Bahram ist ein gefeierter Regisseur, dem der Staat jedoch die Vorführung seines neuen Filmes in der Heimat verbietet. Gemeinsam mit seiner Produzentin Safad Asgari setzt er alles daran, den Film dennoch in ein Kino zu bringen. Eine feine und gleichzeitig radikale Satire ist «Divine Comedy» von Ali Asgari, die daran erinnert, dass Kino und Lachen Akte des Widerstandes und der Aufklärung sein können.
Mit heiter beschwingten Klängen und bunten Farben steigen wir ein in «Divine Comedy», eine brillant erzählte, böse und kritische Geschichte, während sich bei mir zwiespältige Gefühle melden. Denn ich erinnere mich daran, dass Trump und Netanyahu den iranischen Gottesstaat vernichten wollen, während dieser das eigene Volk einsperrt oder tötet. Kann die Schönheit diese Absurdität zeigen? Ich weiss es nicht. Oder muss ich der Heilkraft der Kunst vertrauen, wie ich es schon bei anderen Filmen versuchte? Ich weiss es nicht. Ich hole mir deshalb Hilfe beim Regisseur, dem ich hier das Wort gebe.
Director’s Note: Ali Asgari, 1. Teil
«Divine Comedy» ist ein Film, der tief im Realismus verwurzelt ist, zugleich aber die Mittel des Kinos nutzt, um die Absurdität der Welt, in der er spielt, zuzuspitzen. Er spiegelt die starre, erstickende iranische Bürokratie wider, in der der Protagonist gefangen ist: ein 40-jähriger Regisseur, dessen gesamte Filmografie vom Kulturministerium keine Aufführungsgenehmigung erhalten hat.
Das Publikum ist eingeladen, nahe bei den Figuren zu verweilen, um Tag für Tag die langsame, aber reale Zermürbung durch Bürokratie und Zensur mitzuerleben. Die statischen Bildkompositionen spiegeln die Unbeweglichkeit des Systems selbst wider, das sich jeglicher Veränderung verweigert und seine Bürger:innen in einem Kreislauf aus Warten, Bitten und Verhandeln gefangen hält.
Die Besetzung des Films verwischt die Grenze zwischen Fiktion und Realität noch weiter. Bahram und Bahram Ark, zwei Filmemacher, die selbst mit Zensur durch die Behörden und systematischen Behinderungen konfrontiert waren, spielen fiktive Versionen ihrer selbst. Ihr Mitwirken ist mehr als eine blosse Casting-Entscheidung; es ist auch ein metatextueller Kommentar zu den zentralen Themen des Films. Sie spielen den Widerstand nicht, sondern verkörpern ihre eigenen Erfahrungen.
Auch Sadaf Asgari, die ebenfalls eine Version ihrer selbst verkörpert, bringt eine Authentizität mit, die sich unmöglich vorspielen lässt. Als Schauspielerin, die nach ihrer Teilnahme am Filmfestival von Cannes für «Terrestrial Verses», ihrem letzten Film, mit einem Arbeitsverbot im Iran belegt wurde, entfaltet allein schon ihre Anwesenheit eine subversive Wirkung.
Der Humor des Films entsteht nicht aus offensichtlicher Komik, sondern aus der Absurdität der Unterdrückung selbst. Die starren und übermässig komplizierten Prozesse der Filmzensur und staatlichen Kontrolle entwickeln eine solche Widersprüchlichkeit, dass sie an ihren eigenen Strukturen zerbrechen. Anstatt mit offener Rebellion zu reagieren, navigieren die Figuren oft mit ruhigem und klugem Verstand durch diese Absurditäten. Ihre Dialoge sind voller Sarkasmus, ihre Reaktionen verspotten auf subtile Weise ein System, das sich selbst zu ernst nimmt. Humor ist hier ein Überlebensmechanismus, ein Mittel, um in einem Umfeld zu bestehen, in dem offener Widerstand gefährliche Folgen hat.
Etappen einer aufwühlenden Reise
Bahram macht Arthouse-Filme, im Iran läuft keiner davon. Auch der neue wurde vom Ministerium nicht freigegeben. Doch jetzt beschliessen er und seine Produzentin, alles zu unternehmen, ihn dennoch irgendwo zeigen zu können, und düsen dafür auf einer rosaroten Vespa durch Teheran.
Die Einleitungssequenz mit dem Verhör im Ministerium ist ein Meisterwerk, bei dem man sich jeden Satz auf der Zunge zergehen lassen muss. Der Filmemacher ist sichtbar, der Staatsdiener unsichtbar. Und es gibt wie erwartet ein Nein, weil ein Hund, der als unrein gilt, im Film vorkommt, und weil durchgehend Aserbaidschanisch, eine verbotene Sprache, gesprochen wird.
Die Argumentation kippt ins Groteske und offenbart, was geschieht, wenn religiöse Dogmen und bürokratische Willkür sich verbinden. Dass «Divine Comedy» im Iran nicht gezeigt werden darf, ist Teil jener absurden Logik, die der Film zu sezieren ansetzt.

Der Regisseur und seine Produzentin treffen als Ersten den etwas durchgeknallten Kinobesitzer Mortezu, der ziemlich doofe Filme programmiert, die von Bahram verachtet und vom Staat unterstützt werden. Doch ohne Erlaubnis ist auch bei ihm keine Aufführung möglich.

Dann kommt das Duo zu Roozbock, einem exaltierten Schauspieler und selbsternannten Propheten im Drogenrausch, der auf einen Auftritt in einem Film des Stars hofft, was ihnen jedoch nicht hilft, denn ihr Film ist fertig, sie brauchen nur noch ein Kino.

In dem mit rotem Interieur und flammenden Cocktails dekorierten «Café Dante» begegnen die beiden dem eleganten Kulturbeamten Haranow, der versucht, Bahram zu bekehren, Filme im Sinn vollkommener Anpassung und damit persönlicher Selbstaufgabe zu drehen, wofür es viel Geld gäbe.
Hier lässt Ali Asgari Komik mit Tragik sich vereinen, um so die Strangulierung des Lebens im Iran offenzulegen. ‒ Zahlreich im Film verstreute visuelle und akustische Links auf Filmschaffende der sogenannten freien Welt wirken wie stille, doch eindringliche Bitten um Solidarisierung mit den iranischen Filmschaffenden.

In der nächsten Etappe begegnet die Produzentin und der Regisseur dessen Zwillingsbruder, mit dem er ursprünglich denselben Cineastentraum träumte, der heute jedoch, vom Regime gefördert, angepasste triviale Filme dreht und dieses Tun auch verteidigt.
Der literarisch philosophische Hintergrund, in den uns der Film mit Dante Alighieris Thema der «Göttlichen Komödie» eintauchen lässt, verleiht der Interpretation zusätzliche Dimensionen und Welthaftigkeit: Unser Paar kommt in den Himmel, ins Paradies und in die Hölle.
Konkret landen die beiden am Schluss bei einer reichen, vornehmen Tierschützerin. In ihrer Villa gibt es einen Saal, Stühle und einen Beamer. Die Aufführung beginnt, mit ihrer Hündin Sheila in der vordersten Reihe, bis im Fernsehen gemeldet wird, der syrische Diktator Baschar al-Assad sei soeben gestürzt worden. Vielleicht ein feines Glimmen eines eventuellen Hoffnungsfunkens?
Abgesang
Während des ganzen Filmes verfolgen mich Namen und Bilder von iranischen Filmschaffenden, die mit Dreh- und Reiseverbot, Gefängnis oder Auswandern bestraft wurden und werden. Hier exemplarisch Mohammad Rasoulofs «The Seed of the Sacred Fig», dessen Besprechung auf dieser Website auf weitere Cineasten verweist. Und bald schon sind es die Medienberichte über unzählige Opfer im Umfeld der Proteste von «Frau, Leben, Freiheit», die umgekommen sind und weiter umkommen, die mich verfolgen: von den Mullahs der Islamischen Republik und dann, ich kann sie nicht verdrängen, von den ähnlichen Machtapparaten des Zionismus und wieder anderswo und – dann von christlichen Kirchen über die Jahrhunderte hinweg. Ich frage und frage und frage. Doch der Rest ist Schweigen.
Director’s Note: Ali Asgari, 2. Teil, und die Biofilmographie von Ali Asgari
Regie: Ali Asgari, Produktion: 2025, Länge: 98 min, Verleih: trigon-film
