Bea Heim, die Präsidentin der Vasos, hat im August 2023 bereits einen Appell auf Seniorweb publiziert mit dem Titel «Hitzeschutzmassnahmen rasch umsetzen». Was wurde getan? Was ist zu tun?
Im Seniorweb-Artikel von 2023 hat Bea Heim einen besseren Hitzeschutz gefordert angesichts der zunehmenden Hitzewellen, die vor allem älteren Menschen, Kindern, Kranken und Pflegebedürftigen zu schaffen machen und die im Extremfall sogar zum Tod führen. Sie hat schon im damaligen Artikel kurz-, mittel- und langfristige Massnahmen für einen besseren Hitzeschutz gefordert. Da wir im Sommer 2026 in der Schweiz und in vielen Gebieten Europas wieder unter gravierenden Hitzewellen leiden, fragt Seniorweb bei Bea Heim nach.
Seniorweb: Bea Heim, was wurde in den letzten Jahren für einen besseren Hitzeschutz getan?
In einigen Gemeinden und Städten wurde die Bevölkerung für Hitzeschutzmassnahmen mit Flyern und Briefen sensibilisiert, kühle Orte wurden geschaffen und Hitzeaktionspläne formuliert. Das Schaffen von Schwammstädten, die Entsiegelung von Böden, die Begrünung von Städten wird aber zu zaghaft an die Hand genommen.
Allerdings weiss die Schweiz heute sehr genau, welche Risiken Hitze für ältere Menschen, Kinder und Kranke mit sich bringt. Ein nächster Schritt besteht darin, Hitzeschutz als verbindlichen Qualitätsstandard für Alters- und Pflegeheime sowie als Planungsgrundsatz für Spitäler und Schulen zu verankern.
Bea Heim, Präsidentin der Vasos
Wie können sich vor allem Ältere sofort konkret vor Hitze schützen?
Ob in Alters- oder Pflegeheimen oder zuhause können unmittelbar altbekannte Hitzeschutzmassnahmen helfen wie: Frühmorgens und nachts lüften; Räume mit direkter Sonneneinstrahlung tagsüber beschatten; Storen, Rollläden und Vorhänge konsequent nutzen; genügend trinken; Körper kühl halten durch leichte Kleidung, leichte Bettwäsche; kühlende Duschen oder Bäder; kalte Tücher auf Stirn und Nacken; kalte Fuss- und Handbäder. Neueren Datums ist die Kühlung von Räumen mit Klimageräten und Ventilatoren.
Was muss mittelfristig getan werden?
Mittelfristig sind Lebensräume besser vor Hitze zu schützen, da Hitzewellen in Zukunft wiederkehren werden. Dies gilt nicht nur für Wohnungen und Häuser, sondern auch für Arbeitsräume, Heime und Schulen: Sonnenschutz verbessern, durch bessere Beschattung, wie Storen und Begrünung der Umgebung; Dach- und Fassadendämmung verbessern. Spätestens bei Renovationen und Neubauten muss Hitzeschutz künftig mitgedacht werden. Gute bauliche Lösungen schützen im Sommer vor Überhitzung, senken im Winter den Heizenergiebedarf und reduzieren dadurch CO₂-Emissionen und Energiekosten.
Und langfristig?
Seniorinnen und Senioren machen sich Sorgen um die Lebensqualität der nachfolgenden Generationen. Vertrocknete Böden, Waldbrände, Fischsterben, Murgänge, Überschwemmungen usw. sind dramatische Warnzeichen, dass es so nicht weitergehen kann. Sich vor den gesundheitlichen Auswirkungen der Hitze kurz- und mittelfristig zu schützen, genügt nicht. Hitzeschutz ist als Thema des Bevölkerungsschutzes, der Gesundheitspolitik und der Infrastruktur zu behandeln. Die Ursachen der Klimakrise dürfen dabei nicht durch das Kleinreden der Klimaproblematik verwedelt werden.
Steigt die Erderwärmung weiter an, werden häufigere Hitzewellen, Naturereignisse und gesundheitliche Belastungen zunehmen. Damit steigen die Probleme und die Kosten für die Bewältigung der Folgen des Klimawandels, und stellen Gesellschaft, Infrastruktur und Gesundheitssysteme vor immer grössere Herausforderungen. Deshalb sind vorausschauende Massnahmen auf lokaler, nationaler und auch internationaler Ebene notwendig, um Menschen und Umwelt besser zu schützen.
Bea Heim, besten Dank für das Gespräch!
Links:
- Seniorweb-Artikel von Bea Heim vom 9. August 2023
- Seniorweb-Artikel: Gute Nacht bei dieser Hitze!
- Verhaltensempfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit zum Schutz vor Hitze
Titelbild: Den Sonnenaufgang geniessen – oder sich vor trockenen Böden und Waldbränden fürchten? (Foto von Pixabay)

