In «All at Once» im Kunstmuseum Luzern zeigt Shirana Shahbazi auf der Höhe ihres Schaffens ihre Werke bis 18. Oktober 2026.
Spiegelung, Überlagerung, Wiederholung – Shirana Shahbazis (*1974) künstlerische Herangehensweise lässt vielschichtige Räume entstehen, in die das Publikum visuell eintaucht.
Von der analogen Fotografie kommend, bleibt die Zürcher Künstlerin ihrem Medium seit 30 Jahren treu, wobei sie unterschiedlichste Techniken und weitere Verfahren einbindet. Die Entstehung eines Werkes geht häufig von einem Bild aus, das Shahbazi als Ausgangspunkt wählt und in einem komplexen Prozess weiterentwickelt.

Detail von Ausstellungsansicht
Charakteristisch für Shahbazis Schaffen ist ein experimenteller Umgang mit dem Medium Fotografie. Ihre Arbeiten zeigen Landschaften, Gebäude, Personen und Objekte. Mithilfe verschiedener Drucktechniken wie Siebdruck oder Lithografie übersetzt sie ihre Bilder in vielschichtige Darstellungen.

Disruptions, 2025,Vierfarben-Lithografie auf Baumwollpapier
Die Werke oszillieren zwischen Figuration und Abstraktion, sie spielen mit dem Moment des Uneindeutigen. Dies spiegelt sich beispielsweise in der seit 2023 fortlaufenden Serie Displacement wider. Darin fotografiert sie Modelle architektonischer Fragmente, die sie im Studio bühnenhaft inszeniert.

Disruptions, 2025.Vierfarben-Lithografie auf Baumwollpapier
Aus mehreren Perspektiven fotografiert, entstehen im analogen schwarz-weissen Verfahren mehrschichtige Abzüge, die die Künstlerin mit von Hand aufgetragenen lasierenden Farbverläufen erweitert.

Disruptions, 2025.Vierfarben-Lithografie auf Baumwollpapier
In der Serie Displacement verschmelzen Räume, in denen nicht klar ist, wo oben und unten oder innen und aussen ist. Mehrschichtige, komplexe Räume zu schaffen, ist in Shahbazis Schaffen ein wiederkehrendes Motiv, mittels dessen sie das Verhältnis von Realität, Wirklichkeit und Wahrnehmung auslotet.

«Fallling Sima». Merfach belichtete tänzerische Bewegung
Dies zeigt sich auch in ihrer Videoarbeit An Other Place (2023). Darin experimentiert sie erstmals mit 16mm-Film. Für die Ausstellung kreiert Shahbazi eine neue Videoarbeit. In der Ausstellung Shirana Shahbazi. All at Once. An Interplay with Li Tavor präsentiert Shahbazi Werke verschiedener Schaffenszeiten.

Ausstellungsansicht Shirana Shahbazi. All at Once
In einem dichten Geflecht von Oberflächen, Formaten, Farben und Licht ist ihr Œuvre komplett losgelöst von Ort und Zeit, jedoch gleichzeitig im Museumsraum verankert. In der Ausstellung sind nebst ihren Arbeiten auch Werke von Li Tavor und Monir Shahroudy Farmanfarmaian zu sehen.

Shirana Shahbazi v.l.n.r. [Komposition-48-2012], 2012 [Komposition-462012], 2012 [Komposition-56-2012], 2012. C-Print auf Aluminium
Im Zusammenspiel reagiert Tavor auf die Ausstellungsarchitektur mit von der Decke hängenden Latexbahnen. Je nach Blickrichtung überlagern sich die Latexbahnen mit Shahbazis Werken an der Wand. So entsteht ein dreidimensionaler Dialog, den das Publikum räumlich erfahren kann.

Latexbahnen von Li Tavor
Zur Ausstellung, kuratiert von Fanni Fetzer, erscheint die Publikation Shirana Shahbazi. All at Once mit Unterstützung von Binding Sélection d’Artistes. Sie vereint Shahbazis bedeutendste Werke in einem umfangreichen Bildband und zeigt sie im Kontext der zahlreichen räumlichen Interventionen der Künstlerin.

Roses IV, 2026, Dreifarben-Siebdruck auf pigmentiertem Latex
Shahbazi studierte 1995–1997 an der Fachhochschule Dortmund Fotografie und setzte ihre Studien bis 2000 an der Zürcher Hochschule der Künste fort. International beachtet wurden ihre konzeptkünstlerischen Arbeiten, die von der Fotografie ausgehen. Das Œuvre umfasst zudem Plakatmalereien und in traditioneller Knüpftechnik gefertigte, persische Seidenteppiche. 2002 erschien die Bilderserie Der Garten. Auf der Biennale 2003 präsentierte sie Die Verkündigung als Installation.[2]
Fotos: Josef Ritler

