FrontGesellschaftPolitik und Humor! Geht das zusammen?

Politik und Humor! Geht das zusammen?

Das ist sogar eine Zwangsgemeinschaft. Das eine wäre ohne den Part des anderen unausstehlich. Das gilt auf jeden Fall für die Politik!

Das Buch „Schweizer Politik – zum Lachen“ von René Hildbrand, illustriert von Ted Scapa, nahm ich mit einiger Skepsis zur Hand. „Minger-Witze“ hatte ich im Verlaufe meines Lebens zur Genüge gehört. Immer dieselben! Von Bundesrat Adolf Ogi hingegen blieb mir eine hübsche Anekdote in Erinnerung. Der Bundesrat bestieg in Bern ein Taxi, lies es bei jeder Kirche anhalten, kam enttäuscht aus der Kirche wieder heraus und stieg abermals ein. „Was suchen Sie denn, Herr Bundesrat?“, fragte schliesslich der Chauffeur. „Ich bin eingeladen“, sagte der Magistrat, „zu Figaros Hochzeit!» Ich gebe zu, dass ich damals selbst kurz nachdenken musste. Was war jetzt schon wieder „Figaros Hochzeit“ und von wem? Adolf Ogi kommt übrigens in Hildbrands Buch auch vor. Aber nur einmal und in einem gewichtigeren Zusammenhang.

Das Praktische an diesem Buch ist das Inhaltsverzeichnis. Die Namen der Betroffenen, von Politikerinnen und Politikern und anderen „Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens“, werden alphabetisch aufgeführt und mit Seitenhinweisen versehen. Da lassen sich unzählige Spiele veranstalten. Sind alle sieben Bundesräte berücksichtigt? Das ist die erste Frage. Sie sind. Diese Antwort ist ungeheuer wichtig. Schreibt doch der Autor in seinem Vorwort: „Über bedeutungslose Politiker gibt es keine Witze“. Nicht auszudenken, was für einen Schaden er angerichtet hätte, wenn er auch nur ein Mitglied der Landesregierung ausgelassen hätte!

Selbstverständlich lassen sich auch Parteiprofile ablesen! Mit Namen, ohne Namen werden einschlägige Aussagen weiter geleitet. Und wenn da behauptet wird: „CVPler antworten oft und gerne mit einem klaren, unmissverständlichen und entschiedenen Vielleicht“, mache ich Gewissenserforschung und gebe zu, dass ich „vielleicht“ auch einmal so geantwortet habe.

Es gibt in diesem Buch auch abgründig Tiefes zu lesen. Da heisst es etwa: „Die einzige Randgruppe, die in der Schweiz häufig nicht ernst genommen wird, ist der Bundesrat“. Eine perfekte Formulierung!

Auch ein Lösungsvorschlag für die Sanierung der AHV wird präsentiert: „Ab 2017 dürfen die Rentner bei Rot über die Strasse gehen, ab 2020 müssen sie!“ Der Korrektheit halber deklariere ich: ich habe dieses Zitat aus dem Zusammenhang gerissen!

Etwas gestockt hat mir der Atem, als ich las: „ Ein deutscher Tourist hört im Autoradio auf SRF 1 ein Statement von SVP-Nationalrat Andreas Glarner und meint dann zu seiner Frau: „Ich wusste gar nicht, dass Donald Trump so gut deutsch spricht.“ Chapeau, aktueller geht es ja wohl nicht mehr!

Ein kurzes Kapitel im Buch kann ich bei aller Grosszügigkeit nur mit einem Wort charakterisieren, das sowohl in Deutsch als auch in Englisch mit dem Buchstaben B beginnt und mit dem Buchstaben t aufhört. Der Autor wagt sich an das Thema des „Gender-Mainstreaming“! Aber ich mache Zugeständnisse. Seine Frage, warum es eigentlich keine Sohngesellschaften gebe, wenn es doch Tochtergesellschaften gibt, verdient eine vertiefte Abklärung. Und wenn der Autor in die Zukunft blickt und formuliert: „Möchte ich frisches Leitungswasser, öffne ich die Wasserhenne“, dann bewundere ich das als geniale Wortschöpfung!

Das Buch hat mich zum Schmunzeln, Lächeln und Lachen gebracht. Aber auch zum Nachdenken. Den Spass, den mir der Verfasser im Vorwort wünschte, hatte ich. Dazu tragen auch die viel und alles sagenden Karikaturen von Ted Scapa bei. Wer sein Gemüt wieder einmal erfrischen und auffrischen möchte, greife zu diesem Buch!

René Hildbrand: Schweizer Politik zum Lachen. 555 aktuelle Sprüche, Anekdoten und Witze. Mit Illustrationen von Ted Scapa. Weltbild-Verlag 2016. ISBN 978-3-03812-672-0

Vorheriger ArtikelDer feine Unterschied
Nächster ArtikelDer Staat und seine Bürger

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

spot_img

Beliebte Artikel