Unter den drei Genannten schien Friedrich Merz ein Hoffnungsträger zu sein. Nun beginnt er sich zunehmend selbst in Frage zu stellen. Doch weit schwerer wiegt immer noch, dass Donald Trump im Weissen Haus residiert: ein unberechenbarer Mann, der den Klimawandel selbst während dieser Hitzeperiode kategorisch leugnet, obwohl die Welt zu brennen beginnt. Gegen den Iran hat er einen Krieg angezettelt, aus dem er keinen Ausweg findet – und damit die Weltwirtschaft massiv beschädigt. Ebenso schwer wiegt, dass Putin mit Waffengewalt unnachgiebig nach Europa drängt. Er will die Ukraine in die Knie zwingen, den souveränen Staat zerschlagen und dessen Territorium Russland einverleiben. In Deutschland regiert mit Friedrich Merz seit gut einem Jahr ein Mann, der gemeinsam mit Emmanuel Macron und dem neuen britischen Premierminister Andy Burnham Trump und Putin Paroli bieten sollte. Aussenpolitisch hat Merz zwar Profil gewonnen, innenpolitisch zeigt sich jedoch immer deutlicher, dass er seinem Amt nicht gewachsen ist. Das ist dramatisch – und kann uns als Nachbarland nicht kaltlassen.
Seit seinem Einstieg in die Politik im Jahr 1989 hatte Merz stets ein Ziel vor Augen: das Kanzleramt. Bereits 2000 schuf er die nötige Ausgangslage für den Sprung an die Staatsspitze. Er wurde Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und damit Oppositionsführer. Doch eine Frau sass ihm hartnäckig im Nacken: Angela Merkel, Parteivorsitzende und Nachfolgerin Helmut Kohls an der Spitze der CDU. Bei der Bundestagswahl 2002 verpasste sie den Regierungswechsel nur knapp. Gerhard Schröder konnte sie und die CDU/CSU gerade noch einmal vom Kanzleramt fernhalten. Merkel witterte Morgenluft, beanspruchte den Fraktionsvorsitz und damit die künftige Kanzlerkandidatur für sich. Merz hatte das Nachsehen und verschwand in der zweiten Reihe. 2009 beendete er seine «Leidenszeit» unter Merkel und kehrte der Politik den Rücken. Er etablierte sich als Wirtschaftsanwalt, wurde vermögend und war zuletzt Verwaltungsratspräsident der deutschen Niederlassung der international tätigen US-Investmentgesellschaft BlackRock. Nach Merkels 16-jähriger Kanzlerschaft sehnte sich die CDU nach einem Konservativen, nach einem Mann aus der Wirtschaft. Merz’ Stern ging noch einmal auf. Als wiederauferstandener Oppositionspolitiker griff er SPD-Kanzler Olaf Scholz scharf an: «Die Schuhe eines Bundeskanzlers sind für Sie viel zu gross.» Die CDU-Fraktion jubelte ihm zu: Auf diesen glänzenden Redner hatte sie gewartet.
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Und nun? Merz hat zu viel versprochen und viel zu wenig gehalten. Die AfD wollte er halbieren und erreichte das Gegenteil. Die «gesichert rechtsextreme Partei AfD» führt mit 27,4 % vor Merz` CDU/CSU mit 21,8% der Befragten. Bedeutsamer ist noch, dass seiner grossen Selbstgewissheit zu wenig soziale Kompetenz gegenübersteht, um eine Koalitionsregierung erfolgreich zu führen. Woher sollte diese Erfahrung auch kommen? Zuvor trug Merz nie Regierungsverantwortung. Ebenso wenig musste er je ein breit zusammengesetztes, heterogenes Team führen und auf eine gemeinsame Linie bringen. Seine Umfragewerte sind, wie aufgeführt, ungewöhnlich tief im Keller Die aktuelle Regierungsumbildung endete im Desaster, anstatt einen Aufbruch auszulösen. Am 6. September wählt Sachsen-Anhalt ein neues Parlament. In den entsprechenden Umfragen liegt die AfD mit rund 41 Prozent weit vor der CDU. Es droht ein politisches Wetterleuchten der Sonderklasse. Wollen die demokratischen Kräfte eine AfD-Alleinregierung verhindern, müssen sie jetzt handeln.
Wenn Merz die miserable Ausgangslage erfassen und aufrichtig ernst nehmen würde, müsste er sich ein Herz fassen und seinen Abgang jetzt einleiten – nicht erst nach verlorenen Wahlen in den ostdeutschen Bundesländern, wie dies beispielsweise das deutsche Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» vermerkte. Damit würde er der CDU/CSU und der Koalitionsregierung mit der SPD die Chance auf einen Neuanfang eröffnen. Er könnte die politische Bühne als Staatsmann mit grossem Verantwortungsbewusstsein verlassen. Mit Hendrik Wüst (51), dem Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, stünde ein möglicher Nachfolger bereit, der bereits über Regierungserfahrung verfügt. Merz müsste ihn dazu bewegen, diese Verantwortung zu übernehmen.
Merz müsste dabei auch eine Ironie der Geschichte bedenken: Bereits 1932, noch vor Adolf Hitlers Machtübernahme in Deutschland, ging die NSDAP bei vorgezogenen Neuwahlen in Sachsen-Anhalt als stärkste Kraft hervor. Sachsen-Anhalt wurde damit zum ersten Land mit einer nationalsozialistischen Regierung. An ihrer Spitze stand das SS-Mitglied Alfred Freyberg (1892–1945) als Ministerpräsident. Die AfD ist zwar nicht mit der NSDAP gleichzusetzen. Ihr Landesverband in Sachsen-Anhalt wird vom dortigen Verfassungsschutz jedoch als «gesichert rechtsextremistisch» eingestuft.
Tröstlich ist, dass im demokratisch verfassten Deutschland – anders als in Russland – politisches Handeln möglich ist, um eine Machtübernahme demokratiefeindlicher Kräfte zu verhindern. Dafür braucht es Glaubwürdigkeit und mutiges Handeln.
In den USA könnten die Zwischenwahlen im November 2026 Trump einen Dämpfer versetzen und seinen Handlungsspielraum begrenzen. Der Ukraine ist zu wünschen, dass Trump sich ihr annähert und endgültig von Putin abrückt. Mit der grossen Mehrheit der iranischen Bevölkerung bleibt zu hoffen, dass sie im Kampf gegen das grausame Regime ihre stille, aber nachhaltige Kraft bewahrt. Und wir sind aufgerufen, sie angemessen zu unterstützen, ohne sie zusätzlich zu gefährden.


Sehr guter Artikel, nur mit dem Nachfolger für Merz, bin ich nicht einverstanden. Es gibt nut einen, der es wirklich und im Interesse aller Bürger, richten könnte und das ist Daniel Günther!
Wann wird A.Schaller endlich aus dem «Feld» gezogen? Seine Artikel strotzen für mich immer von politischer Einseitigkeit, Gejammer und Besserwisserei. Zum Artikel: Timmer Trump als der grosse Bösewicht! Dass Putin Krieg führt, massiven ! im Vergleich zu Trump,, vermutlich täglichHhunderte von Soldaten und immer auch Zivilisten getötet werden, ist kein Thema für Schaller – aber Trump, die Inkarnation des Bösen
Warum so aggressiv und persönlich Herr Thurnheer? Hier bringt man seine eigenen Ansichten möglichst sachlich zu einem Thema ein. Wenn Sie die auf dieser Plattform, qualifizierten und sehr engagierten, notabene unentgeltlich arbeitenden Schreiber:Innen, beleidigen wollen, sind Sie in gewissen Sozialen Medien und deren Schimpfblasen besser aufgehoben.
Jürg Thurnheer schreiben sie eine Artikel der dem Niveau von Anton Schaller entspricht und Glaubwürdig ist.
Ich finde Herr Schaller hat grosser Erfahrung und sein Artikel sind immer Sachlich und begründet.
Es wäre ein grosser Verlust Herr Schaller aus dem Feld zu ziehen.
Freue mich auf eine Artikel von Herr Thurnheer.
Ja, der Herr Schaller… bitte den Stecker ziehen. Er denkt sehr, sehr einseitig. Kommt er nicht auf die Idee, dass Putin Gründe haben könnte, keine Nato vor seiner Haustüre zu wollen? Putin hat es jahrelang im Guten versucht und ist jahrelang von den USA und der EU hintergangen worden. Sollte er einfach abwarten, bis die NATO sich in der Ukraine festsetzt? Erinnert sich Herr Schaller noch an die Reaktion der USA, als Russland mit Raketen in Kuba anrücken wollte? Haben sie die willkommen geheissen? Eben. Wenn 2 das selbe tun ist es offenbar doch nicht das selbe…
Ich bin überrascht, dass Herr Schaller als Mitglied einer Partei, die bis vor einigen Jahren ein grosses C im Namen hatte, sich überhaupt nicht um das menschliche Elend dieses Krieges zu kümmern scheint. Wenn die Waffenlieferungen des Westens endlich gestoppt würden, müsste Selensky endlich aufgeben, aber auch bei ihm fehlt es an Einsicht, und darum geht er ungeniert weiter auf Betteltour und hat keine Hemmungen, junge Ukrainer und Russen weiterhin als Kanonenfutter zu verheizen. Ihm passiert ja nichts… und der unmögliche Merz ist im gleichen Spittel krank. Herr, erlöse uns…
Sind Sie der vom Radio SRF? egal. Bitte schön Herr LaMar, wer hat denn diesen brutalen Krieg vor vier Jahren
gegen den souveränen und unabhängigen Staat Ukraine angefangen? Ohne die Menschenrechtskonvention oder das Europäische Abkommen über die Anerkennung souveräner Staaten zu respektieren? Und nur weil dieser geistesgestörte Herrscher Putin seinen Grössenwahn von einem Grossrussland wie zu Stalinszeiten realisieren will. Es mag sein, dass von westlicher Seite, sprich Deutschland, Fehler gemacht wurden. Frau Merkel und ihre Regierung hat sich vom eiskalt berechnenden ehemaligen KGB Mitarbeiter (er hat ja nichts anderes gelernt) an der Nase herum führen und täuschen lassen.
Dass Sie Herr LaMar, nach all den vielen Toten in der Ukrainischen Bevölkerung und der Soldaten auf beiden Seiten, der gezielten, furchtbaren Zerstörungen von Infrastruktur und Lebensmöglichkeit in der Ukraine und den Millionen Flüchtlingen, ein solches Statement abgeben, macht mich zutiefst betroffen.
Was die Kommentare von Herrn Schaller zu diesem Thema betrifft, sind seine engagierten aktuellen Berichte jederzeit nach lesbar. Wikipedia hat zudem eine umfangreiche Biographie des Diktators Putin bereitgestellt. Ich hoffe, Sie erweitern ihrem Horizont.
Grüezi Jürg Thurnheer, grüezi LaMar
Man kann sich ja mal irren! Ihre beiden Beiträge wären sicher bei Herr Köppels «Weltwoche» oder Rimoldis «Schweizer Monat» willkommen. Die sind sich an verdrehte Fakten und Ostpropaganda gewohnt. Und an persönliche Ungehörigkeiten. Ich erlaube mir den kleinen Hinweis, Anton Schaller politisierte für den LdU, Landesring der Unabhängigen. Na ja, Recherche ist zuweilen Glücksache.
La Mar’s Beitrag könnte von Putins Geheimdienst geschrieben worden sein. Merz ist zu bdauern, weil das Bleigewicht seines Koalitionspartners jede vernüftige Reform verunmöglicjt.7