Wie wird aus einem tristen Dörfchen ein blühendes Biotop? Voller Leben, voller Farben und – das muss leider erwähnt werden – bald auch voller Toten. Vier insgesamt, schön verteilt über die 300 Seiten von Klaudio Blasls neustem Gartenratgeber «Garten Gift und kalte Rache».
Die Krimis der österreichischen Autorin sind zwar voll von botanischem Wissen, aber auch gespickt mit etlichen «bösen Blumen». Blasl neustes Buch spielt in der tiefsten Provinz, O-Ton: «am Allerwertesten der Welt» und beginnt mit einer «Spatenweihe». Denn der neu gewählte Bürgermeister will ein Zeichen setzen, hat 20000 Blumenzwiebeln auf Gemeindekosten geordert und will damit den zentral- und brachliegenden Gemeindeanger in ein blühendes Biotop verwandeln. Mit Gottes Hilfe – deshalb die Spatenweihe – und der tatkräftigen Mitarbeit aller Dorfbewohner.
Dass es weniger der göttliche Furor des Priesters aus dem Nachbardorf und mehr das Versprechen eines Grillfests am Ende der Pflanzaktion ist, das die Bevölkerung animiert, ihre Gartengerät zuerst segnen zu lassen und dann in den steinharten Boden der Brache zu rammen, wäre wohl auch bei grösseren Ortschaften nicht anders gewesen. Dass dabei verrottete Knochen gefunden werden, ist nur die erste Prise der von Blasl noch reichlich verstreuten «Würze». Auch wenn das Skelett letztlich nur von einem Hund stammt.
Ein blühender Dorfanger – und fünf Tote.
Denn jetzt nimmt der Kriminalroman Fahrt auf. Der nächste Tote ist kein Hund mehr sondern ein ehrenwerter Bürger, der auf dem Vorplatz der Ich-Erzählerin, einer kräuterkundigen Dame und berüchtigten Verbrecherjägerin, von den Dorfoberen als «alte Kräuterhexe» apostrophiert, an der Stossstange des Autos ihres Neffen hängend, gefunden wird.
Und so geht es weiter: Da ein Toter, dort der nächste, und dann noch einer und fast am Schluss des Buches ein vierter. Alles Männer. Für Abwechslung wird erst am Schluss gesorgt. Aber das wäre schon zu viel verraten.
Klatsch und Tratsch
Leider ist es nicht so, dass die Lesenden nun mit rotem Ohren und atemlos von einem Tatort zum nächsten geführt würden, immer ganz nahe an der Spur, die letztlich zur Aufklärung der Mordserie führen würde. Nein, da kommt noch eine ganze Menge an Dorfklatsch, zusammen, an Charakter- und anderen Studien.
So morden nur Männer! Frauen scheuen den Aufwand: Die Blutflecken, die Unordnung.
Dazu kommen Probleme mit dem Mann der Erzählenden, der soeben aus einer Rehabilitation zurückgekehrt, sein Leben vom Fernsehsessel auf ein E-Bike verlagern möchte – wenn da nicht eine Frau dahintersteckt! Die ganze dörfliche Milieustudie ist zwar kurzweilig zum Lesen, was vor allem auf Blasls farbigen Stil zurückzuführen ist. Ihre Wortschöpfungen, die originellen Sprachbilder, ihre treffenden Formulierungen machen den Kriminalroman mit dem doch eher «müden» Schluss zu einer vergnüglichen Sommerlektüre.
Lieblich und ganz schön giftig
Und natürlich Blasls botanisches Wissen um den «Giftschrank des Gartens». Wer sonst beschreibt seine Lieblingspflanzen so treffend. Die Christrose zum Beispiel, diese kalte Schönheit, die schon um 600 vor Christus dem Athener Kriegsherrn Solon zu einem strategischen Sieg über eine Küstenstadt verhalf. Aber auch die liebliche Cyclame, aus der sich ein tödliches Pfeilgift oder ein wirksames Abtreibungsmittel extrahieren lässt, oder die Narzissenzwiebeln, die … , das führen wir jetzt nicht weiter aus.
Frauen morden schöner… (Bilder pixabay)
Dass es vor allem Frauen sind, die lieber mit zarter Hand «Ordnung schaffen», während sich die Männer von einem Loch im Kopf des Gegners nicht abschrecken lassen, betont Blasl immer wieder. Aus gutem Grund: Denn wer wischt die allfällig entstehenden Blutflecken auf dem Teppich oder vor der Garage weg, wenn sich eine endgültige Lösung aufdrängt? Die Frauen natürlich!
Klaudia Blasl: «Gärten, Gift und kalte Rache». Emons Verlag 2026, ISBN 978-3-7408-2535-5


Ich mag Ihre Beiträge sehr. Danke für Ihre erfrischenden Texte!
Diesmal bin ich zum ersten Mal über einige Rechtschreibefehler gestolpert! War’s die Hitze?