StartseiteMagazinKolumnenWas machst Du denn so den ganzen Tag?

Was machst Du denn so den ganzen Tag?

Diese Frage wird mir oft gestellt. Manchmal in neckischem Ton. Und ich ertappe mich dabei, dass ich sie anderen auch stelle. Wenn sie auch im Ruhestand leben….

Manchmal antworte ich mit einem leichten Zwinkern: „den ganzen Tag? Leben!“

Aber das befriedigt das Interesse der Fragenden natürlich nicht. Also habe ich mich einmal hingesetzt und mir überlegt „was ich denn so mache“?

Ich lese viel und gerne Zeitungen.  Manchmal blättere ich sie auch nur durch. Das Spiel dabei ist, dass ich mir eine Information merke und in verschiedenen Blättern nach derselben Nachricht suche. Wie „wichtig“ war es doch, dass Bundesrat Johann Schneider-Ammann kürzlich auf seiner Reise in die USA die Tochter des Präsidenten, Ivanka Trump, treffen konnte. Er war „sehr beeindruckt“ von ihr. Und sie befasst sich ernsthaft mit unserem dualen Berufsbildungssystem! Dieses Thema ist von grosser Bedeutung. Ich erinnere mich noch gut an meine amerikanischen Freunde, denen ich vor Jahren beiläufig von unserer Lehre zum Buchhändler erzählte. Sie waren bass erstaunt darüber, dass unsere Jugendlichen dafür Jahre einsetzen. „Wie wird man denn bei euch Buchhändler“, fragte ich. „Man verkauft Bücher. Und wer am meisten Bücher verkauft, ist ein guter Buchhändler“ war die Antwort. Das ist natürlich auch eine Sicht der Dinge. Aber hat sich nicht auch König Philipp von Belgien kürzlich bei einem Besuch unser System erklären lassen? Und lese ich nicht immer wieder, wie sich der ehemalige SP-Nationalrat Ruedi Strahm unermüdlich für dieses System einsetzt! Das ist ein Trumpf in unserem Bildungswesen, den wir nicht aus der Hand geben dürfen.

Ich unterhalte mich während eines Tages auch viel mit anderen Menschen. Sich auszutauschen finde ich genau so wichtig wie essen, trinken und schlafen. Wer allein lebt, soll dafür sorgen, dass er oder sie jeden Tag zu einer gehörigen Portion „Kommunikation“ kommt. Wie Vitaminmangel für den Organismus ist Kommunikationsmangel schädlich für die Seele!

Ein ganz wichtiger Punkt während der Woche ist der Mittwochmorgenstamm. Dieser existiert seit Jahrzehnten. Wir treffen uns um 08.00 Uhr in einem Kaffeehaus und erzählen uns das Neueste. Die Gruppe ist zusammengewürfelt und immer offen für Neue. Viele Frauen, ein einziger, seit Jahren treuer Mann! Früher waren wir nicht allen, die uns zur Kenntnis nahmen, geheuer. Zuviele Politikerinnen aller Stufen verkehrten da. Aber beileibe nicht alle von derselben Partei! Das war in den Anfangszeiten noch nicht so üblich. Da konnte doch die Frage gestellt werden: „über was redet Ihr denn so?“ Die Antwort war immer dieselbe: „über das Wetter“! Heute ist dieser Stamm nach wie vor ein Umschlagplatz für Ideen, Tipps, gemeinsame Unternehmungen. Grosse Veränderungen stehen demnächst an. Der Stamm wird von 08.00 Uhr auf 09.00 Uhr verlegt. Wenn das nur gut geht!

Und dann schreibe ich von Herzen gerne! Das war schon bei den Aufsätzen in der Schule so. Ich erinnere mich auch an eine Phase, während der ich meine Meinung mittels häufiger Leserbriefe öffentlich kund tat. Gelegentlich gab es sogar ein Echo!

Jetzt sind es die zweiwöchentlichen Kolumnen für Seniorweb, die mich in Übung halten.  Und am liebsten ist mir dabei das Suchen von Begriffen im Synonymwörterbuch! Soll ich jetzt zur Beschreibung „festlich“, „prächtig“, „glänzend“ oder „brillant“ verwenden? Was tönt am besten? Was trifft das Gemeinte am besten?

„Andere backen Kuchen“, sage ich jeweils. „Ich schreibe Kolumnen“. Und bei beiden kommt es auf die „Zutaten“ an.

Ist das jetzt alles, könnte mich jemand fragen. Nein, natürlich nicht. Da ist noch vieles andere, das meine Tage ausfüllt. Aber gefragt ist ja eine Kolumne und nicht ein Tagebuchauszug. Oder in anderen Worten ausgedrückt: Gefragt ist ein ordentliches Gebäck und nicht eine „Omelette Surprise“!

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