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Baumriesen im Jura

Unser Wald dient nicht nur dem Klima und der Holznutzung, ein «sentier des géants» dient auch der Erholung und Inspiration.

Farne, Moose, allerlei kleinere, teils blühende Pflanzen und Büsche in Bodennähe, auf Augenhöhe und darüber junge, filigran wirkende Bäumchen neben ihren Nachbarn, gewaltigen Baumriesen, deren Kronen eine Decke oder ein Gewölbe bilden, nur zu erkennen, wenn man den Kopf in den Nacken legt. Auf dem «sentier des géants» spürt man unweigerlich die Kraft und Schönheit der Natur. Solcher Wald beruhigt aufgeregte Gemüter; für Naturverbundene symbolisieren solche Bäume Stütze und Schutz. Sie fordern unweigerlich Achtung und Respekt vor den Gesetzen der Natur.

Ein solcher Wald gehört der Gemeinde Baulmes im Waadtland, am Fusse des Juras südwestlich von Yverdon gelegen, und zeichnet sich dadurch aus, dass dort besonders alte und besonders grosse Bäume wachsen und von der Gemeinde seit langem gepflegt werden, ja umsorgt werden, dokumentiert man doch regelmässig das Wachstum einzelner Baumriesen. Diese stehen allerdings ziemlich weit vom Ort entfernt auf ca. 1200 m. ü. M., denn die Gemeinde besitzt oben auf den Höhen ausgedehnte Waldgebiete. Der eindrucksvollste Baum – eine Tanne – «Le Sapin Président» (links) ist ungefähr 300 Jahre alt und besitzt einen Umfang von mehr als viereinhalb Metern, ein wunderschöner Baum, von dem man glauben könnte, er wüchse in den Himmel, umgeben von anderen, weniger spektakulären Bäumen von ebensolcher Schönheit.

Für den sorgfältigen Umgang mit ihren Wäldern hat die Gemeinde im Juni 2015 den Binding Waldpreis erhalten. Die Begründung für die Preisverleihung steht unter dem Titel: «Uraltbäume – Zeichen der Nachhaltigkeit». Dazu gehört der Schutz von Uraltbäumen (Habitatbäumen), seit 1966 in Baulmes praktiziert, eine effiziente Massnahme für die Artenvielfalt sowie die gute Austarierung von Baumschutz und Holznutzung. Habitatbäume – ein Begriff der Waldbiologen und -ökologen – haben einen besonderen Wert: Je grösser die Krone, desto mehr Tieren bieten sie Lebensraum. Für den Artenschutz spielen diese Bäume eine grosse Rolle und erhöhen die Stabilität des Waldes.

Seit 1987 vergibt die Sophie und Karl Binding Stiftung jährlich den Binding Waldpreis an Schweizer Waldbesitzer, die sich in vorbildlicher Weise langfristig für die Pflege und Erhaltung ihres Waldes einsetzen. Es ist der bedeutendste Preis in der Schweiz, der die Pflege der gewachsenen Umwelt durch die Preissumme (dieses Jahr CHF 200’000) unterstützt. Seit 14 Jahren steht die Preisvergabe unter einem definierten Thema. Frühere Preisträger waren nebst vielen anderen der Forst Goms VS; die Forstbetriebsgemeinschaft Am Blauen SO/BL; das Kloster Einsiedeln; die Ortsbürgergemeinde Bülach.

Baulmes verfügt noch über ein anderes Waldstück, in dem sehr alte Bäume wachsen. Östlich vom Dorfrand auf ca. 660 m ü.M. verläuft der «Sentier Feurtille», der uns zum «Chêne Président» (links)  führt, einer mächtigen, ca. 250 Jahre alten Eiche, im Jahre 2006 war sie 35 Meter hoch und besass einen Umfang von 4,05 m. Dieser Pfad hat verschiedene Stationen, die von Schulkindern liebevoll gestaltet wurden. So liest man zu «Chêne Président», dass die älteste und grösste Eiche von Europa ebenfalls im Schweizer Jura steht, in Châtillon bei Courrendlin JU, sie ist mehr als 1000 Jahre alt und hat einen Umfang von 8,40 Metern.

Wer den «sentier des géants» begehen möchte, kann mit dem Auto über den Col de l’Aiguillon› bis zu einer Schutzhütte fahren, von dort aus sind es einige Schritte bis zum Beginn des Waldpfades. Der Wanderweg von Baulmes aus ist lang und zunächst äusserst steil. Wer wandern möchte, geht besser von Ste. Croix oder von L’Auberson aus.

Schliesslich überrascht der kleine Ort noch mit baulichen Sehenswürdigkeiten: Die schön restaurierte Kirche, in der sich einige romanische und gotische Teile befinden, leuchtet hell vor den dunkelgrünen Wäldern der steilen Kalkfelsen des Jura. Im Dorf sieht man weitere Zeugnisse der langen Geschichte.

Gemeinde Baulmes VD

Sophie und Karl Binding Stiftung

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