StartseiteMagazinKolumnenMonetäre Erlöser und sensende Bauern

Monetäre Erlöser und sensende Bauern

Kann Geld erlöst werden? Wer Printmedien genau liest, muss diese Frage klar mit Ja beantworten. Ganz ohne Religion oder Esoterik.

Im Duden stehen sie ganz nahe beieinander, der Erlös und der Erlöser. Was aber noch lange nicht heisst, dass sie beliebig austauschbar sind. Oder doch? Bei einer Versteigerung erlöst ein Käufer eine Million Franken. So steht es in der Zeitung. In einem anderen Fall wurde aus einem Verlustgeschäft noch ein rechter Betrag erlöst. Stellt sich die Frage, wovon diese Gelder erlöst werden mussten – Dornröschen wurde vom Prinzen erlöst, der Froschkönig von einer Prinzessin. Aber kann Geld erlöst werden? Vielleicht, wenn man es mit vollen Händen ausgibt? Und wer, bitte, ist der Erlöser?

Das Los mit der Lösung

Umformuliert bekommen die Mitteilungen plötzlich Hand und Fuss: Aus einer Versteigerung, einem Geschäft kann durchaus ein Erlös resultieren. Aber das Verb zu diesem Vorgang heisst lösen. Es wurden eine Million Franken gelöst. Was wiederum nicht unbedingt eine Lösung ist, denn auch ein Rätsel kann gelöst werden. Oder eine Handvoll Salz in einem Becher Wasser. So viele Lösungen und weit und breit kein Erlöser! Manchmal bin ich froh, dass ich Deutsch nicht als Fremdsprache lernen muss.

Dass die Verwandschaft von Verben und Substantive nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich ist – und deshalb auch nicht einfach so übertragen werden kann – zeigt auch der folgende Satz: Der Bauer senst immer noch von Hand. Was tut dieser Bauer? Er mäht das Gras, mit der Sense, von Hand. Nur sensen tut er deshalb noch lange nicht. Der Bäcker brotet schliesslich auch kein Brot, die Rose rost nicht und in der Küche wird nicht gekücht. Und ein Journalist sollte – nichts anderes als deutsch schreiben können.

Holprige Aufzählung

Im Social Media-Bereich werde getwittert und fabuliert, erstunken und erlogen. So steht es in einer (sozial-)kritischen Betrachtung. Nur hinkt diese Aufzählung, das heisst, hier wurden Verben und Adjektive vermischt. «Getwittert» und «fabuliert»sind konjugierte Verben, im zweiten Teil des Satzes müsste somit «gelogen» werden und der stinkende Teil fällt ganz weg. Erstinken kann man eine Geschichte nämlich nicht. «Erstunken» bleibt Adjektiv und kommt nur in Begleitung von «erlogen» vor.

Wer war der Täter?

Zum Schluss noch eine Art stilistisches Vexierbild: «Lenkerin rammte zwei Leute». Das ein Titel, der zum Weiterlesen animiert. Denn da eröffnen sich Fragen über Fragen. Was heisst hier Lenkerin? Velos haben einen Lenker, Kinderwagen können gelenkt werden, ein Fallschirm auch. Und womit rammte sie? Mit dem Kopf, dem Ellbogen, dem Hinterteil? Oder ist hier amänd eine Autofahrerin gemeint? Ja, und rammte dann nicht das Auto? Ich sag es doch: Fragen über Fragen.

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