und theatralische Projekte erarbeitet, in denen er Alltagsbeobachtungen mit experimentellen Klangwelten verknüpft. In seinem jüngsten, im Pfauentheater uraufgerührten Werk mit dem langen Titel «Du denkst vielleicht, was hör ich da, und ich sage dir – es ist die Waschmaschine» sucht er mit Texten von Robert Walser das Unernste im Ernst und das Ernste im Unernsten. Eingestreut sind auch deftige Mundarttexte von Timmermahn.
Alltagsszenen mit dissonantem Soundtrack
Geboten werden in der knapp zweistündigen Aufführung ernste Alltagsszenen, die allesamt in Komik münden. Eingeleitet werden die einzelnen Szenen jeweils mit musikalischen Prologen, gespielt von zwei Musikformationen auf erhöhtem Orchestergraben vor der Bühne: links das Streicherquartett Kubus Kollektiv und rechts das Jazztrio Häusermann-Käppeli-Meier. Die sieben Musikerinnen und Musiker liefern abwechselnd einen meist dissonanten Soundtrack zu den Auftritten, wirken aber auch als Kollektiv auf der Bühne mit. Weisse Häuserfronten mit vielen Fenstern und ausgefransten Dachrändern umranden die Bühne, suggerieren Altstadtstimmung mit verwinkelten Gassen (Bühnenbild: Damian Hitz, Ruedi Häusermann). Im Verlauf des Abends werden weitere Pappfassaden hereingeschoben, so jene des Restaurants «Frohsinn», eines Übungsraums der Musikschule und zum Schluss einer heimeligen Wohnstube mit Küche und der titelgebenden Waschmaschine.
Geräuschvolles Umblättern von Tagi und NZZ vor dem «Frohsinn»
Als Hauptakteure der Alltagsszenen agieren die drei Schauspieler Rahel Hubacher, Michael Neuenschwander und Herwig Ursin. Vor jeder Szene sinnieren sie auf- und abschreitend «Was chönnte mer no mache». Eröffnet wird die erste Alltagsszene mit höllischem Baulärm. Zwei Bauarbeiter aus dem Untergrund tauchen auf und liefern sich einen absurden Dialog in breitem Berndeutsch um eine imaginäre Ecke. Sogleich öffnen sich die Häuserfrontfenster und die Anwohner mit Trichter schreien um Ruhe. In den weiteren Alltagssituationen wird unter anderem eine Touristengruppe mit Regenschirmen eilend durch die Gassen geführt, versammelt sich das Kollektiv vor dem Restaurant und blättert sitzend synchron in Tagi und NZZ, probt eine Musikgesellschaft mit Hörnern und Posaunen den «Berner Marsch», der an dem zu Beginn von den Musikern zerknüllten Notenpapier scheitert. Flugs wird das Papier von allen zerknittert, dessen Rauschen an Regen erinnert. Die liebliche und teils absurde Alltagszenerie endet in der heimeligen Wohnstube mit drehender Waschmaschine, die im Textfenster das Ende der Vorstellung verkündet.
Heimatgefühle schön orchestriert
Alle Szenen sind filigran inszeniert, vermitteln nostalgische Heimatgefühle, die schön orchestriert in Komik enden. «Hinnehmen, was kommt und dennoch nie den Frohsinn verlieren, ist schwierig, aber dafür schön.» Dieses Vermächtnis Walsers ist der rote Faden, den Häusermann seiner Inszenierung zugrunde legt. Urkomisch und unterhaltsam sind die oft mit Geräuschen des Alltags unterlegten Szenen alleweil, widerspiegeln eine skurrile heile Welt im Kleinen, die heiter, aber durchwegs auch nachdenklich stimmt. Dafür gabs am Premierenabend frohgelaunten Applaus.
Probelauf mit zerknittertem Notenpapier. Fotos: Zoé Aubry
Weitere Spieldaten: 13., 19., 24. Februar, 1., 4., 12.,17., 19., 27. März
