FrontKulturRefugium – vielstimmig inszeniert

Refugium – vielstimmig inszeniert

Bereits zum fünften Mal kann man im Winterthurer Kulturort Weiertal bis 10. September 2017 ein einzigartiges Kunsterlebnis geniessen.

Die fünfte Skulpturen-Biennale im Weitertal steht unter dem Titel „Refugium“ und präsentiert Werke von rund 20 Künstlerinnen und Künstlern aus der Schweiz. Im Vergleich zu früheren Biennalen ist das diesjährige Teilnehmerfeld eher bescheiden ausgefallen. Dafür wartet die Ausstellung im zauberhaften Garten am Rande von Winterthur mit heute international renommierten Künstlern auf – etwa Pipilotti Rist, Thomas Hirschhorn und Yves Netzhammer. Was nicht heisst, dass die weniger Arrivierten Arbeiten von minderer künstlerischer Qualität zeigen.

Zusammengestellt hat die Biennale Kathleen Bühler, Kuratorin der Gegenwartskunst im Kunstmuseum Bern. Zur Ausstellung schreibt sie: „Mit einer Mischung von poetisch-versponnenen und kritisch-politischen Beiträgen, welche in ihrer Vielstimmigkeit die Komplexität des Themas auffächern, kommen die sich widersprechenden Aspekte rund um den vielschichtigen Begriff Refugium zum Ausdruck“. Tatsächlich erschliesst sich die Komplexität der Ausstellung nur durch eine intensive und kriitische Beschäftigung mit den ausgestellten Werken.

Aktuelle Themen unserer Zeit

Zu sehen sind bildhauerische Arbeiten, Installationen und Performances, die sich dem Kontext des Gartens mit Weihern, Bachläufen, Rosenbüschen und Obstbäumen förmlich einschreiben. Gleichzeitig weisen viele Objekte über den konkreten Ort hinaus und verhandeln aktuelle Themen unserer Zeit. Nachfolgend sind einige Arbeiten herausgegriffen, die die vielschichtige und teils widersprüchliche Auseinandersetzung mit dem gewählten Thema illustrieren.

„My Home is My Castle“ titelt Eveline Cantieni ihren überdimensionierten, bestickten Teppich, der das ganze Scheunendach bedeckt und einen veritablen Blickfang darstellt. Die Monumentalität des Werks soll einerseits den Besitzanspruch auf ein Territorium und andererseits die Hoffnung auf Unterschlupf symbolisieren.

Die Skulptur „Made in Tunnel of Politics“ von Thomas Hirschhorn am Eingang zur Ausstellung zeigt ein mit Klebeband zusammengeflicktes Auto der Marke Ford Ranger, das in der Mitte in zwei Hälften geschnitten worden ist. Für den Künstler ist das notdürftig zusammengehaltene Fahrzeug ein brüchiges Refugium der Selbstverwirklichung.

Der Steinbildhauer Gregor Frehner zeigt unter dem Titel „Feuer frei!“ eine eindrückliche Installation aus Beton. Bombenähnliche Gebilde im Wasser und in Holzkisten verweisen auf latente Bedrohungsgefahren, der wir und unsere Natur ausgesetzt sind.

Ursina Jäger und Michael Zogg konstruierten eine polyederförmige Holzstruktur, die mit Drahtseilen zusammengehalten wird. Platziert ist das fragile Werk im grossen Teich, die eine Hälfte im Wasser, die andere über Wasser. Es ist ein zerbrechliches Schutzgerüst ohne Verkleidung in idyllischer Landschaft, schön anzusehen, aber ohne wirksamen Nutzen.

„Das Vermächtnis vom Weiertal“ nennt Mia Diener ihre Hörinstallation im Obstgarten, bestehend aus zwei an einem Baum befestigten Telefonboxen und einer halbrunden Sitzbank davor. Wer sich die Mühe nimmt, der Stimme im Bügeltelefon-Kopfhörer zu lauschen, erfährt eine geheimnisumwitterte Legende, als das Weiertal noch von fünf nacheiszeitlichen Weihern geprägt war. Das stimmige Hörspiel nimmt das Weiertal als Refugium auf amüsante Art auf die Schippe.

Unter dem Titel „Einbildungsvorrat“ präsentiert Yves Netzhammer in einem Holzschopf ein heiteres Stilleben, bestehend aus fantasievoll arrangierten Gartengeräten und Gartenmöbeln und gemaltem Pferd. Es ist eine poetisch versponnene Installation, die zu vielschichtigen Reflexionen über Sinn und Zweck eines Refugiums anregt.

Kunst, die aneckt und herausfordert

Einmal mehr hat es die Galeristin Maja von Meiss auf eindrucksvolle Weise verstanden, in ihrem zauberhaften Reservat der Natur eine anregende Skulpturen-Ausstellung zeitgenössischer Kunst zu präsentieren, die aneckt, herausfordert und zum Nachdenken und Hinterfragen animiert. Die fünfte Biennale dauert bis 10. September 2017 und ist jeweils Mittwoch – Samstag 14 – 18 Uhr und Sonntag 11 – 17 Uhr geöffnet. Zusätzlich zur Ausstellung finden Führungen, Diskussionsforen und Musikevents statt.

Mehr unter www.skulpturen-biennale.ch

Bilder: Linus Baur

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

spot_img

Beliebte Artikel