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Chorgesang ist Friedensarbeit

Demnächst hierzulande mit dem Chorprojekt «Wind of Change»: Nachrichten aus Israel und Palästina sind Alltag. Die Fronten der Kriegsparteien sind verhärtet, es geschieht unmenschliches Leid. Aber es gibt auch friedliche Zusammenarbeit zwischen Israeli und Palästinensern.

Die Rockballade Wind of Change – die Hoffnung auf Völkerverständigung und das Überwinden der Grenzen – war der Song, mit dem die Scorpions 1990 auf das Tauwetter in der Sowjetunion reagierten. Die Metapher Hoffnung auf Wandel bleibt. Sie gilt für alle Krisengebiete der Welt auch für Israel und Palästina. Darum hat der Autor Klaus Meine den geschützten Titel für dieses Projekt gern freigegeben.

Chornoten in arabisch, hebräisch, rätoromanisch

Das Chorprojekt Wind of Change – ein palästinensisch-israelisches Come Together bringt junge Menschen aus Israel und aus dem palästinensischen Ost-Jerusalem zusammen. Gemeinsam mit dem Schweizer Chor Interkultur erarbeiten sie im abgelegenen Bündner Bergdorf St. Antönien ein Konzertprogramm, das in verschiedenen Schweizer Städten aufgeführt wird. Sie singen über Trauer und Schmerz und über Hoffnung auf Frieden. Sie wollen damit den vielen friedlich gesinnten und auf gleichberechtigte Koexistenz bedachten Menschen aus dem konfliktreichen Nahen Osten eine Stimme verleihen.

Maayan Baram und Fortunat Frölich

Die israelische Gastdirigentin Maayan Baram leitet das palästinensisch-israelisch-schweizerische Programm. Sie schloss unlängst in Zürich ihr Musikstudium in Chorleitung ab und wurde von Fortunat Frölich, dem künstlerischen Leiter des Chors Interkultur, für das gemeinsame Projekt Wind of Change angefragt. Spontan sagte sie zu, weil sie ähnliche musikalische Projekte der Begegnung aus ihrer Heimat kennt.

Der Jerusalem Knights Choir aus Jerusalem

Die palästinensischen Sängerinnen und Sänger des Jerusalem Knights Choir sind mehrheitlich katholische Palästinenser aus Ostjerusalem. Das hebräische Ensemble Sonora kommt aus Tel Aviv. Beide Chöre erarbeiteten während der letzten Monate das Konzertprogramm mit traditionellen arabischen, hebräischen und schweizerischen Stücken, interkulturellen Kopositionen und zeitgenössischen Chorwerken. Und in der Schweiz probte Maayan Baram mit dem Chor Interkultur.

Das Ensemble Sonora aus Tel Aviv

Auch hierzulande gibt es Antisemitismus und Antiislamismus, aber, sagt Maayan: «Hier ist es möglich, hebräische und arabische Musik zu spielen, was man in der Schweiz nicht oft hört. Es ist spannend, den palästinensischen Kanun, die orientalische Kastenzither, kennenzulernen. Die Leute sollen mit offenen Ohren kommen, das ist mein Wunsch. Dieses Projekt löst nicht alle Probleme, das ist klar, aber es soll frischen Wind bringen.»

Wer sich mit einer Kultur und Sprache auseinandersetzt, konkret bedeutet das, Liedtexte auf Arabisch und Hebräisch zu lernen, zu verstehen und zu singen, bekommt einen vertieften Zugang zu dem Anderen, dem Fremden, das uns leider ab und zu als Hassrede und Diffamierung begegnet.

Maayan Baram bei der Probenarbeit mit dem Chor Interkultur. Foto: © Anne-Catherine Eigner

Chordirigentin Maayan Baram sieht in den Konzerten eine Ausnahmegelegenheit, die Musik des Nahen Ostens bei Konzerten zu erfahren: «Es ist sehr speziell und einmalig, was das Publikum zu hören bekommt. Unsere Musik ist auch ohne politische oder gesellschaftliche Hintergründe etwas Besonderes, von Leuten gespielt und gesungen, die diese Sprachen sehr gut kennen.»

Zu dem einmaligen Projekt haben sich zwei bekannte Friedensaktivisten, der Israeli Rami Elhanan und der Palästinenser Bassam Aramin in einem Dankeswort geäussert. Beide haben im Konflikt eine Tochter verloren und aus der Trauer einen Weg zu gemeinsamem Handeln gefunden. Hier das Statement in deutscher Übersetzung:


Echter Wandel beginnt nicht mit Verträgen – er beginnt mit dem Zuhören.
Dieses Projekt wagt es, einen Raum zu schaffen,
in dem israelische und palästinensische Stimmen zusammen singen, nicht gegeneinander.
Möge die Arbeit des Chor Interkultur
viele Menschen dazu inspirieren, daran zu glauben,
dass Verständigung möglich ist.
Wir sind zutiefst dankbar für diese Initiative.


Die Idee, sich über einen musikalischen Weg im Chorgesang zu verständigen, sich anzunähern und aufeinander zu hören, ist Fortunat Frölichs langjähriges Ziel mit seinem Chorprojekt des interkulturellen Austauschs. Diesmal ist die Reise in ein anderes Land als kleiner Beitrag des Kennenlernens unmöglich, aber für die Gäste aus dem Nahen Osten und die Gastgeber eine ganz spezielle Gelegenheit, sich über Musik zu nähern. «Was wir machen können, ist unsere Nachbarn besser kennenzulernen. Wir proben gemeinsam und kommen gut miteinander zurecht. Aber es gibt Themen, über die wir nicht sprechen, das verstehen alle. Unsere Meinungen sind wahrscheinlich sehr ähnlich, alle wünschen sich eine Zusammenarbeit. Doch wir sind sehr empfindlich.»

Der Chor Interkultur mit dem bosnischen Partnerchor bei einem Konzert in Sarajevo.

Für Maayam ist Fortunat ein Vorbild. «Er zeigt, dass Musik etwas verändern kann: Es funktioniert ähnlich wie Luft. Es geht nicht um das Demonstrieren von Gewalt. Auch wenn wir sehr kraftvolle Bewegungen mit der Luft machen – Luft gehört zum Singen – ändern wir Dinge auf eine subtile Art und Weise.»


Gemeinsame Probenarbeit in St. Antönien (zVg)

Es ist eine verrückte Idee, mit einem israelischen und einem palästinensischen Chor ein Konzertprogramm für ein Schweizer Publikum aufzustellen und das, während im Nahen Osten Krieg ist: «Auch Krieg ist eine verrückte Idee!», sagt Maayan, «Metall und Raketen in andere Länder schicken. Verrückt! Ich möchte dem auf eine sanfte Art musikalisch begegnen.»

Titelbild: Das ist eine Einladung ans Publikum: Es ist etwas sehr spezielles, einmaliges, was das Publikum zu hören bekommt. Foto: © Dieter Kubli

Konzertdaten: 
Chur, Martinskirche: 19. August, 19 Uhr; St. Gallen Lokremise: 20. August 19 Uhr; Bern Heiliggeistkirche: 21. August, 19.30 Uhr; Basel Kulturkirche Paulus 22. August, 19.30 Uhr;  Zürich offener St. Jakob: 23. August, 19 Uhr.
Tickets gibt’s bei Eventfrog
Weitere Informationen gibt es auf der Homepage des Chor Interkultur

 

 

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4 Kommentare

  1. Dieser Artikel ist reines Wohlfühl-PR. Während im Nahen Osten weiter gestorben, zerstört und besetzt wird, feiert Seniorweb ein Chorprojekt, bei dem sorgfältig ausgewählte katholische (!) privilegierte Palästinenser aus Ostjerusalem und vergleichsweise liberale
    Israelis aus Tel Aviv in der Schweiz gemeinsam singen und dabei ausdrücklich „über die schwierigen Themen nicht sprechen“. Wo bleiben Westbank? Gaza? Muslime?

    Das ist kein Friedensbeitrag. Das ist Ablenkung und Whitewashing. Man holt die am wenigsten unbequemen Stimmen beider Seiten in die idyllischen Schweizer Berge, lässt sie Hoffnung singen und gibt dem Publikum das gute Gewissen, „etwas getan“ zu haben.

    Die eigentliche Realität – Besatzung, Gewalt, Machtverhältnisse – bleibt draußen vor der Kirchentür.

    Dass ausgerechnet die katholische Minderheit und ein Tel-Aviv-Ensemble die „palästinensisch-israelische“ Begegnung repräsentieren sollen, macht die Sache nicht besser, sondern durchsichtiger. Das ist keine Brücke. Das ist eine gut kuratierte Illusion, um von den abscheulichen Verbrechen – ethnic cleansing und Genozid – von Israel am palâstinensischen Volk abzulenken und do zu tun, als wären das gleichberechtigte Menschen am Werk. Es gibt keinen Frieden unter Okkupation und Genozid. Nur Unterwerfung unter den Status quo.

    Solche Veranstaltungenr tragen dazu bei, die Leite ruhig zu halten, so dass sich politisch nichts ändert und weiterhin täglich palästinensische Menschen von Israhell abgeschlachtet werden. Der Chor singt dazu.

    • Ich stimme Herr Bataglia zu.
      Schade, dass Bemühungen ausserhalb des Konfliktes, so negativ und herabwürdigend kommentiert werden.
      Ich wünsche den Chorsingenden viel Mut.

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