FrontKulturNichts ist, wie es aussieht

Nichts ist, wie es aussieht

Ihre Sprache ist universell. Bis 18. Dezember gastieren Mummenschanz mit ihrem neuen Programm «you & me» im Theater 11 in Zürich.

Seit bald 45 Jahren füllt die Schweizer Truppe Mummenschanz mit ihrem Theater ohne Worte weltweit die Säle. Nonverbales Theater hat eben seinen eigenen Charme, kann an jedem Ort der Welt gezeigt werden. Stille ist international, Gefühle sind es auch. Leben wird überall verstanden. «Ruhe als Erlebnis, das ist nun wirklich kein Missverständnis, das ist im besten Sinne Mummenschanz», schrieb eine Berliner Zeitung.

Eine neue Generation am Werk

Andres Bosshard, Bernie Schürch und Floriana Frassetto gründeten 1972 Mummenschanz in Paris. Heute ist nur noch Floriana Frasesetto mit von der Partie. Eine neue Generation mit Christa Barrett, Sara Hermann, Oliver Pfulg und Kevin Blaser prägt das neue Programm «you & me», das am 1. Dezember im Theater 11 in Zürich Premiere feierte. «Das ist meine Show, ich mache weiter und teile sie nun mit den Jungen», sagte die Mitgründerin Frasetto im Vorfeld der gestrigen Premiere im Tagesanzeiger. Das merkt man dem neuen Programm an. Etliche der gezeigten Nummern erinnern an alte Auftritte. Doch das tut der Begeisterung keinen Abbruch. Gezeigt wird ein zeitloses, universelles Theater, das immer modern und aktuell wirkt.

Erzählt werden kleine Geschichten, die mit Hilfe von ganz unterschiedlichen Materialien menschliche Verhaltensweisen und Eigenschaften offenbaren. Da ist eine gefaltete Röhre, die ihren riesigen roten Ballonkopf verliert, sich dreht und windet, bis Anfang und Ende zueinanderfinden. Da sind die bekannten Gesichter aus Knetmasse, die sich laufend verändern und dabei ein Spiel von Anziehung und Abstossung vollführen. Da sind gefrässige Mäuler, die vergeblich nach einer hör-, aber unsichtbaren Fliege schnappen oder lange Stoffbahnen verschlucken. Da sind weisse Buchstaben, die ein verwirrendes Tanzspiel mit überraschenden Verrenkungen zeigen und sich schliesslich zum Titel gebenden «you & me» vereinen.

 

 

 

Überbordende Fantasie und Finesse

Zu sehen sind aufblasbare Figuren, die lautlos in sich zusammenfallen; skurrile Meerwesen, die geräuschvoll über die Bühne schweben und sich in liebende Schwäne verwandeln; weisse Styroporplatten, die sich zu verblüffenden Skulpturen formen; zwei Geigenköpfe, die auf den Instrumenten disharmonisch das Lied von der unerwiderten Liebe zupfen und sich schliesslich vereint im harmonischen Glück finden. Das ganze Programm ist das Ergebnis einer überbordenden Fantasie, gepaart mit handwerklichem Können und Finesse. Besondere Erwähnung verdient noch die penible Lichtinszenierung, vielmehr der Schatten, der in diesem wortlosen Theater Regie führt.

Alles, was es im neuen Programm zu bestaunen gibt, kann auch etwas anderes sein – es verwandelt sich stetig und schafft so neue Erscheinungsformen. Nichts ist, wie es aussieht. Das ist das Geheimnis und der Reiz von Mummenschanz. Das Premierenpublikum war hell begeistert und bedankte sich mit Standing Ovation.

Mit seiner unkonventionellen Pantomime begeistert Mummenschanz das Publikum auf der ganzen Welt. (Fotos: Mummenschanz)

Mummenschanz gastiert bis 18. Dezember im Theater 11 in Zürich. Danach tourt die Truppe bis 4. Juni durch die ganze Schweiz.

Mehr (Programm, Spielorte, Vorverkauf) unter www.mummenschanz.com

Vorheriger Artikel„Bildhauer von Luft“
Nächster ArtikelKein Christbaum?

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Beliebte Artikel