StartseiteMagazinLebensartWann ist der richtige Zeitpunkt für einen Wohnungswechsel?

Wann ist der richtige Zeitpunkt für einen Wohnungswechsel?

Viele Eigentümer wollen auch im Alter ihr Haus geniessen und verbleiben solange wie möglich darin. Blockieren sie damit die Freigabe von dringend benötigtem Wohnraum? Laut einer Zürcher Studie greift diese Sicht zu kurz.

«Es ist mein Haus. Ich habe es bezahlt und tausche dieses nie im Leben gegen eine Mietwohnung ein, die dann erst noch teurer ist und mir nicht den gewohnten Luxus bietet.» Das schreibt ein Leser auf eine letztjährige ZKB-Studie zum Zürcher Immobilienmarkt. Der Autor dieses Artikels ist selbst Besitzer eines Eigenheims und kann obige Haltung nachvollziehen. Die Studie bestätigt, dass wer ein eigenes Haus besitzt, bleibt meist sehr lange. Die Umzugswahrscheinlichkeit ist nach der Pensionierung nur geringfügig. Erst im hohen Alter ab 85 Jahren nimmt sie deutlich zu – oft dann, wenn gesundheitliche Einschränkungen den Alltag im Haus erschweren, wenn Reinigung, Unterhalt, Gartenarbeit oder Treppensteigen zur Belastung werden. Nicht selten ist es dann der Gang in ein Pflegeheim.

Gründe für einen Verbleib im eigenen Haus

Angesichts des angespannten Wohnungsmarktes ist immer wieder zu hören und zu lesen, dass ältere Hausbesitzer bewusst dringend benötigten Wohnraum blockieren würden. Gemäss den Studienautoren greift diese Sicht zu kurz. Viel häufiger gehe es um das Aufschieben der Entscheidung, emotionale Bindung und praktische Hürden. Die Studie listet vorab drei Faktoren auf, die für einen Verbleib im eigenen Haus förderlich sind.

Da ist einmal der verbreitete Wunsch, im gleichen Ort/Quartier eine passende Wohnung zu finden. Doch bezahlbare Wohnungen im nahen Umfeld sind meist eine Mangelware. Im Kanton Zürich sind die Preise für Wohneigentum in den letzten zwanzig Jahren um über 250 Prozent gestiegen. Interessant ist der zweite Faktor, wonach alleinstehende Hauseigentümer viel seltener ausziehen. Begründet wird dies vorab damit, dass die Räumung eines Hauses ein «Gräuel» ist. Zu zweit lässt sich der Aufwand leichter bewältigen.

Mehrheit lebt nach dem Auszug aus dem eignen Haus in einer grossen Wohnung. 

Spannend ist drittens die Feststellung, dass auszugswillige Pensionäre in der Regel wohl in eine kleinere Wohnung, aber nicht in eine kleine Wohnung umziehen. Über 60 Prozent aller Auszügler, mehrheitlich Paare, wählen eine Wohnung mit mindestens vier Zimmern, wollen also auch im Alter Platz für Gäste, Hobby oder ein Büro. Das heisst, dass auch nach dem Auszug aus dem Einfamilienhaus die Mehrheit in einer grossen Wohnung lebt.

Oft ist es das Pflegheim

«Viele Eigentümer wollen ihr Haus im Alter geniessen – und sitzen dann allein in leeren Zimmern», titelte die NZZ unlängst einen Beitrag. Darin wird die Immobilienmaklerin Katerina Kajannakis zitiert, die vor «verpassten Entscheidungen und Selbsttäuschung» warnt und dazu auffordert, «sich rechtzeitig zu fragen, ob ihr Haus mit Treppe und grossem Garten wirklich altersgerecht ist». Denn zuzuwarten, bis das Leben im Eigenheim zur Veränderung zwingt, erlaube meist keinen Umzug dorthin, wo sie gerne leben möchten und wo noch Platz ist. Oft sei es das Pflegeheim.

Viele Hauseigentümer also bleiben, wo sie sind. Das gilt übrigens nicht nur für Hausbesitzer, sondern auch für Mieter, wie eine neue Studie des Gottlieb Duttweiler Institut GDI zur Wohnzufriedenheit zeigt. Danach sind 74 Prozent der Schweizer mit ihrer Wohnsituation zufrieden, wollen möglichst lange am gleichen Ort leben. Am zufriedensten sind die über 60-Jährigen mit 85 Prozent. Das entkräftet ein Stück weit die Kritik, wonach ältere Hausbesitzer mit ihrer Sesshaftigkeit dringend benötigten Wohnraum blockieren würden.

85 Prozent der über 60-Jährigen sind zufrieden mit der eigenen Wohnsituation. Foto: ZKB

Doch die Wohnungskrise ist real, spitzt sich laufend zu. Interessant ist da die Feststellung in der GDI-Studie, dass eine Mehrheit glaubt, dass, um einer wachsenden Gesellschaft Wohnraum zu bieten, das Zusammenleben ändern muss. Die Studie listet eine Reihe von möglichen Lösungsansätzen auf, darunter die Verdichtung, unter anderem die Aufstockung des eigenen Wohngebäudes, was aber von den über 60-Jährigen nicht sonderlich begrüsst wird (nur 20 Prozent sind dafür).

Immer dieses Gejammer

Wann ist also der richtige Zeitpunkt, das Eigenheim aufzugeben? Und: Wie gross ist angesichts der Wohnungskrise die Möglichkeit noch, eine bezahlbare Wunschwohnung zu finden? Wie den Leserbriefen zur ZKB-Studie zu entnehmen ist, überwiegt vorderhand die Meinung, so lange wie nur möglich das Eigenhaus zu bewohnen. So schreibt ein weiterer Leser: «Immer das gleiche Gejammer. Wir wohnen seit 44 Jahren im Haus und wollen dieses nicht verlassen, bevor es wirklich unbedingt sein muss. Jede andere Lösung kostet mehr. Wenn wir den Garten nicht mehr pflegen können, bestellen wir den Gärtner. Wenn wir das Haus zu Lebzeiten weitergeben, dann nur an eine Familie.»

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