FrontGesellschaft„Neue Weiblichkeit im Alter“

„Neue Weiblichkeit im Alter“

Über 60 aufmerksame Frauen und wenige Männer jeden Alters verfolgten im Hotel Metropol in Zürich die acht Referate zum Thema: „Neue Weiblichkeit im Alter“.

Renommierte Referentinnen beleuchteten am 1. September das Tagungsthema «Neue Weiblichkeit im Alter». Durch die von der Stiftung Tertianum durchgeführte Tagung führte kompetent und humorvoll Angela Winkelmann, Präsidentin des Stiftungsrates Tertianum. Da die Referate in den nächsten Tagen auf www.senline.net aufgeschaltet werden, konzentriere ich mich auf Kernaussagen der Vortragenden.

Über 60 Frauen und einige Männer besuchten die Tagung»Neue Weiblichkeit im Alter» im Hotel Metropol in Zürich.

Der Körper besitzt ein „Reparaturgen“

Prof. Gabriela Stoppe erläuterte biologische und medizinische Aspekte des Themas. Sie wies uns darauf hin, dass der Körper ein „Reparaturgen“ besitze und sich bei Schädigungen immer wieder selbst „repariere“. Nicht die ursprüngliche Vollkommenheit wird wieder hergestellt, aber das Überleben immer wieder gesichert!

Brigitte Stemmer, Professorin an der Université de Montréal.

Prof. Brigitte Boothe nahm sich die Psychologie der Weiblichkeit vor, auch Sigmund Freud wurde gebührend erwähnt. Sie machte die Interaktion zwischen der Herkunft (z.B. aus einem Bauerndorf), dem Hintergrund (z.B. psychische Krankheiten belasteten die Herkunftsfamilie), dem Positionsbezug des Individuums und dessen Möglichkeit, seinerseits in seiner Umgebung Wirkung zu entfalten, verstehbar.

Prof. Brigitte Stemmer referierte über das weibliche Gehirn und dessen Unterschiede zum männlichen Gehirn. Sie ging auf die alte Frage ein, ob Weiblichkeit und Männlichkeit angeboren und anerzogen seien? Das Fazit war: teils, teils!

Karin van Holten von Careum Forschung.

Sehr praxisbezogen war das Thema von Karin van Holten: ”Erwerbstätigkeit und Angehörigenpflege aus einer weiblichen Optik“. Zwar skizzierte sie eine „Dual Earner-Dual Carer“-Zukunft. Diese scheint aber aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Gegebenheiten nicht unmittelbar bevorzustehen, die Hauptlast wird noch lange auf den Frauen liegen. Ausserfamiliäre Lösungen drängen auf den Markt, sind aber nur für eine schmale Schicht erschwinglich. Eindringlich machte sie auch auf die Konsequenzen entsprechender Einsätze durch Familienangehörige auf AHV und BVG aufmerksam. Wobei die Betreuungsgutschriften der AHV hier einen grossen Fortschritt darstellen.

Ruth Derrer Balladore vom Schweizerischen Arbeitgeberverband.

Ruth Derrer Balladore sprach über „Übergang vom Beruf in die nachberufliche Phase bei Frauen“, wobei hier die allgemeine Problematik älterer Arbeitsnehmenden, sie ist bei den älteren Frauen akzentuiert, und die Flexibilisierung des Pensionsalters zum Zuge kamen.

Eigene Bedürfnisse anmelden

Unter dem Titel „Frauengerechte Wohnformen“ orientierte Margrit Hugentobler eingehend darüber, was heute an konkreten Projekten und an Ideen auf dem Markt ist. Natürlich stehen ältere Singles im Blickpunkt. Dabei sind es auch die Paare, für die der Übergang in die traute Zweisamkeit des Ruhestandes räumlich zu einem Problem werden kann. Immer noch werden diese Zukunftsvisionen mehrheitlich von Architekten lanciert, Architektinnen haben auch heute noch Seltenheitswert.

Sehr interessant waren die Beobachtungen von Elisabeth Michel-Alder zur Frage „Ältere Kundinnen – braucht es spezielle Angebote?“ Auf die Beispiele: schlechte Platzierung im Restaurant, Sitzkissen statt Stühle in einem Konzert mit moderner Musik, gibt es nur eine Antwort: die eigenen Bedürfnisse anmelden oder verzichten!

Ein wahres Feuerwerk zündete Heidi Witzig, die mit einem Streifzug durch die Geschichte die Frage beantwortete: „Was ist eine richtige Frau?“ Und sie entliess die Zuhörenden mit einer Schilderung der heutigen Situation älterer Menschen, älterer Frauen, und dem Aufruf: „Jede und jeder ist für sein Alter selbst verantwortlich. Jede und jeder muss selbst herausfinden, wofür sein inneres Feuer brennt!“.

Nicht unerwähnt blieb auch in diesem wie in anderen Referaten die Tatsache, dass die Altersarmut weiblich ist. Hier ist noch viel zu tun! Überhaupt bot die ganze Tagung neue Erkenntnisse, alte Fragestellungen in neuem Gewand und überraschende Denkanstösse.

Es gab Pausen zum Austauschen, leckere Mittagsverpflegung, musikalisch untermalte Bewegungssequenzen. Heiterkeit prägte die Tagung! Das Konzept stammte von Prof. Helmut Bachmaier, Stiftungsrat der Tertianum-Stiftung. Er amtete als charmanter Gastgeber und stand für vertiefende Gespräche im Hintergrund zur Verfügung.

Lockerungsübungen zwischen den Referaten (Bilder: Tertianum-Stiftung)

 

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