In der Landschaft Davos hat der Kunstmaler Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938) das halbe Leben verbracht. Sein Grabstein steht auf dem Waldfriedhof zwischen Davos Platz und Frauenkirch in einem lichten Lärchenwald.
Nach der Einstimmung im Kirchnermuseum besuchen wir den Waldfriedhof im Wildboden und finden uns in einem ummauerten Grundstück mit hohen Bäumen und Reihen von Grabkreuzen und Natursteinen aus der Gegend auf einer Wiese in einem lockeren Wald wieder. Die Trockenmauer ist Zeuge einer Baukunst, die heute fast vergessen ist. Der Friedhof wurde 1920 gebaut, nachdem die alten Grabstätten in dem aufstrebenden Luftkurort mit Tuberkulose-Heilstätten keinen Patz für weitere Gräber hatten.
Der Architekt Rudolf Gaberel (1882-1963), der in Clavadel von seiner Tuberkulose geheilt wurde, hat den Friedhof entworfen und gebaut. Er gilt als Wegbereiter der Schweizer Holzmoderne und prägte das Davoser Ortsbild in den 1920er- und 1930er-Jahren massgeblich mit den ersten Flachdächern, unter anderem bei der Höhenklinik Clavadel oder beim Umbau des Rathauses.
Gleich beim Engang finden Besucher den durch Sonnenreflexe verspiegelten Plan, nach dem Generationen von Friedhofgärtnern bis heute arbeiten.
Der Waldfriedhof auf einer Moräne des Sertiggletschers steht heute unter eidgenössischem Denkmalschutz und wird genau so erhalten, wie er einst erbaut wurde: Die Anlage mit dem rechtwinklig gebauten Zentrum und den Reihengräbern – alle mit einfachen Holzkreuzen – und den scheinbar locker angeordneten Grabsteinen in den leicht hügeligen Randregionen folgen dem Plan aus der Hand von Gaberel. Verwittern die Holzkreuze, die Sitzbänke oder die Abfallhäuschen, werden sie nach den alten Plänen neu geschreinert. Festgelegt ist auch, wann die Grabstätten aufgehoben werden.
Unterhalb des Eingangstors liegt der 1930 eröffnete jüdische Friedhof. Diese Gräber sind ewige Ruhestätten, alle gegen Jerusalem ausgerichtet, die Grabsteine sind mit lateinischen und hebräischen Schriftzeichen graviert, auf fast allen liegen kleine Steine, es sind Zeichen, dass der Verstorbene nicht vergessen ist, während im grossen Friedhof kleine Gärtchen um Kreuze und Steine dasselbe aussagen.
In beiden Teilen des Waldfriedhofs lässt man der Natur ihren Lauf, das Gras wird ab und zu gemäht, selten muss eine der alten Lärchen gefällt und durch einen jungen Baum ersetzt werden. Schön, dass sich an den Baumstümpfen – oft monumentaler als der grösste Grabstein – Heidelbeerstauden emporranken oder Baumpilze enwickeln und Insekten leben. So ist dieser Friedhof nicht nur eine letzte Ruhestätte mit besonderer Atmosphäre für Trauernde und Besucher, sondern auch Symbol des ewigen Kreislaufs der Natur.
Titelfoto: Der Waldfriedhof ist auch bei Hitzetagen ein angenehm kühler Ort
Bilder R.H. und E.C.
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