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Gedanken-Mischmasch

Es ist wohl so, dass wir geneigt sind für wirklich und wahr zu halten, was wir mit den Sinnen wahrnehmen. Das kann freilich nicht die ganze Wahrheit sein. Die Sinne können sich täuschen. Beim Wahrnehmen sind viele subjektive Elemente im Spiel. Es sind Gedanken, Meinungen, Vorurteile, sogar Zukunft und Vergangenheit, aber auch Gefühle, die einer Sache positiv oder negativ zugeneigt sind.

Zwei Beispiele mögen einen Hinweis geben. Da ist die Pandemie, die Corona-Krise, die immer noch nachwirkt. Hier wurden oft zwei Dinge vermischt. Es war einerseits die wissenschaftliche Tatsache, dass das Virus gefährlich ist, andererseits ging es um die Massnahmen der Behörden. Diese waren Ermessungsfragen und durften demokratisch kritisiert und bestritten werden. Was wissenschaftlich erforscht ist, gilt solange, bis ein wissenschaftlicher Widerspruch geltend gemacht wird. Das war nicht der Fall. Von den Gegnern wurden beide Aspekte vermischt. Man nannte diesen Mischmasch Verschwörungstheorie.

In diesem Hitzesommer taucht die Frage nach der Vermischung vehement auf. Die Wissenschaft hat schon vor Jahrzehnten erkannt, dass es zu einer gefährlichen Erwärmung der Erde kommen wird. Sie schilderte an vielen Beispielen aus aller Welt, was der Klimawandel bewirkt. Dagegen stellten sich bagatellisierende Belehrungen, die besagten: Katastrophen gab es schon immer». Das ist nicht abzustreiten. Es gab den Hitzesommer von 2003 und es folgten 23 Jahre mit vielen Katastrophen, Waldbränden und Überschwemmungen, bis jetzt ein schlimmerer Hitzesommer folgt. Biblisch könnte man die Arche zitieren, auf der Noe die letzten Tiere vor dem Untergang gerettet haben soll. Noch immer wird, wer sich an den Befunden der Wissenschaft orientiert, verspottet. Ergebnisse lassen sich aber nur ablehnen, wenn ihnen ebenso wissenschaftlich widersprochen werden kann. Dies ist bis heute nicht gelungen. Wissenschaft lässt sich nicht von Tageseindrücken blenden.

Diejenigen, die der Wissenschaft misstrauen, halten an ihrer Meinung fest und ihre Parole heisst: «Weiter so, wie bisher.» Sie lehnen die Langzeitforschung ab. Die Behauptung Katastrophen gab es immer, ist kein echter Widerspruch, denn der Klimawandel ist ein langfristiger Prozess. Ein abkühlendes Gewitter ist gerade einmal ein momentanes Geschehen.

Da die Zukunft offen ist, lassen sich beliebige Theorien aufstellen ohne wissenschaftliches Fundament. So entsteht eine Gedankenvielfalt und es lässt mit ihr Politik machen. Der Mensch ist geneigt, den Augenblick zu überschätzen und an das zu glauben, was er denkt.

Nun häufen sich Anzeichen in der Natur, von denen keiner sagen kann: «Das gab es immer schon.» Wir sehen Bäche, die warm geworden sind und wenig Wasser führen, sodass die Fische sterben. Ein Bauer löst vor aller Augen eine Hand voll dürre Gräser vom Boden und zeigt sie den Fernsehzuschauern: «Da wächst nichts mehr!» Und dies in der sonst immergrünen Schweiz! Schneit es im Winter, freuen sich Klimazweifler: «Es schneit eben doch!» Auch wenn Skilifte rosten.

Es taucht immer ein neuer Gedanken-Mischmasch auf, worüber das Volk sogar abstimmen darf. Es sollen neue Atomkraftwerke gebaut werden, obwohl sie den Flüssen kaltes Wasser entziehen, welches dann aufgewärmt wieder in die Flüsse abfliesst. Eine ganze Liste von Beispielen liesse sich anfügen. Es gibt keinen Grund für Optimismus. Unter dem wissenschaftlichen Gesichtspunkt müsste die Politik klare Prioritäten setzen, was sie leider nicht tut und damit zum Mischmasch des Denkens beiträgt

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2 Kommentare

  1. Der Zustand der Welt im Bezug auf Umwelt; Armut und Konflikte zeigt plakative ausgedrückt:
    «Die Dummheit der «Intelligenten» ist grenzenlos»!

  2. “Ignoranz ist besser als Wissenschaft. Wenn man daran glaubt.”

    Ich und viele unsere Freunde habe Corona hinter sich gelassen, eine Erfahrung reicher. Einer, einst junger, hoffnungsvoller Schriftsteller, hat sich seitdem im Leben verlaufen. Toujours à mon avis. Aber es tut weh, wenn man sich nicht mehr im Gespräch findet, weil er darauf besteht, dass die Massnahmen nur dazu eingesetzt wurden, um unliebsame, eigenständig Denkende an den Rand der Gesellschaft zu drängen.
    In meiner zweiten Heimat, Gott sei Dank nicht vor Ort, brennen die Wälder wie Zunder, Wälder, in denen wir in der Jugend möglichst nahe am Atlantikstrand, unsere Zelte aufschlugen oder uns im Schlafsack betteten. Unser Zwetschgenbäumchen hätte dieses Jahr endlich viele Früchte getragen. Es bleiben uns Kerne mit vertrockneter violetter Hülle, das Laub verdorrt. Giessen strikt verboten.
    Die erste Heimat, die Schweiz, überlässt den Kantonen den Entscheid zur Frage des 1. Augustfeuerwerks und diese delegieren die Verantwortung an die Gemeinden. Ein Flickenteppich, der den verantwortungsvollen Bürger zwingt, sich bei der Wohngemeinde zu erkundigen, was da nun gilt. Feuerwerke sind abgesagt, Ausnahmen sind im Berner Oberland und Genf, «schliesslich versauen wir ja unsere Seen». Basel will auch feuern; ob die französischen und deutschen Nachbarn dies gut finden? Was für ein Land, das sich einen Umweltminister leistet, der nicht mal halbherzig an den Klimawandel glaubt!

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