Im späten Mittelalter gehörte Regensburg politisch, wirtschaftlich und sakral zu den bedeutendsten Städten Europas. Heute ist die Altstadt wegen ihrer erstklassigen Bausubstanz und dank der Aufnahme ins UNESCO-Welterbe ein Touristenmagnet. Am Sonntag feiert Regensburg mit einem bischöflichen Festakt das 750jährige Jubiläum des gotischen Doms.
Ankunft am Bahnhof Regensburg. Der graue Vorplatz und der anonyme Omnibus-Bahnhof sehen aus wie Plätze in jeder anderen deutschen Stadt: Wartende Taxis, ein Streifenwagen der Polizei, herumlungernde Jugendliche. Links eine Parkanlage mit alten Linden. Kein Fremder würde ahnen, dass sich hinter den riesigen Bäumen das Fürstliche Schloss der «Thurn und Taxis»-Dynastie versteckt.
Blick auf den Bahnhofplatz.
Wir gehen der Maximilian-Strasse entlang Richtung Altstadt. Auf dem Alten Kornmarkt bricht die Sonne durch die graue Wolkendecke. Ein goldenes Abendlicht legt sich über die gelben Häuser vor uns. Die aufkommende Stimmung lässt die unfreundliche Ankunft vergessen. Wunderschön renovierte Bürgerhäuser, stattliche Kirchen mit romanischen und gotischen Türmen, Kopfsteinpflaster, eine hervorragend erhaltene Bausubstanz erfreuen unsere Augen.
Porta Praetoria: Das römische Tor in die Altstadt.
Was als römisches Heerlager vor 2000 Jahren begann, entwickelte sich zum „Manhattan des Mittelalters“. Im 6. Jahrhundert war Regensburg die erste bayrische Hauptstadt. In den folgenden Jahrhunderten spülte der Fernhandel auf der Donau immensen Reichtum in die Stadt. Residenzen, Handelshäuser und ein Bischofshof entstanden. Fast 150 Jahre war Regensburg wegen seines Bischofssitzes der Mittelpunkt Europas. Im 17. Jahrhundert fand hier der „Immerwährende Reichstag“ statt. Kaiser und Könige, Gesandte und Minister gingen im Reichssaal ein und aus.
Von Bomben verschonte Altstadthäuser.
Im mittelalterlichen Zentrum rund um das Alte Rathaus tauchen wir ein in die politische Geschichte. Die prunkvollen Räume und das alte Verlies können im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Glück im Unglück: Die Weltkriegsbomben haben die Altstadt verschont, weshalb man in Niederbayern die besterhaltene mittelalterliche Grossstadt Deutschlands mit über 1000 Denkmälern erleben kann.
Glasfenster im gotischen Dom.
Der Dom St. Peter ist eines der eindrucksvollsten gotischen Bauwerke Süddeutschlands. Wunderschöne Glasfenster aus mehreren Jahrhunderten sorgen für eine andächtige Stimmung. Auf einem Rundgang zum Thema „Der unsichtbare Dom“ erfahren wir mehr über den riesigen romanischen Sakralbau, der einst – leicht verschoben – an dieser Stelle stand und 1230 bei einem Brand beschädigt wurde. Mutig entschied sich das Bistum 1260, einen neuen Dom im gotischen Stil nach französischem Vorbild erbauen zu lassen. 1275 wurde dieser feierlich eingeweiht.
Die Zwillingstürme des Doms.
Zwei Türme dominieren den Domplatz und prägen die die Altstadt-Silhouette. Die Kirche ist eine Dauerbaustelle. Vom Bischofshof aus schweift der Blick hinab zur Donau, direkt zur Steinernen Brücke, dem ältesten Wahrzeichen der Stadt. Der im 12. Jahrhundert errichtete Flussübergang gilt als technische Meisterleistung seiner Zeit. Noch heute beeindrucken die mächtigen Bögen sowie die elegante Konstruktion. Von der Brücke aus eröffnet sich ein herrlicher Panoramablick zurück auf die Altstadt und den Dom.
Panorama-Blick auf die Altstadt.
Der Magen knurrt, die Kehle dürstet, eine „Brotzeit“ ist angesagt: Vor der historischen Wurstküche hinter dem Brückenkopf geniessen wir „Schweinswürstel auf Sauerkraut“ und trinken ein dunkles Grosses aus der Brauerei des Klosters Weltenburg. Rauch steigt ununterbrochen aus dem Kamin. Nach dem Auge erfreut sich nun auch der Gaumen über historisches Kulturgut.
Schweinswürste auf Sauerkraut.
Neben der Wurstküche befindet sich das „Besucherzentrum Welterbe“. 2006 wurde Regensburg als grösste und besterhaltene mittelalterliche Altstadt Deutschlands zum UNESCO-Welterbe hinzugefügt. 2021 kam mit dem «Donaulimes» ein zweiter Titel hinzu. Die Auszeichnungen bringt viele Architekturfachleute und noch mehr Touristen in die Stadt. Doch dank vielfältiger Veranstaltungen und einem reichen studentischen Leben ist Regensburg mehr als ein Freilichtmuseum für Geschichte. Die Stadt zeigt eindrucksvoll, wie Vergangenheit und Gegenwart miteinander verschmelzen. Oder wie es der britische Stararchitekt Sir Norman Foster formulierte: „Eine der schönsten Städte der Welt“.
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Von Goethe bis Schindler
Unter den berühmtesten Besuchern und Bewohnern der Stadt ragen vier Namen heraus, die auch heute faszinieren: Kepler, Goethe, Napoleon und Oskar Schindler.
Berühmte Besucher: Gedenktafeln.
Im September 1785 machte der Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe Station in Regensburg. Er besuchte unter dem Decknamen «Moeller» das berühmte Naturalienkabinett des Gelehrten Jacob Christian Schaeffer und hinterliess im Gästebuch den Eintrag: «Regensburg liegt gar schön».
Kaum ein Besucher hat die Geschichte Regensburgs so nachhaltig geprägt wie Napoleon Bonaparte. Im April 1809 wurde die Stadt zum Schauplatz einer entscheidenden Schlacht der Napoleonischen Kriege. Der Feldherr führte die französischen Truppen bei der Erstürmung Regensburgs persönlich an. Während der Kämpfe am 23. April 1809 wurde er leicht verwundet. Der Legende nach liess er sich auf einem Stein vor den Toren der Stadt verbinden. Dieser «Napoleonstein» sowie eine Tafel am Domplatz erinnern bis heute an seinen Aufenthalt.
Während Goethe und Napoleon nur vorübergehende Gäste waren, lebten Oskar und Emilie Schindler mehrere Jahre in Regensburg. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam das Ehepaar 1945 in die Donaustadt. Schindler hatte während der NS-Zeit mehr als 1200 jüdische Menschen vor der Ermordung gerettet und wurde später als «Gerechter unter den Völkern» geehrt. In Regensburg wohnte die Schindlers zunächst am Watmarkt, später an weiteren Adressen der Stadt. Eine Gedenktafel erinnert an diese Zeit.
Am neuen Fischmarkt 48 erinnert eine weitere Gedenktafel, diesmal an Johannes Kepler, der 1630 in diesem Haus starb. Begraben ist der berühmte Astronom auf dem Peters-Friedhof ausserhalb der Stadtmauern.
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Die Anreise
Informationen zu Zugverbindungen von Zürich nach Regensburg: Die Reise ab Zürich geht entweder via München oder via Stuttart. Die schnellste Verbindung dauert (ohne absehbare Verspätung) 5 Stunden und 35 Minuten. Täglich verkehren bis zu 27 Züge. Die Preise pro Tickets beginnen bei 100 Franken (Spartarif / einfache Fahrt / 2. Klasse).
Regensburg Bahnhof.
Die Fahrt mit Flixbus dauert zwischen sechs und acht Stunden. Die Kosten für ein Busticket (einfache Fahrt) bewegen sich zwischen 25 und 40 Franken.
Mit dem Auto beträgt die Distanz von Zürich nach Regensburg (via München) 440 Kilometer. Ohne Stau dauert die Fahrt 4 Stunden 45 Minuten. Via Stuttgart sind es 510 Kilometer.
Titelfoto: Nächtlicher Blick auf die Steinerne Brücke. Alle Fotos PS
