StartseiteMagazinLebensartKräht der Hahn auf den Mist …

Kräht der Hahn auf den Mist …

Reden wir übers Wetter, aktuell das Thema Nummer eins bei fast jedem Gespräch, in den Nachrichten und in den Infokanälen. Es ist aber auch heiss! Wann hört diese Hitzeperiode denn endlich mal auf? Fragen wir mal weder die Meteorologen noch die Klimaschützer, fragen wir die guten alten Bauernregeln.

Wetterregeln sind ein uraltes Fachgebiet, weniger in der Wissenschaft, mehr im Volksglauben verankert. «Hat die Sonne einen Lichtring, wird es Regen geben», steht auf einer 2600 Jahre alten babylonischen Tontafel. Morgen- und Abendrot sind ebenfalls schon seit mehr als 2000 Jahren Wetterphänomene, die genau beobachtet wurden.

Es sind in allen Kulturen vor allem die Bauern, die genau im Blick haben, was sich am Himmel  – oder im Verhalten von Tieren und Pflanzen – abspielt. 2026 war ein eigentliches Referenzjahr: Wer hat nicht schon von den Eisheiligen Mitte Mai gehört? Deses Jahr waren sie superpünktlich. Oder die im Juni folgende Schafskälte, die sich heuer ebenfalls fast auf den Tag genau einstellte.

Reiche Ernte? Wir werden sehen

Nur was nachher kam – diese sich langsam immer mehr aufbauende Sommerhitze – die habe ich in keiner alten Wetterregel gefunden. Aber einen kleinen Trost: «Nordwind im Juni weht Korn und Wein ins Land hinein», sagt so ein bäuerliches Wetterorakel. Und in den letzten Tagen kam doch wirklich eine kleine Bise auf!

Heisses Wetter hat auch seine schönen Seiten.

Alles nur Zufall? Der deutsche Agrarmeteorologe Jurik Müller aus Leipzig sammelt seit mehr als 40 Jahren altes Wetterwissen, das meist in Reimform vorliegt. Man konnte es sich so besser merken. Und er kam doch auf eine grosse Zahl von Vorhersagen, die auf Wetterphänomene beruhen und eine grosse Trefferquote aufweisen.

Bauernregeln und Lostage

Es waren und sind die Bauern, die an langfristigen Prognosen interessiert sind, Wie wird die Ernte ausfallen? Gerät der Wein? Vielfach nahmen sie die Lostage zu Hilfe. Das sind ganz bestimmte Tage im Jahreslauf, meist an die Namen eines Heiligen gekoppelt, die als Anzeigen für kommende, langfristige Wetterverläufe dienen. Und die, so Jurik Müller, beeindruckend oft zutreffen.

Ein aktuelles Beispiel? Baut sich in den letzten Junitagen ein stabiles Azorenhoch über Europa auf, kann mit einem sonnigen Sommer gerechnet werden. Am Siebenschläfertag – der ist heute am 27. Juni! – heisst es: «Regnet es am Siebenschläfertag, der Regen sieben Wochen nicht weichen mag.» Der Umkehrschluss: Weil heute die Sonne scheint – und wie! – sollte es die nächsten Wochen doch auch so bleiben. Wer jetzt einwendet, dass ab Montag Regen angesagt ist, denkt zu kurz. Denn am Donnerstag soll sich bereits wieder ein stabiles Hoch aufbauen.

Auch Tiere und Pflanzen können Wetterorakel sein, allerdings eignen sie sich nicht für langfristige Wetterprognosen. Bekannt ist, dass es bald regnen wird, wenn die Schwalben tief fliegen. Ist ganz logisch zu erklären: Bei Hochdrucklagen lassen sich die Mücken gerne von den warmen Winden in höhere Luftschichten tragen – und die Schwalben fliegen ihrem Futter hinterher.

Der Hahn ist vor allem laut, auf seine Wetterprognosen kann man sich kaum verlassen. (Alle Bilder pixabay)

Wer Winden im Garten hat, ob als Unkraut oder als Kletterpflanze mit wunderschönen Trichterblüten, kann selber Wetterfrosch spielen. Schliessen sie ihre Blüten bereits gegen Mittag, dann sollte man am Abend einen Schirm mitnehmen in den Ausgang. Auch die Tannzapfen eignen sich als kurzfristiges Wetterorakel: Bei anhaltendem Sonnenschein öffnen sich ihre Schuppenpanzer und lassen so ihre Samen ausreifen. Droht Regen, werden die Schuppen schnell geschlossen, damit die Samen nicht nass werden und faulen.

Ja, und was hat nun der Hahn auf dem Titel zu sagen? «Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert das Wetter oder bleibt wie es ist.» Das ist die ultimative Wetterregel, die immer stimmt.

 

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