Diese Erkenntnis ist schwer zu akzeptieren: Das Haus, das früher perfekt zur Familie passte, kann im Alter zur Last werden. Wie man mit dieser Situation umgehen soll, erklärt Stefan Bestler, Immobilienexperte beim VZ Vermögenszentrum, im folgenden Beitrag.
In jedem zweiten Einfamilienhaus leben nur eine oder zwei Personen, obwohl diese Häuser für vier oder mehr Bewohner ausgelegt sind. Das zeigen neue Daten des Bundes. Zudem ist der Anteil der Eigenheime, die ausschliesslich von über 65-Jährigen bewohnt werden, stark gestiegen (siehe Grafik unten).
Warum? Vielen Eltern fällt es schwer, sich vom Haus zu trennen – auch wenn die Kinder längst ausgezogen sind. Gleichzeitig ist ihnen bewusst, dass das Haus zu gross und nicht altersgerecht gebaut ist. Trotzdem verdrängen sie das Thema und unterschätzen die Folgen:
- Auch ohne Eigenmietwert verursacht ein Haus hohe Fixkosten für Unterhalt, Versicherungen und Energie – das belastet die Liquidität.
- Oft steckt der grösste Teil des Vermögens im Haus, was bei unerwarteten Ausgaben wie hohen Pflegekosten zum Problem wird.
- Unterhalt und Renovationen werden aufgeschoben – mit jedem Jahr verliert die Bausubstanz an Wert.
- Je länger man wartet, desto schwieriger und anstrengender wird das Zügeln.
Loslassen kann sich lohnen, einen Verkauf muss man jedoch gut vorbereiten:
- Ersatzobjekt suchen: Wer eine kleinere Wohnung kaufen will, muss genug Zeit einplanen, um gleichzeitig ein passendes Objekt und Käufer für das Haus zu finden. Selbst an Toplagen kann das länger dauern. Auch die Verhandlungen, Verträge und die Abwicklung brauchen Zeit.
- Übergangsphase meistern: Auch wenn die neue Wohnung zum gewünschten Zeitpunkt bezugsbereit ist, übernehmen Käufer das Haus selten zum geplanten Umzugstermin. Passen Verkauf und Kauf zeitlich nicht zusammen, wird die Übertragung der Hypothek schwierig: Die Bank führt sie nicht weiter, wenn keine Immobilie als Sicherheit vorhanden ist. Suchen Sie auch nach Mietwohnungen. Das vergrössert Ihre Auswahl und Sie bleiben finanziell flexibler. Wenn die Mietwohnung doch nicht passt, ist ein Wechsel viel einfacher.
- Steuern im Griff haben: Prüfen Sie die Steuerfolgen. Je nachdem können hohe Grundstückgewinnsteuern anfallen. Meistens lässt sich die Steuer aufschieben, wenn man das Eigenheim verkauft und mit dem Erlös ein neues kauft, das mindestens so viel kostet wie das alte Eigenheim. Je nach Kanton muss man diese sogenannte Ersatzbeschaffung innert zwei bis vier Jahren abwickeln. Wenn das Ersatzobjekt aber so günstig ist, dass man den Gewinn nicht investieren muss, wird die Steuer beim Kauf des neuen Eigenheims fällig.


